Konzert-Highlights

Kiss of Fire – Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim
meets Spark – Die klassische Band

Die Senkrechtstarter der internationalen Klassikszene verbindet den Feinsinn und die Präzision eines klassischen Kammermusikensembles mit der Energie und dem Biss einer Rockband. Tradition und Innovation werden bei den fünf jungen Musikern von Spark zu einem Klangerlebnis, das sich virtuos und unverkrampft zwischen den verschiedensten musikalischen Welten bewegt: Barocke Ohrwürmer verschmelzen mit Filmmusik und Minimal Music, slawische Folklore und jazzige Grooves treffen auf klassische Avantgarde. So erreichen Spark besonders auch die junge Generation. Auf dem Konzertprogramm am 12. November stehen Werke von der barocken Opernwelt eines Henry Purcell bis hin zu rockig-klassischen Klängen, wie sie der niederländische Komponist Chiel Meijering in seiner Suite „Kiss of Fire“ verbindet. In acht kurzen Charakterstücken zeigt das Werk für Spark und Kammerorchester mit den unterschiedlichsten musikalischen Mitteln vom afrikanischen Rhythmus bis hin zu Popelementen die unterschiedlichsten Facetten der Musik, der Liebe und des Lebens…
Weitere Info & Karten: www.swdko-pforzheim.de

Foto oben: Spark 1d ┬® Bartosch Salmanski


Nachtschwärmer-Konzerte
„Nachtschwärmer-Konzerte“ – heißt die neue Veranstaltungsreihe, die die Stuttgarter Philharmoniker gemeinsam mit dem Jazzclub BIX im Gustav-Siegle-Haus aus der Taufe gehoben haben. Ziel der Reihe ist es, neue Begegnungen zwischen unterschiedlichen Publikumsgruppen zu ermöglichen. Die Programme der „Nachtschwärmer-Konzerte“ sind mehrteilig angelegt: der erste Teil ertönt im Saal des Gustav-Siegle-Hauses der zweite klingt dann im Jazzclub BIX aus. Das erste Konzert der Reihe startet mit einer Sinfonie von Mendelssohn, gefolgt von einem Klavierkonzert von Bach, für Akkordeon und Orchester arrangiert, und Tangos von Astor Piazzolla. Anschließend spielt die Akkordeonistin Ksenija Sidorova (Foto) im Jazzclub mit Jazzern weiter. Die Konzertreihe eignet sich aber auch hervorragend für besondere Kammermusikprogramme, beispielsweise die Gesamtaufführung aller sechs Streichquartette op. 18 von Beethoven an einem Abend durch Quartettformationen des Orchesters. Hierbei werden die Ensembles in der Mitte des Parketts platziert, während das Publikum die Aktion ringförmig umgibt. Anschließend gibt’s Jazz-Kammermusik im BIX. In einem weiteren Konzert tritt der Jazztrompeter, Pianist und Komponist Sebastian Studnitzky mit in seinem Projekt „Memento“ auf, ein anderes mit dem jungen Pianisten und Dirigenten Frank Dupree (Foto) verbindet Orchester- und Klaviermusik von Beethoven mit der von Duke Ellington und George Gershwin.
Weitere Informationen zum Programm und Karten:
www.stuttgarter-philharmoniker.de

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Martin-Stadtfeld (c) Marco-Borggreve/Sony-Classical

Der Goldstadtzirkel weltberühmter Pianisten“
Martin Stadtfeld
Martin Stadtfeld spielt erneut mit der Badischen Philharmonie Pforzheim und eröffnet mit dem „Goldstadtzirkel weltberühmter Pianisten“ die Sinfoniekonzert-Reihe der neuen Spielzeit. Stadtfelds Karriere begann 2002 mit dem ersten Preis des Internationale Bach-Wettbewerbs. Seine Einspielungen auf CD (u.a. bei SONY Music) erhielten mehrfach den ECHO Klassik-Preis. In Pforzheim spielt Martin Stadtfeld nun Sergej Rachmaninows 2. Klavierkonzert c-moll op. 18:. Romantisch-expressiv ist dieses Klavierkonzert, das seit der Urraufführung 1901 das erfolgreichste Rachmaninows ist. Eröffnet wird das Konzert mit Maurice Ravel Suite für Orchester „Ma mère l‘ oye“. Eine Sammlung von Märchen ist „Meine Mutter Gans“, die ursprünglich als Fassung von fünf Kinderstücken für Klavier zu vier Händen entstand. Abschließend stimmt die Badische Philharmonie Pforzheim mit der „Reformations-Symphonie“ in das Luther-Jubiläum mit ein. Felix Mendelssohn-Bartholdy komponierte sie 1830 zum 300. Jubiläum der Confessio Augustana. 
15. Oktober CongressCentrum Pforzheim, Karten: Online-Ticketshop arsmondo


Bartoli / Gabetta (c) Decca/Esther Haase

„Dolce Duello“ –
Cecilia Bartoli & Sol Gabetta

Musikalisches Gipfeltreffen: Cecilia Bartoli liebt es, die Register wie ihre Rollen zu wechseln und die ganze Palette von Gefühlszuständen auszuspielen – von innig zart bis rasend, von schüchtern bis wild, von verliebt bis wütend. Die Mezzosopranistin gehört seit über zwei Jahrzehnten zu den absoluten Topstars der Klassik-Szene, mit einem dunkel-satten Timbre von bewegender Schönheit, einem herausragenden darstellerischen Talent, außerordentlicher Musikalität und einer elektrisierenden Bühnenausstrahlung im Konzert und auf der Opernbühne. Im Baden-Badener Festspielhaus, wo La Bartoli zuletzt in Bellinis „Norma“ glänzte, trifft sie nun auf ihre Freundin Sol Gabetta, die ihrerseits zu den besten Cellistinnen weltweit gezählt wird. Dabei kann sie auf den vier Saiten ihre Violoncellos nicht nur beseelt singen, sondern auch dramatisch auftrumpfen und immer wieder spieltechnisch glänzen – etwa, wenn sie mit hochemotionalem und überaus riskantem Spiel die virtuosesten Werke in schwindelerregendem Tempo präsentiert, so dass die Musik unter ihrem Bogen Funken zu schlagen scheint wie bei einem Vulkanausbruch. Cecilia Bartoli und Sol Gabetta präsentieren im Baden-Badener Festspielhaus mit „Dolce Duello“ ein abwechslungsreiches Barockprogramm gemeinsam mit der Cappella Gabetta, einer handverlesenen Originalklang-Truppe, die Sol Gabetta im Dezember 2010 gemeinsam mit ihrem Bruder Andrés Gabetta, einem brillanten Barockviolinisten und Konzertmeister, gegründet hat. Für „Dolce Duello“ haben Cecilia Bartoli und Sol Gabetta einige wunderbare Werke für Gesang und Violoncello ausgegraben. Darunter finden sich berührende Lamenti wie in Händels Ode für die Heilige Cäcilie sowie energiegeladenere Arien wie „Di verde ulivo“ von Vivaldi.
23. November im Festspielhaus Baden-Baden, Karten: www.festspielhaus.de


Mischa Maisky (c) Deutsche Grammophon

Emotionale Freigiebigkeit –
Mischa Maisky & Musikkollegium Winterthur

Mischa Maisky ist der wohl berühmteste Cellist unserer Zeit, weltweit gefeiert als „großer Romantiker“. Sein Spiel ist emotional, intensiv, brennend vor Leidenschaft, dabei edel und seelenvoll im Ton: „Ich gebe nicht 100, sondern 120 Prozent“, sagt der lettische Jahrhundertmusiker mit der Silbermähne über sich. Und: „Ich spiele jedes Konzert, als wäre es mein letztes. Ich verschwende, sagen manche, jedes Mal sehr viel Energie. Aber ich glaube, dass die Konzertbesucher die emotionale Freigiebigkeit eines Musikers fühlen, die viel wichtiger ist als Technik.“ Kurz vor seinem 70. Geburtstag (am 10. Januar 2018) darf sich das Göppinger Publikum auf 120 Prozent Mischa Maisky in Schostakowitschs erstem Cellokonzert freuen – an seinem kostbaren Montagnana-Cello, im Dialog mit dem traditionsreichen schweizerischen Musikkollegium Winterthur unter der inspirierten Leitung seines neuen Chefdirigenten Thomas Zehetmair. Dass die Winterthurer zudem eine Deutsche Erstaufführung im Gepäck haben, macht den Abend desto spannender!
6. November 2017, 20 Uhr, Stadthalle Göppingen


Maximillian Hornung, Photo: Marco Borggreve

Münchener Kammerorchester
& Maximilian Hornung

Mit bestechender Musikalität, instinktiver Stilsicherheit und musikalischer Reife hat der Cellist Maximilian Hornung die internationalen Konzertpodien erobert. Für seine erste Sony-CD erhielt er den ECHO Klassik-Preis 2011 als Nachwuchskünstler des Jahres, für die Veröffentlichung von Dvořáks Cellokonzert den ECHO Klassik 2012 für die »Konzerteinspielung des Jahres«. Mit dem Münchener Kammerorchester wird er ein Auftragswerk des MKO für Violoncello und Orchester von Tobias PM Schneid aufführen. Der finnische Dirigent John Storgårds ist speziell für eine auf drei Spielzeiten angelegte Reihe engagiert worden, nämlich Haydns Londoner Sinfonien den Ligetis Solokonzerten – hier das Konzert für Violoncello und Orchester – gegenüberzustellen. An diesem Abend bilden die Sinfonien Nr. 97 und Nr. 103 »Mit dem Paukenwirbel« den Rahmen des Konzerts. Das Konzert findet am 6. Dezember im Konzerthaus Ravensburg statt.-
Karten: www.ravensburg.de

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„EINE WEIHNACHTSGESCHICHTE“ VON CHARLES DICKENS
Miroslav Nemec & Udo Wachtveitl in einem Bühnenmärchen mit Musik

Sie ist – neben der Geschichte von Jesu Geburt – das vermutlich meisterzählte Literatursujet der Adventszeit: Charles Dickens‘ „Weihnachtsgeschichte“. Die sozialkritische Erzählung über den alten Geizhals Ebenezer Scrooge, der am Vorabend des Weihnachtsfests von vier Geistern heimgesucht wird und durch sie seine Menschlichkeit wiederentdeckt, ist ein Klassiker. Kaum ein Theater, das dieses Werk nicht schon mehrfach gespielt hat. Warum dann eine neue Fassung? Der Regisseur und Produzent Martin Mühleis hat mit seinen Bühnenbearbeitungen von literarischen Werken in den vergangenen Jahren große Erfolge gefeiert. Allein seine Bearbeitung von Erich Kästners autobiographischer Erzählung „Als ich ein kleiner Junge war“ mit Walter Sittler in der Hauptrolle wurde mehr als 400 Mal gespielt. Für die beiden Schauspieler Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl hat er nun gemeinsam mit dem Komponisten Libor Síma ein musikalisches Bühnenmärchen geschaffen. Es erinnert in seiner Ästhetik an alte Schwarzweißfilme und spielt mit Elementen literarischer Revuen. Durch die Musik und die geschickte Lichtregie werden Räume geschaffen – und doch spielt der literarische Text immer die Hauptrolle: Tempo, Rhythmus und Struktur der Novelle bleiben auch in der Lesefassung bewahrt. Und in der Interpretation von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl erhält die Erzählung, trotz des moralischen Grundtons, eine unglaubliche Lebendigkeit. Beide sind bekanntermaßen seit vielen Jahren durch ihre gemeinsame Arbeit als Münchner Tatort-Kommisare eng verbunden und geben auch auf der Bühne ein tolles Team ab, dem es gelingt im Zusammenspiel mit der Bühnenmusik den typischen, skurrilen britischen Humor auf anrührende Weise herauszuarbeiten.
TOURDATEN 2017: 03.12.2017 Fellbach, Schwabenlandhalle, 04.12.2017 Theater Heilbronn, 09.12.2017 Stadthalle Singen, 10.12.2017  Tuttlinger Hallen, 12.12.2017 Stuttgart Theaterhaus, 20.12.2017 Stuttgart Theaterhaus; Karten und Info beim jeweiligen Veranstalter erhältlich

Enrico Bach – Franziska Holstein – Ayan Farah

Derzeit widmet sich das KUNSTWERK in Eberdingen-Nussdorf der abstrakten Malerei: Im Fokus stehen nun Werke einer noch jungen Künstlergeneration. Enrico Bach, Franziska Holstein und Ayan Farah haben ihr Studium im letzten Jahrzehnt abgeschlossen und sich bereits international mit individuellen Werkkonzeptionen profiliert. Die Entwicklung von Holstein und Bach begleiten Alison und Peter W. Klein seit mehreren Jahren. Während sie schon zu den Protagonisten der Sammlung gehören, stellt die Hängung #19 im KUNSTWERK mit den Arbeiten von Ayan Farah eine Neuentdeckung des Unternehmerpaares vor.

Franziska Holstein, o.T. (45), 2018, je 42×29,7cm

Franziska Holstein (Jg. 1978) lebt in Leipzig und hat dort an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studiert. Bereits in ihrer Zeit als Meisterschülerin von Neo Rauch hat ihr Weg von gegenständlichen zu abstrakten Bildern geführt. Ihre gesamte bisherige Entwicklung ist im Bestand der Sammlung Klein in exemplarischer Weise repräsentiert. Dennoch setzt die Werkauswahl der Ausstellung bewusst erst mit dem Gemälde „o.T. (M4,12)“ ein und konzentriert sich auf Malerei, Collagen und druckgrafische Werke der jüngeren Zeit. In allen vorgestellten Arbeiten zeichnet sich der Vorgang des mehrfachen Be- und Überarbeitens als Prinzip ihrer künstlerischen Auseinandersetzung ab. Langfristige Arbeitsprozesse zeichnen sich in der dicken Malschicht der Bilder oder in umfangreichen Serien ab, für die Franziska Holstein den künstlerischen Handlungsrahmen und im weiteren Verlauf die Regeln des Vorgehens selbst festlegt. Ihre systematische Arbeitsweise äußert sich nicht zuletzt in neuen Farbfeld-Installationen aus Karton, die sich in kombinatorischer Gesetzmäßigkeit in der Fläche ausbreiten oder – wie erstmals im KUNSTWERK auf Ebene 2 – dreidimensional in den Raum gehen.

Installationsansichtl, Enrico Bach, Foto: Kunstwerk Nussdorf

Enrico Bach (Jg. 1980) lebt in Karlsruhe. Das Studium an der dortigen Akademie der Bildenden Künste hat er 2011 als Meisterschüler von Prof. Gustav Kluge abgeschlossen. Seine Malerei findet nicht nur bundesweit Beachtung, sondern in den letzten Jahren – mit Ausstellungen in Peking, Shanghai und Guangzhou – auch in den Metropolen Chinas. Im KUNSTWERK stellt er Arbeiten aus drei Bildserien vor, die im Zeitraum des letzten Jahres entstanden sind. In seinen großformatigen Gemälden verbinden sich die widersprüchlichen Aspekte von Fläche und Raum. Meist geometrisch, teils gestisch strukturierte Farbfelder überschneiden sich, erscheinen in unterschiedlicher Ausrichtung hintereinander gestaffelt und erzeugen so eine räumliche Illusion. Die Raum- und Lichtwerte der Farbe sowie die scheinbar greifbare Materialität der Farbreliefs verdichten das bildräumliche Geschehen in seinen malerischen Flächen weiter.
Enrico Bach und Franziska Holstein, die sich seit einer gemeinsamen Ausstellung 2015 in Berlin kennen, arbeiten nun erneut zusammen. Für das KUNSTWERK haben sie ein Präsentationskonzept erarbeitet, in dem sich Arbeiten beider Künstler im Erdgeschoss sowie auf den Ebenen 1 und 2 begegnen. Demgegenüber erhält die Ausstellung mit Werken von Ayan Farah auf Ebene 3 den Charakter einer Soloshow.

Ayan Farah entwirft ihre künstlerische Konzeption aus dem eigenen biografischen Weg. Geboren als Kind somalischer Eltern in den Vereinigten Arabischen Emiraten, ist sie in Schweden aufgewachsen und hat ihr Studium in London 2013 an der Royal Academy of Art abgeschlossen. Seither lebt sie in London und Berlin. In ihrer künstlerischen Arbeit verwendet sie Mineralien, Pflanzen und Erden, die sie selbst weltweit auf ihren Projekt-Reisen sammelt. Mit den natürlichen Substanzen färbt sie teils historische Tücher ein und versieht die Betitelung der Werke mit genauen Detailangaben, so dass die Materialien erkennbar bleiben. Rechteckige oder streifenförmige Teilstücke der gefärbten Stoffe lassen zusammengenäht Bilder entstehen, die in übernationaler Dimension unterschiedlichste lokale Bezüge vereinen. In ihren bildnerischen Arbeitsprozessen greift Ayan Farah Techniken aus der afrikanischen kunsthandwerklichen Tradition auf und verbindet sie mit Elementen westlicher abstrakter Kunst.

Installationsansicht Ayan Farah, Foto: Kunstwerk Nussdorf

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der KUNSTWERK erhältlich ist. Darin geben Texte von Kirsten Voigt aus Karlsruhe, Kito Nedo aus Berlin und Alex Bacon aus New York tiefere Einblicke in die Werkkonzeptionen der drei Künstler.

Dauer: 8. Juli bis 21. Dezember 2018

Weitere Info: KUNSTWERK – Sammlung Klein, Siemensstraße 40, 71735 Eberdingen-Nussdorf, Tel. 0 704 2 – 37 69 566
www.sammlung-klein.de

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Freitag und Sonntag 11 bis 17 Uhr
Eintritt frei

Das Roomers in Baden-Baden

Das Roomers in Baden-Baden beeindruckt mit Größe und Opulenz und ist schon von weitem ein echter Blickfang. Eine ultra-moderne Fassade prägnant in schwarz-weiß gehalten, vollflächige Fensterfronten dominieren den ersten äußeren Eindruck. Doch welch Überraschung: Empfangen wird der Gast von einem mächtigen antiken Eingangsportal – die Holztüren messen eindrucksvolle 3,80 Meter und schmückten ursprünglich einmal eine spanische Kirche. Modernes Design und internationale Hotelkultur der neueren Generation trifft auf Individualität und Kunst und lässiger Gastfreundschaft auf höchstem Niveau. Fast leitmotivisch ziehen sich genau diese Gegensätze durch das gesamte Hotelkonzept. Den Neubau an der Lange Straße gestaltet das ortsansässige KHP Architektenbüro von Urban Knapp und Marcus Haedecke. Das ehrgeizige Ziel der Initiatoren war es einen einzigartigen neuen zeitgeistigen Anziehungspunkt für Einheimische und Besucher gleichermaßen zu schaffen. Für die Gestaltung im Innenbereich konnte der bekannte italienische Designer Piero Lissoni gewonnen werden. Der für seinen sinnlichen Minimalismus bekannte Mailänder Stararchitekt schuf zum einen weite, lichtdurchflutete Räume, zum anderen setzte er auf rustikale Opulenz. Dunkles Holz und Glas treffen auf Naturtöne und ein ausgeklügeltes Lichtkonzept sorgt für eine wohnliche und zugleich elegante und kultivierte Atmosphäre, in der man sich sofort wohlfühlt.
Kurz: Urbanes Design trifft auf Naturverbundenheit – und der spielerische Umgang mit unterschiedlichen Materialien, Texturen und scheinbar Gegensätzen macht einfach Spaß, weckt die Neugierde und lädt zu Erkundungsspaziergängen ein. Lorenza Marenco vom Team Lissoni betreute und überwachte seinerzeit alle Arbeiten vor Ort. Ihr besonderes Anliegen war es dabei auch die Besonderheiten der Standorts mit in das Einrichtungskonzept einfließen zu lassen. Dazu erwanderte sie sogar die anliegenden Schwarzwald-Höhen, um Eindrücke und Inspiration zu gewinnen. Ein Gewinn für das Interieur – denn durch die Verwendung ortsspezifischer Materialien und Designobjekte und nicht zu zuletzt der Kunst unter anderem auch von einigen bedeutenden Künstlern der Region begeistert das Roomers nicht nur als typischer Designtempel mit internationalem Flair, der überall auf der Welt funktioniert, sondern auch durch die gelungene, wohldosierte Einbindung von regionalen und für den Schwarzwald typischen Elementen. Die bodentiefen Fenster im ganzen Haus holen aber auch die Landschaft ins Innere in dem sie den Blick auf die umliegenden Hügel und Berge des Schwarzwaldes freigeben.

Lobby (c) roomers/gekko group
(c) roomers/gekko group

Die Lobby ist großzügig und einladend gestaltet und hat museale Raumdimensionen. Überall laden Tische und Sitzlandschaften zum entspannten Verweilen ein. Ein offener Kamin, ein riesiger Billardtisch, ein gigantisches Bücherregal und Kunst, Kunst soweit das Auge reicht komplettieren und verstärken den Eindruck sich hier eher in einem übergroßen Wohnraum zu befinden, als im Entree eines Hotels. Hinzu kommt, dass man in der Lobby auf den üblichen Empfangstresen gänzlich verzichtet hat, stattdessen darf man sich auf einen der Sessel fallen lassen und wird vom freundlichen Servicepersonal via Laptop in die Gepflogenheiten des Hotels inklusive Check-in eingewiesen. Im Erdgeschoss im Restaurant moriki wird moderne panasiatische Küche serviert und symbolisieren eine Verbindung aus ostasiatischen Aromen und frischen, regionalen Zutaten. Die bestens sortierte Bar, ebenfalls im Erdgeschoss und begehbar durch eine kleine unauffällige Tür lässt für Nachtschwärmer keine Wünsche offen.

Bar mit begenbarem Humidor (c) roomers/gekko group
Bar (c) roomers/gekko group

Sie besitzt sogar einen begehbaren Humidor. Der Gang hinaus ins Freie entführt im hinteren Gebäudeteil in einen parkähnlichen Innenhof mit herrlichen Grünpflanzen und einem Teich. An sonnigen Tagen ein herrlich stiller Ort, um nach einem Museums- oder Stadtbesuch einen Drink zu genießen.
Auf dem Dach der fünften Etage lockt dazu eine weitere und in der Stadt einzigartige, großzügige Rooftop Bar mit beeindruckendem Panoramablick auf die Berge.

(c) roomers/gekko group

Die 130 Zimmer und Suiten stehen im Zeichen schlichter Eleganz – puristisch und sinnlich. Tageslicht strömt durch deckenhohe Fenster in den Raum.
Der 500 m² große Spa- und Fitnessbereich ist die Wellness-Oase im Roomers. Mit der Lage in der vierten Etage bietet das Spa zudem einen unglaublichen Blick in die grüne Natur des Schwarzwaldes. Das Spa steht auch Nicht-Hotelgästen zur Verfügung.

Ein besonderes Highlight für mich als Herausgeberin eines Kulturmagazins war bei meinem Besuch an Ostern neben dem unaufgeregten, lässigen jedoch dabei stets superfreundlichem Servicepersonal fraglos die Einbindung von Kunst in das Ausstattungskonzept, denn auch hier wurde unkonventionell und mit spannenden Gegensätzen gearbeitet. Und so wird der Rundgang durch das Haus zu einer lohnenden Entdeckungsreise zwischen Fotografie, Skulptur, Graffiti-Art. Auf den Etagen begegnet man großformatigen Fotografien von Kai Struth, den man auch als „David Lynch der europäischen Fotografenszene“ bezeichnet; 1964 in Hamburg geboren, begann Struths Karriere in den 90ern. Für jede Etage portraitierte er starke, schöne Frauen in der typischen Schwarzwald-Tracht. Aus seiner Serie „Super Flemish“ finden sich zwei Werke von Sascha Goldberger in der Lobby, während die die ausdrucksstarken Fotografien des Freiburger Künstlers Frank Wassmer alias Frank Bale (sein Künstlername) die Zimmer und Suiten bereichern. Bale nennt seine mystisch anmutenden Landschaftsaufnahmen, die er alle im Schwarzwalds gefunden und aufgenommen „Lost Places“.

(c) roomers/gekko group

Nicht fehlen darf natürlich Stefan Strumbel! Er ist gleich mit mehreren ganz unterschiedlichen Arbeiten präsent. Der Künstler stammt aus dem Schwarzwald, genauer aus Offenburg und sorgte in den 90ern zunächst durch seine Sprühbilder für Aufsehen. Für ihn spielt das Thema „Heimat“ eine zentrale Rolle, seine künstlerische Interpretation dazu ist immer ambivalent und provokativ. Seine Graffiti-Schwarzwaldmädels mit Bomben und Spritzen erhitzten die Gemüter, ebenso wie seine knallbunten Pop-Art-Schwarzwaldwanduhren. Heute mischt er im internationalen Kunstmarkt mit, seine Arbeiten werden in Basel, Miami, Berlin, Hamburg, Hongkong und Shanghai ausgestellt und finden sich in renommierten Sammlungen von Karl Lagerfeld oder Hubert Burda wieder.

(c) roomers/gekko group

Dass das Roomers aber nicht nur im eigenen Haus Kunstverstand besitzt, zeigt auch die offene und intensive Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Kulturinsitutionen. Hier seien vor allem die beiden Leuchttürme der Stadt das Festspielhaus Baden-Baden und das Museum Frieder Burda genannt, mit denen das Roomers immer wieder besondere Veranstaltungsformate kreiert.-
Claudia Fenkart-Njie


www.roomers-badenbaden.com
Kontakt:
+49 7221 90193 0
info@roomers-badenbaden.com

LICHTEMPFINDLICH 2

Die Ausstellung LICHTEMPFINDLICH 2 zeigt eine repräsentative Auswahl zeitgenössischer Fotografie aus der Sammlung Schaufler. Wie bereits bei LICHTEMPFINDLICH 1 werden die Arbeiten im ehemaligen Hochregallager des Museums präsentiert, welches mit über 15 Metern Raumhöhe und einem umlaufenden Aufgang spannende Sichtachsen bietet. Die Fotografie in der Sammlung Schauflert beherbergt 56 Künstler, davon sind in der aktuellen Präsentation 32 ausgestellt – unter ihnen die bekanntesten deutschen Fotografen, wie Thomas Demand, Andreas Gursky, Candida Höfer, Thomas Ruff, Thomas Struth und Wolfgang Tillmans, aber auch internationale Größen wie Nobuyoshi Araki, Sherrie Levine und Bettina Rheims. Der zeitliche Schwerpunkt der gezeigten Werke liegt zwischen 1980 bis 2015. Das Spektrum der fotografischen Positionen ist vielfältig und reicht von Akt, Porträt, Landschaft, Architektur bis hin zu Industrie.
 Einige Hauptwerke aus der Sammlung Schaufler sind erneut ausgestellt, wie die 5-teilige Fotoserie New York, November 8, 2001 von Starregisseur Wim Wenders, die nach den Terroranschlägen des 11. September entstand.
LICHTEMPFINDLICH 2 veranschaulicht – über eine facettenreiche Bandbreite an Motiven und die Vielfältigkeit der technischen Möglichkeiten – das faszinierende Potenzial, welches dem Medium Fotografie inne wohnt.

Der Film gibt einen kurzen Einblick in die Ausstellung LICHTEMPFINDLICH 2 – Fotografie aus der Sammlung Schaufler im beeindruckenden Ausstellungsraum, einem ehemaligen Hochregallager.

Der zur Ausstellung entstandene Katalog erfasst erstmalig den fotografischen Bestand der Sammlung Schaufler. Anlass und Grundlage für die Publikation sind die beiden Ausstellungen LICHTEMPFINDLICH 1+2. Einführende Texte beleuchten das Medium aus verschiedenen Blickwinkeln. Ein Index zur Fotografie ergänzt die Werk-betrachtung und Biografien der Künstler. Das Gesamtverzeichnis erscheint im Kehrer Verlag (39,90 Euro im Buchhandel, 34,90 Euro im Museumsshop).

Dauer: 15.04.2018–06.01.2020


SCHAUWERK Sindelfingen
Eschenbrünnlestraße 15/1
71065 Sindelfingen I Germany
Tel. +49 (0)70 31 932-49 00
www.schauwerk-sindelfingen.de

Deutschland feiert 100 Jahre Bauhaus

Das 100-jährige Bauhaus Jubiläum ist eines der großen Kulturereignisse des Jahres 2019. Hier erhalten Sie einen Überblick, welche großen Ausstellungen, Programme und Projekte zum 100. Geburtstag des Bauhauses mit Schwerpunkt auf Baden-Württemberg stattfinden und geplant sind.

Das Bauhaus in Dessau, © fotolia,Urheber: Stockfotos-MG

Baden-Württemberg – Heimat Oskar Schlemmers &
Zentrum des Neuen Bauens
Die Stuttgarter Weissenhof-Siedlung zählt ohne Zweifel zu den Meilensteinen der Architekturmoderne. Die Stuttgarter Studienjahre prägten die späteren Bauhaus-Meister Johannes Itten und Oskar Schlemmer, und ab den Fünfzigerjahren schrieb die legendäre Ulmer Hochschule für Gestaltung die Bauhaus-Ideen fort.

Avantgarde in Stuttgart und Ulm

Le Corbusier, Oskar Schlemmer und Max Bill – Baden-Württemberg ist Schauplatz für das Wirken und die Werke vieler berühmter Pioniere der Moderne und Zentrum des Neuen Bauens.
Mit der Stuttgarter Weissenhofsiedlung begründetete der spätere Bauhaus-Direktor Ludwig Mies van der Rohe eines der bedeutendsten Bauensembles des Neuen Bauens. Walter Gropius, Mart Stam, Victor Bourgeois, Josef Frank, J.J.P. Oud, die Brüder Bruno und Max Taut, Hans Scharoun und Adolf Rading waren an den Bauten beteiligt. Und auch Le Corbusier errichtete hier zwei Häuser, die 2016 zusammen mit weiteren Bauten des Architekten zum UNESCO-Welterbe ernannt wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb die von Bauhäusler Max Bill mitgegründete Hochschule für Gestaltung Ulm die Bauhaus-Ideen fort und beeinflusste nachhaltig die Gestaltungsausbildung. Seit 1979 ist die Gesamtanlage als ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung ausgewiesen. Überdies hinterließen Walter Gropius und Otto Haesler mit der Siedlung Dammerstock in Karlsruhe oder Paul Bonatz mit den Schleusenbauten im Neckar zwischen Mannheim und Stuttgart ihre architektonischen Spuren in Baden-Württemberg.
Stuttgart ist auch die Heimatstadt des Bauhaus-Meisters Oskar Schlemmer. In der Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart befinden sich eine Reihe wichtiger Werke des renommierten Künstlers ebenso das Oskar-Schlemmer Archiv.

„Weissenhof City.
Von Geschichte und Gegenwart der Zukunft einer Stadt.“

Der Prozess der Moderne und mit ihr des Bauhauses hat sich über viele Veränderungen und Orte vollzogen. Kartiert man das Bauhaus und sein globales Netzwerk, so gehört Stuttgart zu den Orten, die ihm bedeutende Impulse gegeben haben und selbst durch es beeinflusst sind. Internationale Künstlerinnen und Künstler begeben sich in Zusammenarbeit mit der Staatsgalerie auf die Suche nach Spuren des vorausschauenden Bauhauses und seiner imaginierten Zukunft, die unsere Gegenwart heute ist. In und von Stuttgart aus setzen sie sich mit dem Bauhaus-Kosmos auseinander.
Noch bis 20.10.2019 in der Staatsgalerie Stuttgart

Drei neue Museen
Anlässlich des 100-jährigen Bauhaus Jubiläums entstehen drei neue Museen in Weimar, Dessau und Berlin. Sie sind zugleich auch Begegnungsorte, Kulturzentren, Bildungslabore und Veranstaltungsbühnen. Mit den neuen Museen entstehen neue Stadträume an den zentralen Wirkungsstätten des Bauhauses.

Buch-Tipp:
BAUHAUS-ARCHITEKTUR 1919-1933
Der neue Bildband zeigt die wichtigsten Bauwerke der einflussreichsten Architekturschule des 20. Jahrhunderts in grandiosen Aufnahmen.

Die Aufnahmen des Architekturfotografen Hans Engels präsentieren in diesem Band eine Auswahl berühmter wie auch weniger bekannter Bauten von Bauhausarchitekten wie Walter Gropius, Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe. Die Gebäude werden in chronologischer Reihenfolge von der Gründung 1919 bis zur Schließung des Bauhauses 1933 in meisterhaften, eigens für diesen Band entstandenen Fotografien gezeigt. Die informativen Texte von Axel Tilch ergänzen die Aufnahmen durch wertvolle Informationen zur Baugeschichte. Dem Leser eröffnet sich ein breit gefächertes Panorama der Bauhaus-Architektur, der heute unbestritten bedeutendsten Schule für Architektur, Design und Kunst im 20. Jahrhundert.
ISBN: 978-3-7913-8480-1, Verlag: Prestel

Bauhaus im Film –Vom Bauen der Zukunft

Bauhaus-Architektur von Axel Tilch

Der Dokumentarfilm „Vom Bauen der Zukunft – 100 Jahre Bauhaus“ geht zurück zu den Anfängen der ersten Bauhaus-Gruppe um Walter Gropius, deren Ausbildungskonzept zwischen Feiern und Forschen revolutionär war. Vom Bauhaus als gesellschaftlicher Utopie ausgehend fragen die Regisseure Niels Bolbrinker und Thomas Tielsch nach ihrer Evolution, ihrem Wandel und ihrer Inspirationskraft im Lauf der letzten hundert Jahre.

Buch-Tipp: Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus
Das Leben der Ise Frank

IIse Frank war weit mehr als die Ehefrau des Bauhaus-Gründers Walter Gropius und Sekretärin der berühmten Kunst-, Architektur- und Designschule. Doch heute kennt kaum noch jemand ihren Namen. Jana Revedin erzählt nun die spannende Lebensgeschichte der Ise Frank und nähert sich so der Historie des Staatlichen Bauhauses auf romanhafte Weise. Die Tochter aus einer großbürgerlichen jüdischen Familie beginnt nach Berliner Studienjahren eine Karriere als Buchhändlerin und Rezensentin in München. Ihr selbstbestimmtes Leben erfährt eine neue Wendung, als sie im Frühjahr 1923 den unkonventionellen Architekten Walter Gropius kennenlernt. Doch Geldsorgen, akademische Intrigen, leidenschaftliche Verstrickungen und der Niedergang der Demokratie im aufkommenden Nazideutschland können ihr gemeinsames Lebenswerk nicht schwächen.
Erscheint im November bei dumont,
ISBN 978-3-8321-8354-7

Weitere Informationen zu 100 jahre bauhaus
https://www.bauhaus100.de/de

Schauspielerin Iris Berben
über Stimme & Sprache

Welch wunderbares, modulierendes Instrument die Stimme sein kann und wie wichtig es ist, in schwierigen Zeiten die Stimme zu erheben, darüber gibt die vielseitige Schauspielerin in diesem Gespräch Auskunft. Für die 12. Internationalen Stuttgarter Stimmtage im November hat Iris Berben die Schirmherrschaft übernommen.

arsmondo: Sie haben sich bei Ihren Rollen und auch beim Genre nie festlegen lassen. Das hat sie vor der gefährlichen „Schublade“ bewahrt. Sie spielten Rollen wie die der Rosa Roth, eine engagierte Kommissarin, in Sketchup waren sie die Comedy-Partnerin von Dieter Krebs, darüber hinaus haben Sie in vielen Filmen facettenreiche Frauenfiguren verkörpert mit denen man mitfiebert, lacht oder leidet. Das bedeutet jede Menge Stimmungen, Gefühle zu entwickeln und auf den Punkt abrufen zu können. – Wie nähern Sie sich diesen unterschiedlichen Rollen?

In der Comedyserie Sketchup gab es viele kleine kurze Szenen – Miniaturen – dort habe ich gelernt viel und sehr genau zu arbeiten. – Comedy hat ja in Deutschland leider nicht den Stellenwert wie beispielsweise im englischsprachigen Raum – dabei ist es eigentlich eine Königsdisziplin für jeden Schauspieler, denn dort lernst du viel über Timing, das schnelle Begreifen einer Situation und wie du sie möglichst reduziert und spontan rüberbringst. Die Unterschiedlichkeit meiner Rollen ist ein Glücksfall für mich – weil gerade dadurch keine Routine aufkommt. Es sind ganz unterschiedliche Wege, die mich in meine unterschiedlichen Rollen führen. Ich habe kein festes Konzept – man muss sich jedes Mal aufs Neue auf einen Charakter einlassen. In manchen Rollen trägst du ein historisches Korsett, zum Beispiel als ich in dem Film Die Buddenbrocks die Konsulin Bethsy Buddenbrook gespielt habe oder die Berta Krupp (Krupp – Eine deutsche Familie ist ein dreiteiliger Historienfilm/2009 , A. d. R.). Dafür musste ich erst einmal sehr viel Lesen über die jeweilige Zeit. Solche Frauen-Figuren darfst du ja nicht aus unserer heutigen Sprachgewandtheit und Offenheit herausspielen, sondern aus dem damaligen Bewusstsein heraus entwickeln. Natürlich bin ich glücklich, dass ich das ganze Rollen-Spektrum so breit füllen darf und kann. Mein Credo lautet immer maximale Empathie für eine Rolle mitbringen auch wenn es ein Charakter mit negativen Seiten ist. Du musst sie in dem Moment mögen und verstehen. – Manchmal fiel mir das sehr schwer, weil es so weit von einem weg sein kann. Das ging mir bei der Rolle der Cosima Wagner so („Die Wagners“ A.d.R.), nicht zuletzt auch, weil sie eine bekennende Antisemitin war. Aber man muss versuchen, eine solche Figur aus ihrer Zeit heraus zu begreifen und dann eben jenen Punkt in sich selbst finden. Warum bin ich wie ich bin. Es geht um Identifikation. Sie ist jedes Mal mit einer langen und intensiven Vorarbeit verbunden, die einen unglaublichen Einblick in andere Welten, Menschen und Lebensformen eröffnet.

arsmondo: Die Stimme drückt unsere Stimmungen aus und ist der Spiegel der Seele – sie offenbart der Umwelt unsere Gefühlswelt – ob wir wollen oder nicht. Im Alltagsleben ist das für uns ja selbstverständlich, da denken wir ja gar nicht nach. Aber wie ist das auf der Bühne und im Film?
Wichtig ist, in der Figur zu sein, sie nicht von außen zu spielen. Du musst mit einer Figur verschmelzen in ihr drin sein. Nur dann überzeugst du dein Publikum. Aber wie finde ich die richtige Stimme? Ich habe jetzt einen 5-Teiler abgedreht, der im Oktober im Fernsehen startet. Er heißt „Die Protokollantin“. Da geht es sehr viel um Stimme. Die Frau, die ich spiele, ist düster. Dafür musste ich die Stimme suchen. Welche Stimmlage brauche ich. Hier ging es um Reduktion, um das „Abschleifen“ von Worten und Emotionen – in solchen Momenten merkst Du welch wunderbares Instrument die Stimme sein kann. Ich arbeite und übe ständig an meiner Stimme – sie zu modellieren, den richtigen Ton zu treffen. Ich schätze eine klare und verständliche Sprache – auch wenn man flüstert oder nuschelt oder schnoddrig sein muss. Man sollte trotzdem immer verstanden werden. Ich finde, dass heute oft die Sprache vernachlässigt wird. Oft versteht man die Schauspieler nicht mehr. Man muss die Sprache gut beherrschen, um mit ihr umgehen zu können.

„Beim Einstudieren von Rollen geht es um
Identifikation. Sie ist jedes Mal mit einer langen und intensiven Vorarbeit verbunden, die einen unglaublichen Einblick in andere Welten, Menschen und Lebensformen eröffnet.“

arsmondo: Sie absolvierten eine Tanz- und Bewegungsausbildung in London sowie eine Sprech- und Gesangsausbildung. Gibt es Unterschiede zwischen Stimme und Sprache im Film, Bühne und realem Leben? Wie finden Sie in Ihren verschiedene Rollen – den richtigen Ton?
Ich war nie auf einer Schauspielschule. In London habe ich eine Tanz- und Bewegungsausbildung sowie eine Sprech- und Gesangsausbildung absolviert, aber das war nur auf eine bestimmte Rolle hin bezogen. Alles was ich kann, habe ich durch learning bei doing erlernt. Und das Schöne ist, dass du als Schauspieler nie auslernst! Jedes Projekt ist anders und eine neue Herausforderung. Da geht es um innere Ansprüche und um eigene Vorstellungen. Dazu muss ich jedes Mal die Emotionen in mir suchen. Wie spreche ich als alte Frau? Ich habe ja auch schon Achzigjährige gespielt, oder wie klingt eine Frau mit vierzig oder wie klingt ein Kind oder eine Jugendliche? Wie fühlt ein junges Mädchen? In meinen Lesungen über Selma Meerbaum-Eisinger beispielsweise – sie starb früh und schrieb ihre wunderbar ergreifenden Gedichte zwischen dem15. bis 18. Lebensjahr.* Wie finde ich dieses Lebensgefühl, diese Lebensgier, diese Offenheit und Wachheit? Ich liebe solche Arbeiten, die mich fordern und in der ich nach richtiger Stimme und Ton suchen muss.

arsmondo: Sie stehen für Dinge ein – für Toleranz und Gerechtigkeit – sie äußern sich auch zu politischen und gesellschaftlich relevanten Themen – d.h. Sie erheben Ihre Stimme und setzen sie ein, um etwas zu bewegen.
Wir leben in einer Welt in der vieles lauter wird – auch die Forderungen. Und es gibt heute unzählige Möglichkeiten, Meinungen zu verbreiten. Generell glaube ich nicht, dass man das Einstehen für etwas in der Öffentlichkeit von jedem verlangen sollte, auch nicht expliziert von uns Künstlern. Aber ich komme aus einer anderen Zeit – der Zeit als man sich in den 68er-Jahren gegen die Verkrustungen der Vergangenheit frei zu machen versuchte, es ging auch um Frauenrechte, um Öffnung gegenüber dem Neuen und Anderen. Wir wollten die Welt verändern und das Nachkriegsdeutschland. In die Sprachlosigkeit eingreifen. Sprache kann eine Waffe sein. Wir merken das heute wieder sehr, wie man mit Worten treffen kann. Menschen kann man mit Worten einlullen und fangen. Es gibt sie wieder die Menschfänger, die mit vermeintlich leichten Worten einfache „Wahrheiten“ verbreiten – einfache und leichte Antworten geben für komplexe Themen. Das hat ja auch alles mit Sprache zu tun. Wie vermittle ich etwas? Wie aggressiv oder sanft bin ich dabei? und ja da sehe ich für mich eine große Notwendigkeit, auch meine Stimme zu erheben. Ich versuche auch, meine Haltung klar zu machen und dadurch vielen Menschen zu zeigen: Wir alle können etwas tun! Natürlich macht du dir dadurch nicht nur Freunde, und du machst dich angreifbar. Das muss man aushalten können und wollen.

arsmondo: Sie widmen sich neben Ihrer Filmarbeit auch leidenschaftlich gerne der Literatur – was würden Sie sagen: Ist das Einsprechen von Hörbüchern und Synchronisation eine gute Übung für Selbstreflektion und Kontrolle – Körper, Gesicht, Mimik entfallen, man wird ja ganz auf seine Stimme beschränkt – sich wieder der eigenen Stimme und Sprache ganz direkt zu stellen?
In diesem Bereich muss man noch genauer arbeiten. Gleichzeitig merkt man was für eine ungeheure Macht die Stimme haben kann. Je nach Thema und Figur in Texten muss man blitzschnell in einen anderen Sprachduktus schlüpfen. Ich habe ein Hörbuch und Lesungen zu Anne Frank und Josef Goebbels gemacht. Da musste ich mir im Vorfeld ganz genau überlegen: Unterstreichst du? Übertreibt du? Oder lässt du perfide Sätze eines Goebbels in der Distanz – ohne sie zu interpretieren einfach im Raum stehen. Wie kann ich etwas nur durch meine Stimme spannend machen?
Ich habe immer noch einen Riesenrespekt vor meinem Beruf – ich liebe ihn und nehme ihn sehr ernst – das bedeutet, ich versuche immer alle Möglichkeiten zu nutzen, diesen Beruf auszufüllen – wach und offen zu sein. Beobachten – Kollegen zuzuhören und zuzuschauen – wahrnehmen, was um mich herum geschieht. All das nimmt man in seinen Erfahrungsschatz auf.

arsmondo: Muse und Muse-Stunden – welche Lieblingsbeschäftigungen gehen Sie in Ihrer freien Zeit nach?
Ich lese sehr gern und viel, und ich gehe ebenso gerne in Buchhandlungen. Ich kämpfe dafür, dass diese auch erhalten bleiben, ich mag es, dort zu stöbern und zu blättern, mich mit anderen auszutauschen. Dann reise ich viel. Die Welt so ausgiebig kennenlernen wie es nur geht, denn es gibt nichta aufregenderes als andere Kulturen und Lebensformen, Gegenden und Orte kennenzulernen. Und ich koche leidenschaftlich!

Iris Berben aktuell:

Konzert und Lesung mit Iris Berben und dem Kammerchor Stuttgart im Rahmen der Stuttgarter Stimmtage Sonntag, 4. November 2018, 15.00 und 18.00 Karten & Info: www.gesprochenes-wort.de 


Die Ausstrahlung der fünfteiligen Highend-Crime-Serie 
„Die Protokollantin“ mit Iris Berben, Moritz Bleibtreu und Peter Kurth beginnt ab Samstag, 20.10., 21.45 Uhr im ZDF.

 Freya Becker (Iris Berben) ist Protokollantin in einem Morddezernat. Tag für Tag hört und schreibt sie die Vernehmungen zu Verbrechen nieder - sie kennt sie alle, die Lügner und Trickser, die armseligen Selbstbetrüger und feigen Vertuscher. In Freyas Kopf hallen sie wider, die unzähligen Stimmen der Täter, ihre Geständnisse, die Berichte ihrer Taten. Sie lebt zurückgezogen und hat bis auf ihren Bruder Jo (Moritz Bleibtreu) kaum Kontakt zur Außenwelt, nachdem ihre Tochter vor elf Jahren verschwunden ist. Doch dann, an diesem einen Tag verändert sich Freya Becker. Etwas, das schon lange in ihr schwelt, bricht aus ihr heraus. Ihr neuer Chef, Hauptkommissar Henry Silowski (Peter Kurth), tritt seinen Dienst an. Und all die Geschichten der Opfer und Täter beginnen, ihren Tribut zu fordern. Die Highend-Crime-Serie nach einer Idee des Schriftstellers Friedrich Ani wurde von der MOOVIE für das ZDF produziert und feiert in der Reihe „Neue Deutsche Serien“ am 3. Juli ihre Deutschlandpremiere. Anwesend sein werden die Hauptdarsteller Iris Berben, Peter Kurth und Katharina Schlothauer sowie Oliver Berben (Produzent), Jan Ehlert (Produzent), Nina Grosse (Gesamtkonzeption, Drehbuch & Regie), Samira Radsi (Regie) und Alexandra Staib (Redaktion ZDF).  Tipp  Ich bin in Sehnsucht eingehüllt, Audio-CD Gedichte von Selma Meerbaum-Eisinger, gelesen von Iris Berben Hörbuch, Verlag Hoffmann und Campe Selma Meerbaum-Eisinger wurde nur 18 Jahre alt. Sie starb 1942 in einem KZ in der Ukraine. Zuvor lebte sie im Ghetto von Bukowina, wo sie bereits als 15-Jährige 57 Gedichte verfasste.

„Kultur – die wichtigste Sache der Welt“

arsmondo: Sie haben in Wien und Berlin studiert – zwei ganz unterschiedliche
Weltstädte – was haben Sie für ihr eigenes
Kunstverständnis und ihren Zugang
zur Kunst aus dieser Zeit
mitgenommen?


In Wien habe ich in den 90er-Jahren Literatur- und Theaterwissenschaften
studiert. Das waren 2 tolle Jahre. Das Institut lag direkt an der Hofburg und neben der berühmten Lipizzaner-Reitschule. In dieser Zeit habe ich eine ganze Reihe von Schauspielern kennengelernt und mit viel Spaß in einer Theatersportgruppe improvisiert. Schauspiel wäre ein Traum gewesen, aber mein Talent leider nur recht überschaubar! Dafür wurde ich dann Dauergast im Burgtheater. Damals gab es noch Karten für ein paar Schilling, und so konnte ich selbst als klamme Studentin die ganzen tollen Inszenierungen sehen. Ich habe Wien als eine Stadt erlebt, in der man überall über das Theater sprach – jeder Taxifahrer kannte die neuesten Stücke. Das gehörte einfach zum Alltag.

Sendung Kunscht! – Moderatorin Ariane Binder Foto: SWR

arsmondo: Ja, das habe ich bei meinen Besuchen in Wien auch oft so
empfunden. Gefallen haben mir auch die Gegensätze: auf der einen Seite die
Traditionen, die Geschichte, der alte Habsburger Glanz und auf der anderen
Seite die moderne und mutige Szene. Die Kulturszene in Wien war ja von jeher spannend und heterogen – man denke nur an die Zeit zu Beginn des letzten
Jahrhunderts mit Sigmund Freud, Artur Schnitzler oder Egon Schiele und
 Arnold Schönberg…
Ja, die Stadt traut sich was und hat gleichzeitig abgründigen Charme. Wie die Wiener selbst! Meine Abschlussarbeit wollte ich über Thomas Bernhard schreiben. Zu meinem Glück durfte der Germanist Wendelin Schmidt-Dengler damals gerade Bernhards Nachlass öffnen, und auch sonst konnte man wunderbar auf den Spuren von Wiens Lieblings-Grantler wandeln! Ich war auch oft auf der Baumgartner Höhe – dem Schauplatz seiner Erzählung “Wittgensteins Neffe“. Das Areal ist ja bis heute ein beliebtes Ausflugsziel der Wiener. Ein
ambivalenter Ort. Denn dort oben liegt einerseits die berühmt-berüchtigte
Nervenheilanstalt – mit dunkler Vergangenheit vor allem in
der NS-Zeit. Auf der anderen ist da diese Schönheit von Otto Wagners Architektur
– es gibt etwa eine Oper und eine Kirche, in der noch immer spannende Konzerte
und Kunstprojekte stattfinden.

arsmondo: Und was haben Sie aus Berlin mitgenommen?
Berlin war auch prägend – und aufregend! Ab 1995 studierte ich dort
Kulturwissenschaften bei Professoren wie Thomas Macho, Friedrich Kittler und Christina von Braun. Das Institut lag in der Sophienstraße in Mitte, nur einen Steinwurf von der Volksbühne entfernt, wo Christoph Schlingensief gerade mit seinen großartigen Happenings bekannt wurde. Am liebsten hat er sich an Helmut Kohl abgearbeitet oder Rudi Dutschke wiederbelebt. Und im Prater schlitterte man vielleicht in die ersten Theaterarbeiten von Rene Pollesch. In Berlin herrschte noch diese Aufbruchsstimmung nach der Wende – es gab noch all diese Freiräume. Ich habe in Ostberlin, am Helmholtz-Platz gewohnt. Viele Künstler lebten in der Nachbarschaft, Hausbesetzer, Menschen ohne Papiere. Manche machten eine Bar in irgendeinem Hinterhof auf und stellten dort Kunst aus. Und Techno war natürlich der Soundtrack zu allem.

arsmondo: Städte können also kulturell
sehr prägend sein…
Ja, ich glaube schon, dass man durch Kunst einen guten Zugang
zu einer Stadt findet. Wo gehen wir als erstes hin, wenn wir neu in eine
Stadt kommen und niemanden kennen? Ins Museum oder ins Theater – dort
trifft man wildfremde Menschen und man hat doch sofort ein Thema, kommt sofort
ins Gespräch.

arsmondo: Sie haben in ihrer bisherigen Laufbahn auch politische Formate
entwickelt. Für die „Kulturzeit“ entwickelte sie unter anderem Sonderformate
aus Istanbul, zu den Präsidentschaftswahlen in Moskau oder vom G8-Gipfel in
Heiligendamm – wie blickt eine Kulturwissenschaftlerin auf diese Dinge? Wird
auch die Kultur wieder politischer? Sollte sie das überhaupt?
Mein Eindruck ist, dass die Kultur beginnt, wieder stärker politisch Haltung zu zeigen. Wobei ich nicht finde, dass sie das generell muss. Ich schätze genauso Künstler wie Sophie Calle – oder auch James Turrell mit seinen spirituellen Experimenten. Turell braucht sich nicht zu Donald Trump äußern. Dennoch lehrt er uns, Dinge anders zu sehen und zu denken.
Kultur muss nicht politisch sein, aber sie schafft etwas, was der Politik oft
nicht gelingt: Sie zeigt Träume, Utopien auf, kann neue Ideen für ein gesellschaftliches Miteinander erproben. Nehmen Sie zum Beispiel den Regisseur Milo Rau. Er geht mit seinen Stücken an neuralgische Orte. Etwa nach Ruanda und fragt wie die Gesellschaft den Völkermord dort mit Mitteln der Kunst und des Schauspiels angeht, ja betrauern kann.
Oder wenn Ferdinand von Schirach eine Flugzeugentführung inszeniert und das Publikum hinterher zum Richter macht, zeigt er, wie schwierig der Umgang mit Terrorismus sein kann, juristisch und moralisch. Für mich sind das wichtige Denkanstöße!

„Kultur muss nicht politisch sein, aber sie schafft etwas, was der Politik oft 
nicht gelingt: Sie zeigt Träume, Utopien auf, kann neue Ideen für ein gesellschaftliches Miteinander erproben.“

arsmondo: Man schaut über das Künstlerische auf unsere Welt und erkennt
neben den Chancen auch das Dilemma – dass die Dinge gar nicht so
einfach sind, wenn man selbst gefragt und aufgefordert wird…
Ja, aber ich glaube, dass die Kunst genau da jetzt auch besonders gefragt
ist – dass sie uns motiviert, Haltung zu zeigen, für etwas einzustehen.

arsmondo: Kultur als Zuflucht und Ratgeber in schwierigen Zeiten? Als
 Orientierung?
Schöner Gedanke! Sie kann auf jeden Fall entschleunigen. Anders als Politik oder Wirtschaft muss sie ja nicht sofort Antworten parat haben. Sie muss nicht objektiv sein, darf auch mal schräg sein. Muss sich nicht vor sich hertreiben lassen und auf jede Provokation einsteigen. Und welche existentielle Rolle Kunst und Kultur in einer totalitärer werdenden Gesellschaft spielen kann, haben wir 2008 erlebt. Damals war ich mit meinen 3sat Kulturzeit-Kollegen für eine Sondersendung in Moskau. Anlässlich der Präsidentschaftswahlen haben wir ein Spezial zu „Russlands Künstlern und ihrer Sehnsucht nach Demokratie“ gemacht. Viele der beteiligten Autoren, Künstler und Kuratoren haben später ihren Job verloren, mussten ins Exil. Wir haben erlebt, wie Künstler die Wahrheit verteidigten und welchen Preis sie dafür zahlen mussten.

arsmondo: Welche Art Kunst fasziniert Ariane Binder privat? Welche
 Fragen und Themen beschäftigen Sie?
Ach, so viele, so unterschiedliche! Künstler, die mit Ihrem Blick frische Fragen, Neugier oder Schönheit in diese manchmal ganz schön bedrängte Welt tragen! Mal sind es Performances von Marina Abramović, die mich berühren. Mal die Arbeit eines Peter Doig, die Poesie von William Kentridge oder die überwältigende Literatur des US-Amerikaners James Salter. Gerade hat mir der Autor George Saunders das Leben nach dem Tod ausphantasiert, in seinem unglaublichen Debüt „Lincoln im Bardo“. Das kann doch wohl nur die Literatur!

arsmondo: Was werden wir in „Kunscht!“
Neues mit Ihnen kennenlernen?
Wir berichten natürlich weiter über die klassische „große“ Kultur. Aber es wird auch viel Raum für künstlerische Neuentdeckungen geben. In einer neuen Serie „100 Sekunden Kunst“ stellen wir zum Beispiel jede Woche ein Kunstwerk aus einer öffentlichen Sammlung im Südwesten vor. Eine Kooperation mit Studierenden der Merz Akademie. Die dann ihre ganz eigene filmische Erzählsprache einbringen und mal aus der Perspektive der Digital Natives auf die Kultur schauen. Bin selbst schon sehr gespannt.

arsmondo: Ihr Credo lautet „Kultur ist die wichtigste Sache der Welt“. Auf
 welche Themen, Menschen und Geschichten dürfen wir uns mit Ihnen als neue 
Moderatorin der SWR Fernsehsendung „Kunscht!“ freuen?
Ich werde sicherlich einiges anders machen als meine Vorgänger Denis
Scheck und Lars Reichow. Beide haben viel gewagt und eine neue Ästhetik in
die Kultursendung gebracht. Ich bin Kulturjournalistin und stelle mich aus
dieser Profession heraus eher hinter die Themen. Für mich ist unsere Sendung eine, die mit viel Leidenschaft und Augenzwinkern gemacht wird und ich wünsche mir, dass sich das überträgt. Dass wir den Leuten Lust machen, wieder mehr zu lesen, mehr ins Theater zu gehen und sich da mit den großen und kleinen Fragen unserer Gegenwart auseinanderzusetzen!

Das Gespräch führte Claudia Fenkart-Njie

Kunscht!
Moderatorin Ariane Binder beim Dreh vor dem Kunstmuseum in Stuttgart, Foto: SWR

 „Kunscht! Kultur im Südwesten“ „Kunscht!“ ist das wöchentliche Kulturmagazin des SWR-Fernsehens: Jeden Donnerstag, um 22:45 Uhr werden in der 30-minütigen Sendung aktuelle Themen aus dem vielfältigen Kulturgeschehen im Südwesten gezeigt – von der Opernpremiere bis zum Rockfestival, von Musical bis Comedy, von der Ausstellungseröffnung bis zum Trickfilmfestival.

Teodor Currentzis – Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters

Er macht Fenster auf“, konstatiert ein Hornist des SWR Symphonieorchesters begeistert über den neuen Mann, der seit der Spielzeit 18/19 das Dirigat übernommen hat. Das Dirigat? Ja schon, aber Teodor Currentzis wiegelt ab. Er mag die Bezeichnung „Chefdirigent“ nicht besonders. Er sieht sich als Musiker, setzt auf Begegnungen auf Augenhöhe. Er verlangt nicht mehr, als er selbst gibt, was zugegebenermaßen beinahe alles ist: bedingungslose Liebe und totale Hingabe an die Musik und das in jedem Moment. Musik ist für den detailversessenen Perfektionisten die Sprache der Engel.

Teodor Currentzis – Chefdirigent SWR Symphonieorchester, Foto: SWR/Nadia Rosenberg“ (S2), SWR-Presse/Bildkommunikation, Baden-Baden

Das Symphonieorchester war im vergangenen Jahr aus einer umstrittenen Fusion, des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg sowie des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart hervorgegangenen, der auch Currentzis skeptisch gegenüberstand. Er hat beide Orchester in der Vergangenheit dirigiert. „Für mich ist es von besonderer Bedeutung, den Reichtum beider Ensemble-Traditionen aufzugreifen und das neue Orchester aus dem Besten der beiden Klangkörper zu gestalten“, beteuert Currentzis heute. Und weiter: „Mein goldenes Ziel ist es, die Identität jedes einzelnen zu respektieren – und jeden dazu zu bringen, sein eigenes Geschenk für einen großen Sound zu geben.“

Der leicht exzentrisch anmutende, auch privat zumeist schwarz gekleidete, russisch sozialisierte Grieche ist aktuell einer der wohl meistdiskutierten Interpreten des Klassikbetriebs; er elektrisiert und polarisiert. Die Aussagen reichen von „Klassikrebell“ und „revolutionärem Geist“ über „Ausnahmetalent“. bis zu „manieriertem Übertreiber“. Doch wie auch immer man ihn beschreibt, Teodor Currentzis liebt die Bühne, die Inszenierung und lässt sich nicht beirre! Er gehört definitiv zu den vielseitigsten und interessantesten Dirigenten seiner Generation. Sein Repertoire umfasst sämtliche Epochen, Werke von der Barockzeit bis zur Avantgarde. Das Wichtigste ist für ihn im Konzert die Kommunikation, zwischen Dirigent und Musikern sowie zwischen Orchester und Publikum. Nur wenn diese gelingt, wird die spirituelle Kraft der Musik erlebbar.

Teodor Currentzis – Chefdirigent SWR Symphonieorchester, Foto: SWR/Nadia Rosenberg“ (S2), SWR-Presse/Bildkommunikation, Baden-Baden

Der besondere Impuls des Neubeginns und die Mission des „Klassikrebellen“ war im September im spontan anberaumten „Überraschungskonzert“ bereits deutlich zu spüren. Experimente mit Licht, Präsentationsformen, Tempi, Dynamik und Klangfarbe, überraschende Zugaben und Improvisationen zeichneten den Abend aus. Das Publikum erfuhr ungewöhnlicherweise erst nach der Präsentation, was ihm da eigentlich zu Gehör gebracht wurde. Die Intention des Chefdirigenten dabei: Das Publikum kann so einfach mal ganz unbefangen zuhören. Und so wurde zwischen den Sätzen von Beethovens 7. geklatscht – scheinbar noch immer ein kulturelles Politikum, da sich die Berichterstattung bemüßigt fühlte, ganz aufgeregt davon zu erzählen. Currentzis stört Applaus zwischen den Sätzen im Übrigen nicht im Geringsten. Schließlich ist es ihm viel wichtiger, auch klassikunerfahrene Zuhörer zu gewinnen. Der „berüchtigte Radikale“ möchte das klassische Konzert aus der philharmonischen Routine und von kommerziellen Zwängen befreien. Klang ohne Spiritualität ist für ihn ein bloßes Geräusch. „Virtuosität allein“, so sagt er, „ist nur eitel“. Und das Orchester folgte seinem Dirigenten über die Grenzen der klassischen Konzertkonventionen hinaus. Seine Liebe zur Musik inspiriert und alle Beteiligten merkten, dass er jeden einzelnen Musiker hört und beschwört, mit Leib und Seele dabei zu sein.

Mit dem Engagement des in der Klassikwelt umworbenen Teodor Currentzis als Chefdirigent ist dem SWR in jedem Fall ein ausgesprochener Coup gelungen. Man darf auf die kommenden Konzerte mehr als gespannt sein.
Teodor Currentzis, geboren 1972 in Athen, besuchte bereits mit zwölf Jahren Kurse für Violine am Nationalen Konservatorium der Stadt. 1987 begann er dort ein Dirigierstudium. Nachdem er in St. Petersburg von 1994 bis 1999 bei dem legendären Ilya Musin studiert hatte – und das war kein Zufall, gilt der doch als einer der bedeutendsten Lehrer in der Kunst des Dirigierens – übernahm er von 2004 bis 2010 die Position des Chefdirigenten am Nowosibirsker Staatlichen Akademischen Opern- und Ballett-Theater. Dort gründete er die Ensembles MusicAeterna sowie den MusicAeterna-Chor, die er zu weltweiten Erfolgen führte, und die bis heute in Perm, wo er seit 2011 Musikdirektor des Opern- und Ballett-Theaters ist, beheimatet sind. Internationale Gastdirigate gehören ebenso zu seinem Musikalltag, wie er auch künstlerischer Leiter des Internationalen Diaghilev-Festivals in Perm und Mitbegründer des Festivals Territoria in Moskau ist. Und besonders außergewöhnlich: Im Film Dau des russischen Regisseurs Ilja Chraschanowsiki von 2011, der das Leben des russisch-jüdischen Physik-Nobelpreisträgers Lew Landau schildert, übernahm Currentzis die Hauptrolle.
Zur Spielzeit 2018/19 hat der für seine richtungsweisenden Interpretationen vielfach ausgezeichnete Ausnahmekünstler die Leitung des SWR Symphonieorchesters übernommen. Teodor Currentzis und die Musiker des SWR Symphonieorchesters blicken bereits auf eine umfangreiche gemeinsame Konzerterfahrung zurück. Er dirigierte sowohl das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg sowie das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR und hinterließ begeisternde Konzerterlebnisse.

Alle informationen zu den Konzerten und Karten:
www.swr.de/swr-classic

Viele Weltstars der Klassik im
Festspielhaus Baden-Baden

In der OPER erwartet Baden-Baden ab Herbst 2018 eine konzertante Aufführung des Jacques-Offenbach-Meis-terwerks »Hoffmanns Erzählungen« in einer Traumbesetzung mit Olga Peretyatko-Mariotti (Olympia, Antonia, Giulietta, Stella), Charles Castronovo (Hoffmann) und Luca Pisaroni (Lindorf, Coppélius, Dapertutto, Dr. Miracle) unter der Leitung des französischen Dirigenten Marc Minkowski. Höhepunkt der Opernsaison soll eine Neuinszenierung der letzten Verdi-Oper »Otello« zu den Osterfestspielen 2019 werden. Der amerikanische Künstler Robert Wilson inszeniert das große Musikdrama. Die Berliner Philharmoniker werden von Daniele Gatti geleitet, der als Spezialist für das italienische Opernrepertoire des 19. Jahrhunderts gilt. In den Titelrollen sind Sonya Yoncheva (Desdemona), Stuart Skelton (Otello) und Luca Salsi (Jago) zu erleben. Ebenfalls im Rahmen der Osterfestspiele wird es im Theater Baden-Baden die Uraufführung der Oper »Clara« über Clara Schumann geben. Viele weitere prominente Sängerinnen und Sänger – darunter Anna Netrebko, Waltraud Meier, Diana Damrau, Jonas Kaufmann, Thomas Hampson und Christian Gerhaher werden in Konzerten singen.

Jonas Kaufmann, Pressefoto 2017, L`Opéra © Gregor Hohenberg, Sony Classical

Osterfestspiele 2019 – »Drei Stardirigenten und die Berliner Philharmoniker« – Daniele Gatti leitet die Berliner Philharmoniker bei der Eröffnungspremiere »Otello“. Zusätzlich interpretiert das Weltklasse-Orchester zweimal das »Verdi-Requiem« unter der Leitung von Riccardo Muti. In diesem Oratorium werden Vittoria Yeo (Sopran), Elīna Garanča (Mezzosopran), Francesco Meli (Tenor) und Ildar Abdrazakov (Bass) als Solisten zu erleben sein. Als Konzertdirigent wird der designierte Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Kirill Petrenko, zu Ostern 2019 wieder nach Baden-Baden kommen. In seinen Konzerten heißen die Solisten Lang Lang (Klavier) und Patricia Kopatchinskaja (Violine). Am 15. April dirigiert Kirill Petrenko Arnold Schönbergs Violinkonzert op. 36 sowie Peter I. Tschaikowskys Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64. Am Ostersonntag leitet er die Berliner Philharmoniker in Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37 und noch einmal in Tschaikowksys »Fünfter«.
Die Wiener Philharmoniker eröffnen die Saison 2018/2019 unter der Leitung von Herbert Blomstedt mit Antonin Dvořáks Sinfonie Nr. 7 d-Moll. Im Laufe der Saison werden außerdem die Sächsische Staatskapelle Dresden, das London Symphony Orchestra, die Bamberger Symphoniker, die Filarmonica della Scala und das Budapest Festival Orchestra neben vielen weiteren Orchestern nach Baden-Baden kommen. Dirigenten wie Christian Thielemann, Riccardo Chailly, Valery Gergiev, Sir John Eliot Gardiner und Thomas Hengelbrock werden zu erleben sein, ebenso Solistinnen und Solisten wie Sol Gabetta, Helene Grimaud, Sir Andras Schiff, Martin Grubinger oder Janine Jansen. Im Oktober 2018 wird John Neumeier wie vor 20 Jahren die »Bernstein Dances« (6./7. Oktober 2018) präsentieren – und dies auch zum 100. Geburtstag des Komponisten und Dirigenten Leonard Bernsteins. Sein 2017 entstandenes Ballett »Anna Karenina« bildet den zweiten Teil der Residenz des Hamburg Balletts (12.-14. Oktober). Das Mariinsky Ballett tanzt vom 21. bis 27. Dezember 2018 im Festspielhaus Baden-Baden. Valery Gergiev dirigiert am Eröffnungsabend (21. Dezember) die drei Prokofjew-Ballette »Prodigal Son«, »Violin Concerto No 2« und »Russian Ouverture«. Außerdem zeigt das Mariinsky Ballett das Ballett »Die vier Jahreszeiten« mit Musik von Max Richter (basierend auf der Musik von Antonio Vivaldi) und den Klassiker »Schwanensee«. Eine Ballett-Gala rundet das Gastspiel ab. Das Alonzo King Lines Ballett aus San Francisco tanzt am 2. und 3. März 2019 Werke seines Künstlerischen Leiters Alonzo King.

Saisonstart am Theater Baden-Baden

Der Spielplan 2018/2019 ist gespickt mit musikalischen Produktionen, Dramen und Komödien, Uraufführungen und Deutschsprachigen Erstaufführungen. Das Motto: „Erben“. Im Fokus: Das Erbe und die Erben. Auf der Bühne: Spannungen, Krisen, Trauer- und Freudestunden zwischen Erbenden, das Erbe als etwas, das es zu erhalten oder auch zu vergessen gilt, Figuren, die sich fragen: „Was bleibt von mir, wenn ich nicht mehr bin?“

Szene aus „Vor Sonnenuntergang“, Theater Baden-Baden, Foto Jochen Klenk

Beim Ensemblestück VOR SONNENUNTERGANG erlebt das Publikum live mit, wie leicht ein Erbe in guten Familien- und Freundschaftsbeziehungen Konflikte schüren kann (Regie Rudi Gaul). Im Musical CABARET wird ein schweres Erbe der Geschichte verhandelt: die Zeit des Nationalsozialismus und ihre Anfänge – freuen darf man sich auf herzzerreißende Emotionen, fesselnde Musik und den Glamour der 20er Jahre (Premiere 13.10.2018, Regie Ingmar Otto). Wieder da: das packende Stück LEHMAN BROTHERS über den Aufstieg und Fall des Lehman Brothers-Imperiums (Wiederaufnahme 19.10.2018). Im November findet die Uraufführung von Terence Rattigans Familienkomödie HERZSPRÜNGE statt (Regie Benjamin Hille, Premiere 10.11.2018). Mit pointierten Dialogen geht es zwischen zwei Generationen um die Fragen, wie wollen wir leben, wer können wir sein? Im Jungen Theater wird E.T.A. Hoffmanns DER GOLDNE TOPF gemeinsam mit dem Künstler-Kollektiv CyberRäuber als multimediales Ereignis kreiert – Hoffmanns fantasievolle Welten im Grenzbereich zwischen Theater, Gaming und Virtual Reality für Jugendliche ab 16 Jahren (Regie Nicola May, Premiere 15.11.2018). Für Kinder ab 5 Jahren gibt es als Weihnachtsmärchen DAS KALTE HERZ nach der Erzählung von Wilhelm Hauff in einer Theaterfassung von Ueli Blum (Premiere 25.11.2018).
Vor Weihnachten gibt es weltbekannte Weihnachtsmelodien gepaart mit sinnlichen Jazzharmonien bei CHRISTMAS MEETS CUBA 2 mit dem preisgekrönten Klazz Brothers & Cuba Percussion-Ensemble (15.12.2018). An Silvester unterhält das Schauspielhaus mit der bissigen Gesellschaftskomödie BELLA FIGURA und mit dem Klassiker DINNER FOR ONE. Schon einmal vormerken: 24.05. bis 02.06.2019 – hier kommen die Baden-Württembergischen Theatertage nach Baden-Baden.
Weitere Informationen zum Spielzeitprogramm:
www.theater.baden-baden.de

Das Theater Ulm –
Facetten des Bürgerlichen

Die Spielzeit 2018/2019 des Theaters Ulm steht im Zeichen des Intendantenwechsels. Kay Metzger hat Andreas von Studnitz abgelöst. Da eine neue Intendanz inhaltliche und personelle Veränderungen bedingt, darf sich das Publikum auf die Auftritte von Neigschmeckten freuen, die mit Beginn dieser Spielzeit an das Theater Ulm kommen. Und unter diesem Motto »neigschmeckt« firmiert auch das Programm des Hauses. Die kommenden Spielzeiten werden unterschiedlichen Facetten des Bürgerlichen einst und jetzt gewidmet sein und mit der Theaterarbeit soll zu Reflexion und Diskurs über Formen des stadtbürgerlichen Zusammenlebens, von Gemeinschaft und Exklusion, über Gefahren und Gefährdungen des bürgerlichen Selbstverständnisses und die Chancen von Urbanität in einer sich stark verändernden Stadtgesellschaft angeregt werden.

(c) Theater Ulm

Der Spielplan ist bewusst generationsübergreifend konzipiert und beinhaltet eine Vielzahl von Angeboten für Familien, Kinder und Jugendliche sowie die ambitionierten Bürgerbühnen. Lokale und regionale Bezüge sind prägend ebenso die Vernetzungen mit unterschiedlichen Institutionen. Schillers »Die Räuber« und das Ballett »Das kalte Herz« nach Wilhelm Hauff sind eine Referenz an die Dichter des Landes. Im Gedenken an die vor 75 Jahren hingerichteten Geschwister Scholl wird im Podium die Kammeroper »Weiße Rose« von Udo Zimmermann aufgeführt und mit der Uraufführung des Schauspiels mit Musik »Aufstieg und Fall des Uli H.« von Sarah Kohrs wird ein berühmter Ulmer Metzgersohn porträtiert.
Verstärkt kommt es am Theater Ulm in dieser Spielzeit zu Kooperationen mit anderen Bühnen: Vom Meininger Staatstheater wird »Lucia di Lammermoor« in der Inszenierung von Ansgar Haag übernommen, vom Landestheater Detmold »Der fliegende Holländer« und von der Königlichen Oper Stockholm die 2012 uraufgeführte und mit dem International Opera Award ausgezeichnete Oper »Written on Skin« von George Benjamin.
Mit vielen Veranstaltungen schwärmt das Theater in die Stadt aus – etwa mit der Lesereihe »Wort­Reich« und der Kooperation »Vis­à­vis« mit Kirchen in der Stadt, z.B. gleich zum Auftakt der Spielzeit mit dem Monolog »Judas« von Lot Vekemans in der Herzkammer der Stadt – dem Münster.