200 Jahre Ivan Turgenev

2018 jährte sich zum 200. Mal der Geburtstag des russischen Schriftstellers Ivan Turgenev (1818-1883). Er war Mitte des 19. Jahrhunderts einer der wichtigsten „Kulturbotschafter“ zwischen Russland und Westeuropa, nicht nur durch seine Werke, sondern auch durch seine unermüdliche kulturelle Mittlertätigkeit, die ihn in engsten Kontakt mit zahlreichen Vertretern des westlichen Kulturlebens brachte. Ivan Turgenev (1818 – 1883) gilt als einer der großen Schriftsteller der Weltliteratur. Seinen rundenGeburtstag nahm das Stadtmuseum Baden-Baden zum Anlass, nach seiner Aktualität zu fragen, interkulturelle Prozesse zu thematisieren, aber auch russisch-europäische Konfliktlinien in Vergangenheit und Gegenwart zu beschreiben.
Der Themenbogen der Ausstellung lässt an Turgenevs berühmtesten Werken (etwa Väter und Söhne; 1862) die philosophischen Spannungsfelder seiner Zeit nachvollziehen. Am Beispiel des legendären, 1867 in Baden-Baden geführten Streitgesprächs zwischen dem „Westler“ Turgenev und dem „Slavophilen“ Dostoevskij werden auch Fragen um die Zukunft Russlands zur Diskussion gestellt, die bis heute aktuell sind. Im Zentrum steht der – bekennende – Europäer, der „Netzwerker“ Turgenev mit seinen weitverzweigten Freundschaften, Bekanntschaften und Geschäftsbeziehungen über nationale und kulturelle Grenzen hinweg.

Ausstellungsansichten, Fotos © Stadtmuseum/Stadtarchiv Baden-Baden / Jesse“

Mehr als die Hälfte seines Lebens hat Turgenev in Westeuropa gelebt, davon allein sieben Jahre in Baden-Baden, mehr als zehn Jahre in Paris und Bougival. Turgenev war als polyglotter Intellektueller in Deutschland und Frankreich ebenso zuhause wie in seiner russischen Heimat. In Baden-Baden bildete er gemeinsam mit seiner großen Liebe, der französisch-spanischen Sängerin und Komponistin Pauline Viardot-García (1821-1910), den Mittelpunkt eines Kreises, der auch heute noch als Vorbild einer zwanglosen, alle Grenzen überschreitenden interkulturellen Gemeinschaft gelten kann – und dies in Zeiten, in denen sich die politischen Gräben zwischen Russland und dem Westen immer mehr vertieften. Dass es die Kultur ist, die in Zeiten politischer Krisen Brücken zwischen den Nationen zu bauen vermag – diese Einsicht scheint heute aktueller denn je. Und: Es gibt durchaus Parallelen zwischen der Epoche Turgenevs und unserer gegenwärtigen Erfahrungswelt.
Die Ausstellung zeigt am Beispiel von Stationen aus Turgenevs Leben und Schaffen, zugleich aber weit über sein Einzelschicksal hinausweisend, lebendige Einblicke in die russische Kultur und die Dynamik der kulturellen Beziehungen zwischen Russland und Westeuropa.
Die Ausstellung, ein gemeinsames Projekt von Stadtbibliothek und Stadtmuseum Baden-Baden sowie der Universität Freiburg im Breisgau, bietet neben aufschlussreichen Informationen und reichhaltigem Bildmaterial auch zwei speziell dafür produzierte Filme, mehrere digitale Angebote, Hörstationen, Literatur zum Schmökern und vieles mehr.
Weitere Informationen: www.stadtmuseum-baden-baden.de
Fon 07221/932272

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