Konzert-Highlights

Kiss of Fire – Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim
meets Spark – Die klassische Band

Die Senkrechtstarter der internationalen Klassikszene verbindet den Feinsinn und die Präzision eines klassischen Kammermusikensembles mit der Energie und dem Biss einer Rockband. Tradition und Innovation werden bei den fünf jungen Musikern von Spark zu einem Klangerlebnis, das sich virtuos und unverkrampft zwischen den verschiedensten musikalischen Welten bewegt: Barocke Ohrwürmer verschmelzen mit Filmmusik und Minimal Music, slawische Folklore und jazzige Grooves treffen auf klassische Avantgarde. So erreichen Spark besonders auch die junge Generation. Auf dem Konzertprogramm am 12. November stehen Werke von der barocken Opernwelt eines Henry Purcell bis hin zu rockig-klassischen Klängen, wie sie der niederländische Komponist Chiel Meijering in seiner Suite „Kiss of Fire“ verbindet. In acht kurzen Charakterstücken zeigt das Werk für Spark und Kammerorchester mit den unterschiedlichsten musikalischen Mitteln vom afrikanischen Rhythmus bis hin zu Popelementen die unterschiedlichsten Facetten der Musik, der Liebe und des Lebens…
Weitere Info & Karten: www.swdko-pforzheim.de

Foto oben: Spark 1d ┬® Bartosch Salmanski


Nachtschwärmer-Konzerte
„Nachtschwärmer-Konzerte“ – heißt die neue Veranstaltungsreihe, die die Stuttgarter Philharmoniker gemeinsam mit dem Jazzclub BIX im Gustav-Siegle-Haus aus der Taufe gehoben haben. Ziel der Reihe ist es, neue Begegnungen zwischen unterschiedlichen Publikumsgruppen zu ermöglichen. Die Programme der „Nachtschwärmer-Konzerte“ sind mehrteilig angelegt: der erste Teil ertönt im Saal des Gustav-Siegle-Hauses der zweite klingt dann im Jazzclub BIX aus. Das erste Konzert der Reihe startet mit einer Sinfonie von Mendelssohn, gefolgt von einem Klavierkonzert von Bach, für Akkordeon und Orchester arrangiert, und Tangos von Astor Piazzolla. Anschließend spielt die Akkordeonistin Ksenija Sidorova (Foto) im Jazzclub mit Jazzern weiter. Die Konzertreihe eignet sich aber auch hervorragend für besondere Kammermusikprogramme, beispielsweise die Gesamtaufführung aller sechs Streichquartette op. 18 von Beethoven an einem Abend durch Quartettformationen des Orchesters. Hierbei werden die Ensembles in der Mitte des Parketts platziert, während das Publikum die Aktion ringförmig umgibt. Anschließend gibt’s Jazz-Kammermusik im BIX. In einem weiteren Konzert tritt der Jazztrompeter, Pianist und Komponist Sebastian Studnitzky mit in seinem Projekt „Memento“ auf, ein anderes mit dem jungen Pianisten und Dirigenten Frank Dupree (Foto) verbindet Orchester- und Klaviermusik von Beethoven mit der von Duke Ellington und George Gershwin.
Weitere Informationen zum Programm und Karten:
www.stuttgarter-philharmoniker.de

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Martin-Stadtfeld (c) Marco-Borggreve/Sony-Classical

Der Goldstadtzirkel weltberühmter Pianisten“
Martin Stadtfeld
Martin Stadtfeld spielt erneut mit der Badischen Philharmonie Pforzheim und eröffnet mit dem „Goldstadtzirkel weltberühmter Pianisten“ die Sinfoniekonzert-Reihe der neuen Spielzeit. Stadtfelds Karriere begann 2002 mit dem ersten Preis des Internationale Bach-Wettbewerbs. Seine Einspielungen auf CD (u.a. bei SONY Music) erhielten mehrfach den ECHO Klassik-Preis. In Pforzheim spielt Martin Stadtfeld nun Sergej Rachmaninows 2. Klavierkonzert c-moll op. 18:. Romantisch-expressiv ist dieses Klavierkonzert, das seit der Urraufführung 1901 das erfolgreichste Rachmaninows ist. Eröffnet wird das Konzert mit Maurice Ravel Suite für Orchester „Ma mère l‘ oye“. Eine Sammlung von Märchen ist „Meine Mutter Gans“, die ursprünglich als Fassung von fünf Kinderstücken für Klavier zu vier Händen entstand. Abschließend stimmt die Badische Philharmonie Pforzheim mit der „Reformations-Symphonie“ in das Luther-Jubiläum mit ein. Felix Mendelssohn-Bartholdy komponierte sie 1830 zum 300. Jubiläum der Confessio Augustana. 
15. Oktober CongressCentrum Pforzheim, Karten: Online-Ticketshop arsmondo


Bartoli / Gabetta (c) Decca/Esther Haase

„Dolce Duello“ –
Cecilia Bartoli & Sol Gabetta

Musikalisches Gipfeltreffen: Cecilia Bartoli liebt es, die Register wie ihre Rollen zu wechseln und die ganze Palette von Gefühlszuständen auszuspielen – von innig zart bis rasend, von schüchtern bis wild, von verliebt bis wütend. Die Mezzosopranistin gehört seit über zwei Jahrzehnten zu den absoluten Topstars der Klassik-Szene, mit einem dunkel-satten Timbre von bewegender Schönheit, einem herausragenden darstellerischen Talent, außerordentlicher Musikalität und einer elektrisierenden Bühnenausstrahlung im Konzert und auf der Opernbühne. Im Baden-Badener Festspielhaus, wo La Bartoli zuletzt in Bellinis „Norma“ glänzte, trifft sie nun auf ihre Freundin Sol Gabetta, die ihrerseits zu den besten Cellistinnen weltweit gezählt wird. Dabei kann sie auf den vier Saiten ihre Violoncellos nicht nur beseelt singen, sondern auch dramatisch auftrumpfen und immer wieder spieltechnisch glänzen – etwa, wenn sie mit hochemotionalem und überaus riskantem Spiel die virtuosesten Werke in schwindelerregendem Tempo präsentiert, so dass die Musik unter ihrem Bogen Funken zu schlagen scheint wie bei einem Vulkanausbruch. Cecilia Bartoli und Sol Gabetta präsentieren im Baden-Badener Festspielhaus mit „Dolce Duello“ ein abwechslungsreiches Barockprogramm gemeinsam mit der Cappella Gabetta, einer handverlesenen Originalklang-Truppe, die Sol Gabetta im Dezember 2010 gemeinsam mit ihrem Bruder Andrés Gabetta, einem brillanten Barockviolinisten und Konzertmeister, gegründet hat. Für „Dolce Duello“ haben Cecilia Bartoli und Sol Gabetta einige wunderbare Werke für Gesang und Violoncello ausgegraben. Darunter finden sich berührende Lamenti wie in Händels Ode für die Heilige Cäcilie sowie energiegeladenere Arien wie „Di verde ulivo“ von Vivaldi.
23. November im Festspielhaus Baden-Baden, Karten: www.festspielhaus.de


Mischa Maisky (c) Deutsche Grammophon

Emotionale Freigiebigkeit –
Mischa Maisky & Musikkollegium Winterthur

Mischa Maisky ist der wohl berühmteste Cellist unserer Zeit, weltweit gefeiert als „großer Romantiker“. Sein Spiel ist emotional, intensiv, brennend vor Leidenschaft, dabei edel und seelenvoll im Ton: „Ich gebe nicht 100, sondern 120 Prozent“, sagt der lettische Jahrhundertmusiker mit der Silbermähne über sich. Und: „Ich spiele jedes Konzert, als wäre es mein letztes. Ich verschwende, sagen manche, jedes Mal sehr viel Energie. Aber ich glaube, dass die Konzertbesucher die emotionale Freigiebigkeit eines Musikers fühlen, die viel wichtiger ist als Technik.“ Kurz vor seinem 70. Geburtstag (am 10. Januar 2018) darf sich das Göppinger Publikum auf 120 Prozent Mischa Maisky in Schostakowitschs erstem Cellokonzert freuen – an seinem kostbaren Montagnana-Cello, im Dialog mit dem traditionsreichen schweizerischen Musikkollegium Winterthur unter der inspirierten Leitung seines neuen Chefdirigenten Thomas Zehetmair. Dass die Winterthurer zudem eine Deutsche Erstaufführung im Gepäck haben, macht den Abend desto spannender!
6. November 2017, 20 Uhr, Stadthalle Göppingen


Maximillian Hornung, Photo: Marco Borggreve

Münchener Kammerorchester
& Maximilian Hornung

Mit bestechender Musikalität, instinktiver Stilsicherheit und musikalischer Reife hat der Cellist Maximilian Hornung die internationalen Konzertpodien erobert. Für seine erste Sony-CD erhielt er den ECHO Klassik-Preis 2011 als Nachwuchskünstler des Jahres, für die Veröffentlichung von Dvořáks Cellokonzert den ECHO Klassik 2012 für die »Konzerteinspielung des Jahres«. Mit dem Münchener Kammerorchester wird er ein Auftragswerk des MKO für Violoncello und Orchester von Tobias PM Schneid aufführen. Der finnische Dirigent John Storgårds ist speziell für eine auf drei Spielzeiten angelegte Reihe engagiert worden, nämlich Haydns Londoner Sinfonien den Ligetis Solokonzerten – hier das Konzert für Violoncello und Orchester – gegenüberzustellen. An diesem Abend bilden die Sinfonien Nr. 97 und Nr. 103 »Mit dem Paukenwirbel« den Rahmen des Konzerts. Das Konzert findet am 6. Dezember im Konzerthaus Ravensburg statt.-
Karten: www.ravensburg.de

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„EINE WEIHNACHTSGESCHICHTE“ VON CHARLES DICKENS
Miroslav Nemec & Udo Wachtveitl in einem Bühnenmärchen mit Musik

Sie ist – neben der Geschichte von Jesu Geburt – das vermutlich meisterzählte Literatursujet der Adventszeit: Charles Dickens‘ „Weihnachtsgeschichte“. Die sozialkritische Erzählung über den alten Geizhals Ebenezer Scrooge, der am Vorabend des Weihnachtsfests von vier Geistern heimgesucht wird und durch sie seine Menschlichkeit wiederentdeckt, ist ein Klassiker. Kaum ein Theater, das dieses Werk nicht schon mehrfach gespielt hat. Warum dann eine neue Fassung? Der Regisseur und Produzent Martin Mühleis hat mit seinen Bühnenbearbeitungen von literarischen Werken in den vergangenen Jahren große Erfolge gefeiert. Allein seine Bearbeitung von Erich Kästners autobiographischer Erzählung „Als ich ein kleiner Junge war“ mit Walter Sittler in der Hauptrolle wurde mehr als 400 Mal gespielt. Für die beiden Schauspieler Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl hat er nun gemeinsam mit dem Komponisten Libor Síma ein musikalisches Bühnenmärchen geschaffen. Es erinnert in seiner Ästhetik an alte Schwarzweißfilme und spielt mit Elementen literarischer Revuen. Durch die Musik und die geschickte Lichtregie werden Räume geschaffen – und doch spielt der literarische Text immer die Hauptrolle: Tempo, Rhythmus und Struktur der Novelle bleiben auch in der Lesefassung bewahrt. Und in der Interpretation von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl erhält die Erzählung, trotz des moralischen Grundtons, eine unglaubliche Lebendigkeit. Beide sind bekanntermaßen seit vielen Jahren durch ihre gemeinsame Arbeit als Münchner Tatort-Kommisare eng verbunden und geben auch auf der Bühne ein tolles Team ab, dem es gelingt im Zusammenspiel mit der Bühnenmusik den typischen, skurrilen britischen Humor auf anrührende Weise herauszuarbeiten.
TOURDATEN 2017: 03.12.2017 Fellbach, Schwabenlandhalle, 04.12.2017 Theater Heilbronn, 09.12.2017 Stadthalle Singen, 10.12.2017  Tuttlinger Hallen, 12.12.2017 Stuttgart Theaterhaus, 20.12.2017 Stuttgart Theaterhaus; Karten und Info beim jeweiligen Veranstalter erhältlich

»POSTCARDS OF A HUMAN LANDSCAPE«

Unter dem Titel Postcards of a Human Landscape präsentiert die Akademie Schloss Solitude Ausstellungen, Filmscreenings und ein Rahmenprogramm. Postcards of a Human Landscape skizziert eine vom Menschen durch Repräsentation und Medien, Fortschritt und neue Technologien geschaffene und veränderte Umgebung, die in unsere Gegenwart wirkt und Geschichte(n) neu zum Ausdruck bringt. Als Abschluss von Postcards of a Human Landscape lädt die Akademie Schloss Solitude am 7. Dezember zum Winterfest Punsch im Schnee, mit Lesungen, Performances und Open Studios von Stipendiat*innen ein.

Key Visual (c) Akademie Schloss Solitude

AUSSTELLUNG
Marina Gioti: Past Future Perfect
21. September – 7. Dezember 2018
Während und nach dem Zweiten Weltkrieg sowie in den 1960er Jahren galt technisch-wissenschaftlicher Fortschritt in den Industrienationen weltweit als Motor der Geschichte. Unmittelbare Implementierung, begrenzte Unternehmenstransparenz und das Motto »Wissenschaft findet, Industrie wendet an, Mensch geht konform« charakterisierten diese sogenannten Goldenen Jahre der Wissenschaft. Marina Giotis Installation Past Future Perfect erwägt Dinge, die diese vielversprechende vergangene Zukunft »mit sich hätte bringen können« beziehungsweise »nicht unbedingt wie angekündigt geliefert hat«. Es ist eine unauslöschliche Spur, die in unserer jüngsten Vergangenheit hinterlassen wurde, in unsere Gegenwart wirkt und in einigen Fällen noch unsere Zukunft beeinträchtigen wird. Neben Raumschiffen, Superhighways, wohltätigen Robotern und komplizierten Küchengeräten bescherte uns der technisch-wissenschaftliche Fortschritt ebenso noch grausamere Kriege, industrielle Unfälle, überwältigende Umweltverschmutzungen und Klimawandel. Ohne explizit auf visueller Ebene auf diese dystopischen Effekte hinzuweisen, gräbt sich die Künstlerin in die industrielle Archäologie der Zeit, in der die Zukunft noch in unseren Händen lag.

AUSSTELLUNG
Saadia Mirza: Sensing Landscape
21. September – 7. Dezember 2018
Wer eine Karte erstellt, ordnet die Welt – um ihr »eine Sinnhaftigkeit, die sie nicht zwingend besitzt« zu verleihen. Karten beschreiben somit mehr als nur die bio-physischen Eigenschaften eines Territoriums. Stattdessen zeigen sie uns mit Präzision und Vermessung eine Besessenheit auf und enthüllen dabei eine Geschichte über Überwachung, Kontrolle und Wissen. Saadia Mirzas Installation präsentiert Visualisierungen und Kartierungen von umkämpften Gebieten in Südafghanistan während des Krieges von 2001–2014 und resultiert aus einem Forschungsprojekt über die strategische Bedeutung der konfliktreichsten Landschaften durch georäumliche Daten-Analyse. Der Wahrheitsgehalt der Antworten wird nicht offengelegt, dafür aber die merkwürdige Natur von Satellitenbildern und wie diese von einem Analysten hergestellt und interpretiert werden. Ästhetik und objektives Wissen werden durch eine pure optische Wiedergabe verwoben, in der sich das Subjektive und Qualitative mit der Beweisführung vermischt. Die Politik und Ästhetik von Fernerfassungsmethoden werden offenbart.
Die Installation ist eine Kooperation mit dem Künstler, Komponisten und Performer Antoni Rayzhekov, der die präsentierten Bilddaten, Kartierungen und Topografien verklanglicht. Die Geräuschlandschaft ist zugleich eine Erweiterung seines Projekts Organic Oscillators.
Das Projekt wurde ursprünglich durch Gespräche mit Archäologen und Geografen im Centre for Ancient Middle Eastern Landscapes (CAMEL) an der University of Chicago entwickelt.

ESSAYFILM
Aykan Safoğlu: Off-White Tulips
»Der Essayfilm Off-White Tulips ist ein fiktiver Dialog mit James Baldwin, der sich für einen längeren Aufenthalt nach Istanbul begibt. Gefundene Dokumente und Objekte werden so bearbeitet, dass Baldwins Identität als afroamerikanischer schwuler Autor mit der persönlichen Geschichte des Erzählers überlagert wird. Die assoziative Erzählung umfasst zudem Verweise auf türkische und amerikanische Pop-Ikonen, etymologische Erkundungen sowie auf selbstreflexive Kommentare zur visuellen Repräsentation.« – İz Öztat
Türkei/Deutschland, 2013, 24 min. In türkischer Sprache mit englischen Untertiteln.

VERMITTLUNG
Führungen durch die Ausstellungen Past Future Perfect von Marina Gioti und Sensing Landscape von Saadia Mirza und Screening des Esssayfilms Off-White Tulips von Aykan Safoğlu

So, 30. September 2018
14 Uhr: Führung von Denise Helene Sumi (Kunstkoordination)
15 Uhr: Filmscreening Off-White Tulips, Türkisch mit deutschen Untertiteln

So, 28. Oktober 2018
14 Uhr: Führung von Lukas Ludwig (Kunstkoordination)
15 Uhr: Filmscreening Off-White Tulips, Türkisch mit deutschen Untertiteln

So, 25. November 2018
14 Uhr: Führung von Johanna Markert (Kunstkoordination)
15 Uhr: Filmscreening Off-White Tulips, Türkisch mit deutschen Untertiteln

WINTERFEST
Punsch im Schnee Mit Solitude-Stipendiat*innen
7. Dezember 2018, 17 bis 22 Uhr
Finissage der Ausstellungen von Marina Gioti und Saadia Mirza sowie Open Studios, Konzerte und Lesungen unter Beteiligung von aktuellen Stipendiat*innen aus Israel, Indonesien, Österreich, Deutschland, Belgien, den USA und der Schweiz.

Ausstellungsdauer: 21. September bis 7. Dezember 2018
Öffnungszeiten: Di–Do: 10–12 Uhr, 14–17 Uhr, Fr: 10–12 Uhr, 14–16 Uhr, Sa–So: 12–17 Uhr (ab November 12–16 Uhr)
Alle Veranstaltungen finden in der Akademie Schloss Solitude statt. Eintritt frei!

Über die Akademie
Die Akademie Schloss Solitude ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts, die ein interdisziplinäres und internationales Stipendienprogramm für Künstler und Wissenschaftler anbietet. Seit 1990 fördert die Akademie Künstlerinnen und Künstler in den Disziplinen Architektur, Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Design, Literatur, Musik/Klang und Video/Film/Neue Medien durch Wohn- und Arbeitsstipendien.
Mit dem Programm art, science & business werden seit 2002 auch junge Menschen aus Wissenschaft und Wirtschaft in die Förderung aufgenommen.
Die Akademie Schloss Solitude wird von Zuwendungen des Landes Baden-Württemberg finanziert.

»Esprit Solitude«
Im spätbarocken Kleid über den Dächern der Kultur- und Industriemetropole Stuttgart angesiedelt, hat sich die Akademie Schloss Solitude zu einem wichtigen globalen Netzwerk der internationalen Kunstszene entwickelt. Im Einklang mit der Lage und Geschichte des Schlosses will Solitude seinen Gästen Rückzugsort und Freiraum für Kunst und Leben sein. Die Akademie wirkt aber auch nach außen, ist Ausstellungsort, Versuchslabor und Diskursarena. Ihre Stipendiaten und Gäste nutzen sie als künstlerischen Inkubator, als Projektionsfläche, als Kontaktbörse oder als Gelegenheit, ein Projekt ohne Blick auf Konventionen verwirklichen zu können. Das Haus vertritt einen offenen Kunstbegriff und lässt sich ganz bewusst von seinen Gästen prägen.

Geschichte
Herzog Carl Eugen ließ das spätbarocke Schloss Solitude von 1763 bis 1769 als Jagdschloss und Sommerresidenz erbauen, brachte dort aber bald die Hohe Karlsschule unter, zu deren Schülern auch Friedrich Schiller zählte. Später wurde Solitude unter anderem als Kriegslazarett, Gastwirtschaft, Gefängnis und Studentenwohnheim genutzt. Seit 1990 beherbergen die beiden Offizien- und Kavaliersgebäude des Schlosses die Wohn-, Arbeits- und Ausstellungsstätten der Akademie Schloss Solitude.

Räumlichkeiten
Der Akademie Schloss Solitude stehen 45 möblierte Wohnstudios zur Verfügung. Außerdem besitzt das Haus einen Vortragssaal, Werkstätten, Computerarbeitsplätze, Bibliotheken, eine Cafeteria sowie weitere gemeinschaftlich nutzbare Räume. Ausstellungen, Symposien, Performances und andere Veranstaltungen finden meist an der Akademie statt. Seit 2008 nutzt die Akademie zudem eine renovierte Fachwerkscheune auf dem Schlossareal insbesondere für klassische Konzerte. In der Römerstraße in der Stuttgarter Innenstadt unterhält die Akademie einen Projektraum.

Förderung und Jurierung
Das Stipendienprogramm richtet sich in erster Linie an Künstlerinnen und Künstler bis 35 Jahre; bei älteren Bewerbern sollte der Studienabschluss nicht länger als fünf Jahre zurückliegen. Studierende können nicht aufgenommen werden. Alle zwei Jahre werden zwischen 50 und 70 Wohn- und Arbeitsstipendien vergeben. Zusätzlich können Projekte und Publikationen gefördert werden.

Bewerbungen werden in folgenden Sparten angenommen: Architektur (Entwerfen, Landschaftsplanung, Städtebauplanung), Bildende Kunst (inkl. Performance-Kunst), Darstellende Kunst (Bühnenbild, dramatische Texte, Dramaturgie, Musiktheater, Performance, Regie, Schauspiel, Tanz), Design (Mode-, Kostüm-, Produkt- und Möbeldesign, Visuelle Kommunikation), Literatur (Essay, Kritik, Lyrik, Prosa, Übersetzung), Musik/Klang (Interpretation, Klanginstallation, Klangperformance, Komposition) und Zeitbasierte Medien (Video, Videoinstallation, Fiktion und Dokumentarfilm). Das Programm art, science & business ist offen für Bewerber aus Wissenschaft und Wirtschaft.

Die Stipendiatenauswahl wird von einer unabhängigen Jury getroffen. Für jede Disziplin benennt ein wechselnder Juryvorsitzender eine/n Fachkundige/n, der/die die Auswahl aus den Bewerbungen eigenständig vornimmt.

Projekte und Kooperationen
Zur Idee der Akademie gehört das Wirken im Zwischenraum des Privaten und des Öffentlichen. So gewähren die Akademie und ihre Stipendiaten in Ausstellungen, Lesungen, Performances, Konzerten und Symposien Einblick in das Schaffen hinter den Schlossmauern. Zudem veröffentlicht die Akademie in der Edition Solitude regelmäßig Publikationen ihrer Stipendiaten und Gäste.

Das 2002 initiierte Programm art, science & business, das sich dem Dialog zwischen Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft widmet, hat sich zu einem wichtigen Impulsgeber innerhalb und außerhalb der Akademie entwickelt. Im Rahmen des Programms werden Symposien, Vortragsreihen und Workshops organisiert, häufig in Kooperation mit anderen Kunst- und Wissenschaftsinstitutionen.

Neben zahlreichen regionalen Kooperationen unterhält die Akademie ein Austauschprogramm mit osteuropäischen Kunst- und Kulturinstitutionen in Warschau/Polen, Budapest/Ungarn, Novi Sad/Serbien, Sofia/Bulgarien und Zagreb/Kroatien.

Seit 2003 veranstaltet die Akademie alle zwei Jahre eine vierzehntägige Meisterklasse für junge Komponistinnen und Komponisten. Unter der Leitung renommierter Dozenten wird individuell und gemeinschaftlich an Kompositionen gearbeitet. Zum Abschluss präsentiert ein Ensemble das Erarbeitete in zwei öffentlichen Konzerten.

7. Europäische Quilt-Triennale

Die Europäische Quilt-Triennale besitzt auf dem Sektor zeitgenössischer künstlerischer Quilts ein Alleinstellungsmerkmal besitzt. Fünf namhafte Jurorinnen aus England, Frankreich, Schweden und Deutschland trafen hierfür eine Auswahl von 41 Exponaten aus 11 europäischen Ländern aus einer Gesamteinreichung von 161 Arbeiten. Als Nachwuchsquilterin mit nur 17 Jahren wurde Malou Cecille van Draanen Glismann für ihre Arbeit Nightmare ausgezeichnet.

Nightmare, Malou Cecille van Draanen Glismann, Preis für talentierte Nachwuchsquilterinnen, Foto: Monika Kirk

Bereits zum zweiten Mal in Folge erhielt Urte Hanke aus Coswig den Preis für Innovation im großen Format für Linear. Mit Judith Mundwiler aus der Schweiz gewinnt eine der innovativsten und experimentierfreudigsten Künstlerinnen den diesjährigen Doris Winter-Gedächtnispreis. Insgesamt bietet die Schau ein breites Spektrum an Techniken, Konzepten und Themen und stellt einen spannenden Schnappschuss der aktuellen europäischen Quiltszene dar.

Linear: Urte Hanke (D), Preis für Innovation im großen Format, Foto: Künstlerin

ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN
Sonntag, 07.10.2018, 15 Uhr • Mittwoch, 10.10.2018, 17 Uhr
Mittwoch 14.11.2018, 17 Uhr • Samstag, 17.11.2018, 16 Uhr
Sonntag, 09.12.2018, 15 Uhr • Mittwoch, 12.12.2018, 17 Uhr
RAHMENPROGRAMM
• 17.10.2018, 16 Uhr
Künstlerinnengespräch mit Pascale Goldenberg und Isabelle Wiessler
im Rahmen der französischen Woche Heidelberg
• 17.11.2018, 18 Uhr
Vortrag über die Entwicklung der Deutschen Quilt-Biennale und
späteren Europäischen Quilt-Triennale von Dr. Kristine Scherer
Kosten € 3,– zzgl. Eintritt
• 8./9.12.2018, 9–17 Uhr
Minicollagen – eine Kostbarkeit in eigener Handschrift.
Workshop mit Judith Mundwiler
Kosten: € 150,–
Anmeldung erforderlich bis 11. November 2018
KATALOG
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in deutscher und
englischer Sprache mit Farbabbildungen aller Arbeiten (€ 12,–).

7th European Quilt TriennialEnglish Version

Competitions like the European Quilt Triennial, which has now become unique in the European sector of contemporary quilt art, are perhaps able to play a modest role in creating a strong Europe. This time, five renowned jurors from England, France, Sweden and Germany chose a selection of 41 exhibits from 11 European countries out of the 161 works submitted. The 17-year-old Malou Cecille van Draanen Glismann was awarded the prize for young quilters for her work Nightmare. For the second time running, Urte Hanke from Coswig was awarded the prize for innovation in a large format for her work Linear. Judith Mundwiler from Switzerland, one of the most innovative and adventurous artists, was awarded this year’s Doris Winter Memorial Award. The exhibition shows a wide spectrum of techniques, concepts and subjects, and it provides an exciting snapshot of the current European quilt scene.

Judith Mundwiler : Netzwerk im Fluss der Zeit (Detail) Doris-Winter-Gedächtnispreis, Foto: Künstlerin

GUIDED TOURS FOR THE PUBLIC
Sunday, 07.10.2018, 3 p.m. • Wednesday, 10.10.2018, 5 p.m.
Wednesday, 14.11.2018, 5 p.m. • Saturday, 17.11.2018, 4 p.m.
Sunday, 09.12.2018, 3 p.m. • Wednesday, 12.12.2018, 5 p.m.
ACCOMPANYING PROGRAMME
• 17.10.2018, 4 p.m.
Artist’s talk with Pascale Goldenberg and Isabelle Wiessler
as part of French Week in Heidelberg
• 17.11.2018, 6 p.m.
Talk on the development of the German Quilt Biennial and later
European Quilt Triennial by Dr. Kristine Scherer
Fee: € 3,– in addition to entrance fee
• 8./9.12.2018, 9 a.m. to 5 p.m.
Mini collages – a treasure with one’s own signature.
Workshop with Judith Mundwiler
Costs: € 150,–
Registration required by 11 November 2018
CATALOGUE
There is a bilingual exhibition catalogue (German / English) with
colour photos of all exhibits (€ 12).

Els van Baarle
Foto: Joop van Houdt

MUSEUM
Textilsammlung Max Berk · Kurpfälzisches Museum
Brahmsstraße 8 · D – 69118 Heidelberg-Ziegelhausen
Telefon: +49 (0)6221 800317 · Fax: +49 (0)6221 584699050
Email: kmh-textilsammlung-max-berk@heidelberg.de
www.museum-heidelberg.de
ÖFFNUNGSZEITEN | OPENING HOURS
Mittwoch, Samstag und Sonntag 13 bis 18 Uhr. Gruppenbesichtigungen
sind nach Voranmeldung auch außerhalb dieser Zeiten möglich.
Wednesday, Saturday, Sunday 1.00 p.m. to 6.00 p.m. Group visits
can also be arranged outside these times.
EINTRITT | ADMISSION FEE
regulär e 2,50 / ermäßigt e 1,50 / Schüler unter 16 Jahren frei
Regular e 2.50 / Concessions e 1.50 / School children under 16 free
FÜHRUNGEN | TOURS
Anmeldungen hierzu unter +49 (0)6221 800317 oder
kmh-textilsammlung-max-berk@heidelberg.de
To book tours, call +49 (0)6221 800317
or mail
kmh-textilsammlung-max-berk@heidelberg.de

Hugo-Wolf-Akademie

Alle zwei Jahre beweist der von der Hugo-Wolf-Akademie Stuttgart ausgerichtete Liedwettbewerb, was entsteht, wenn ein traditionsreiches Genre und passionierte junge Musikerinnen und Musiker zusammenkommen: ein begeisterndes Festival! Und obendrein eine Kür der Besten, die frappierende Blicke in die Glaskugel eröffnet. Schließlich rekrutiert sich die aktuelle internationale Crème de la crème des Liedgesangs schon seit Jahrzehnten aus den Preisträgern dieses Wettbewerbs. Ende Juni traf die Vorjury die Entscheidungen über die Teilnehmerinnen und Teilnehmer 2018. Keine leichte Aufgabe, nicht nur wegen des stetig steigenden Niveaus der Bewerbungen. Ausgewählt wurden 38 Duos aus 26 Nationen, die nun den sechs Wettbewerbstagen im September entgegenfiebern.

Öffentlich sind die Darbietungen ab der  zweiten Runde am Donnerstag, 20. September um 11.00 Uhr und das Finale am Samstag, 22. September um 11:00 Uhr.
Der Eintritt zu den Wettbewerbsrunden ist frei, um Anmeldung unter wettbewerb@ihwa.de oder 0711-221177 wird gebeten. Die Preisverleihung und das Preisträgerkonzert finden am Sonntag, 23. September um 17:00 Uhr statt.

Teilnehmer
Der Internationale Wettbewerb für Liedkunst Stuttgart 2018 steht SängerInnen und PianistInnen aller Nationen offen, die nach dem 31. Dezember 1984 geboren wurden. Für den diesjährigen Wettbewerb bewarben sich 96 Duos aus 39 Nationen. 38 Duos, also 76 junge Künstlerinnen und Künstler, wurden von der Vorjury zur ersten Runde nach Stuttgart eingeladen. Sie stammen aus Armenien (1), Australien (2), Brasilien (1), Brasilien/Portugal (1), Bulgarien (1), China (1), Deutschland (27), Estland (1), Finnland (2), Frankreich (3), Griechenland (1), Großbritannien (2), Japan (4), Kanada (2), Südkorea (5), Österreich (5), Polen (2), Russland (1), Schweiz (2), Singapur (1), Slowenien (1), Spanien (2), Taiwan/China (1), Tschechische Republik (1), Ungarn (3), USA (3).

Die Jury
Vorjury: Birgid Steinberger (Österreich), Marcelo Amaral (Brasilien/Deutschland), Cornelius Hauptmann (Deutschland)
Jury: Susan Manoff (USA/Frankreich), Birgid Steinberger (Österreich), Olaf Bär (Deutschland), Werner Güra (Deutschland), Håkan Hagegård (Schweden), Graham Johnson (Großbritannien)
Jury-Vorsitzende: Brigitte Fassbaender (Deutschland)
Wettbewerbsleitung: Hans Georg Koch, Patrick Strub

Preise
Es werden Preise in Höhe von insgesamt € 35.000 vergeben, die geteilt werden dürfen.
1. Preis: € 15.000
2. Preis: € 10.000
3. Preis: € 7.000
Darüber hinaus steht der Jury ein Betrag von € 3.000 zur freien Vergabe für Sonder- und/oder Förderpreise bzw. bei der Teilung von Preisen zur Verfügung.

Online
Alle Geschehnisse rund um den Wettbewerb können bei Twitter und Facebook (@Liedwettbewerb), Instagram und im Live-Stream auf www.lied-wettbewerb.de verfolgt werden.

Karten für das Preisträgerkonzert
karten@ihwa.de, Tel. 0711-72233699 oder www.ihwa.de

Mehr Informationen:
www.lied-wettbewerb.de
www.ihwa.de

Austragungsort ist die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Insgesamt werden Preisgelder in Höhe von € 35.000 vergeben. Alle Runden und das Preisträgerkonzert können per Live-Stream im Internet verfolgt werden.

Das Preisträgerkonzert findet am Sonntag, den 23. September um 17:00 Uhr statt.

Unterstützt wird der Wettbewerb vom Land Baden-Württemberg, der Stadt Stuttgart, der Eva Mayr-Stihl Stiftung und der Wüstenrot Stiftung.Unterstützt wird der Wettbewerb vom Land Baden-Württemberg, der Stadt Stuttgart, der Eva Mayr-Stihl Stiftung und der Wüstenrot Stiftung.

MACKIE MESSER –
BRECHTS DREIGROSCHENOPER

Berthold Brecht schuf sein Drama „Die Dreigroschenoper“ für die Theaterbühne. Dass er auch eine filmische Umsetzung plante, ist kaum bekannt. Joachim A. Lang („George“, „Brecht – Die Kunst zu leben) interpretiert in seinem Kinofilmdebüt den Welterfolg von Brecht und Weill völlig neu. Die Rahmenhandlung, angesiedelt im Berlin der 1920er-Jahre, vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise und des aufkommenden Faschismus, erzählt die Geschichte eines jungen, wilden Künstlerkollektivs mit Brecht im Mittelpunkt. Auf der anderen Seite erlebt man die Dreigroschenoper selbst und ihr Making of. In einem fulminanten und fiebrigen filmischen Kraftakt lässt Lang Realität und Fiktion verschmelzen, wechselt fließend zwischen den Ebenen der Dreigroschenoper selbst und ihrer Akteure im wirklichen Leben.

Bild: v.l.n.r. Joachim Król, Christian Redl, Godehard Giese, Claudia Michelsen, Lars Eidinger, Regisseur Joachim A. Lang, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung 
© SWR/Zeitsprung Pictures/Wild Bunch/Stephan Pick

arsmondo: Warum wollten Sie unbedingt diesen Film über Brechts
Dreigroschenoper machen?
Ich möchte den Staub, der sich im Laufe der Jahrzehnte über das erfolgreichste und populärste deutschsprachige Stück des 20. Jahrhunderts gelegt hat, entfernen und es in einen brisanten und aktuellen Zusammenhang stellen. Das Stück ist ungeheuer populär, die Songs sind Schlager geworden, trotzdem gibt es nur ganz wenige Verfilmungen, die letzte deutschsprachige liegt mehr als 50 Jahre zurück. Das ist überraschend, zumal es ein Exposé von keinem Geringeren als vom Autor selbst gibt: Bertolt Brecht. Er sagte zu recht, es sei Unfug, Elemente eines Theaterstücks wenig verändert zu verfilmen, und schrieb dieses Konzept für eine Verfilmung. Für meine Verfilmung versuche ich, die im Text angelegten Provokationen wieder zu entdecken. Der Haifisch soll wieder Zähne bekommen. Die ersten Verse des Eröffnungssongs zeigen schon die Richtung. Dass der Haifisch seine Zähne im Gesicht trägt und das Messer des Räubers Macheath nicht zu sehen ist, kann als Bild für den gegenwärtigen Zustand der Welt gelten. Der Angriff des Raubtiers erscheint harmlos gegenüber den verborgenen Brutalitäten eines Systems, in dem die Machenschaften. die Existenzgrundlagen vernichten, in scheinbarer Seriosität vor sich gehen. Mir geht es um ein neues Sehen, nicht nur auf Brecht und sein erfolgreichstes Werk, sondern auch um die Erweiterung von Möglichkeiten im Bruch mit Konventionen, in der Kunst und in der Wirklichkeit, in einer Welt, die durch frappierende soziale Ungleichheit zunehmend aus den Fugen gerät.
In Bezug auf Brecht geht es mir um ein neues Bild des Dichters, das sich in der Forschung immer mehr durchsetzt. Demnach war Brecht kein trockener Ideologe, bei dem alles berechenbar ist, wie man immer noch liest. Das Gegenteil ist der Fall. Brecht war ein provokanter, gesellschaftskritischer Autor, der unterhalten und nicht nur das Theater revolutionieren wollte. Für mich ist er der wichtigste deutschsprachige Dichter des 20. Jahrhunderts, er hat die Kunst entscheidend geprägt. Brecht war der Mittelpunkt eines Künstlerkreises, zu dem u. a. seine Frau und Mitarbeiterin Elisabeth Hauptmann, die Schauspielerin Carola Neher und natürlich der Komponist Kurt Weill sowie dessen Frau Lotte Lenja zählten. Diese Künstler schafften die kulturellen Glanzlichter der Zeit, aber sie sorgten auch für Skandale. Es sah ja so aus, als würde die „Dreigroschenoper“ einer dieser Skandale werden.

Joachim A. Lang, Foto: Zeitsprung Pictures / Stephan Pick

arsmondo: Der Dreigroschenfilm hat mehrere Erzählebenen – zum einen das Stück selbst zum anderen Brecht und sein Kreis im Berlin der
20er-Jahre. Wie war Ihre Herangehensweise?
Ich habe meinen Filmstoff aus Brechts Filmexposé, dem Dreigroschenroman und der Dreigroschenoper entwickelt. Außerdem gibt es eine Rahmenhandlung, die ins Berlin der 1920er-Jahre zu einem jungen, wilden Künstlerkollektiv mit Brecht im Mittelpunkt führt und die Entstehung des Exposés vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise und des aufkommenden Faschismus zeigt. Gleich nach dem Welterfolg auf der Bühne entstand der Plan, aus der „Dreigroschenoper“ einen Film zu machen. Brechts Vorstellungen davon waren politisch und ästhetisch radikal, und es war klar, dass er damit in Konflikt mit der Filmindustrie geraten würde, der es um den Erfolg an der Kinokasse ging. Es kam zum Prozess, mit dem Brecht zeigen wollte, dass die Geldinteressen der Filmindustrie sich gegen sein Recht als Autor durchsetzten. Er nannte das Ganze „soziologisches Experiment“, er bediente sich der modernen Massenmedien und inszenierte in der Öffentlichkeit ein Gerichtsverfahren, er inszenierte gewissermaßen die Wirklichkeit, das hatte zuvor noch kein Dichter gemacht. Brecht selbst konnte seinen Dreigroschenfilm nie selbst drehen, er musste vor den Nazis aus Deutschland fliehen und später war es für ihn nicht mehr möglich.
Wir zeigen also den Film, der nie gemacht wurde, die Rahmenhandlung ist eine Art Making of dieses Films und zeigt Brechts Kampf mit der Filmindustrie vor dem Hintergrund der Wilden Zwanziger. Die Dreigroschenoper liefert dazu den Sound der Zeit.

Bild: Lars Eidinger als Bertold Brecht.
© SWR/Alexander Kluge, foto@swr.de.

arsmondo: Der Dreigroschen-Film ist ein Mammutprojekt – mit welchen
besonderen Herausforderungen mussten Sie umgehen?
Für ein solches Filmkonzept braucht man natürlich Kenntnisse, eine Vision, eine gewisse Durchsetzungskraft und starke Unterstützer. Der Film ist für die Filmindustrie überaus ungewöhnlich, und ich musste schon Überzeugungsarbeit leisten. Aber ich hatte hervorragende Unterstützer, besonders den SWR, den Intendanten Peter Boudgoust und die Redaktionsleiterin Sandra Dujmovic. In künstlerischer Hinsicht sind meine wichtigsten Partner und Verbündeten die Schauspieler, ich hatte ein Traumensemble. Und ich hatte das Glück, mit ganz besonderen Künstlern zu arbeiten, die zu den besten ihres Fachs gehören und sonst nie zusammengekommen wären: mein DOP David Slama, ein wundervoller Künstler und Mensch, mit dem es gelungen ist, eine ganz neue Welt zu erschaffen, sowohl das London der Dreigroschenwelt um 1900 als auch das Berlin der 1920er-Jahre in der Rahmenhandlung. Mit der ganzen Filmcrew war es eine wundervolle Teamarbeit, sonst hätten wir keine Chance gehabt, dem enormen Druck standzuhalten und dieses Werk zu schaffen. Wichtig ist auch die Choreographie von Eric Gauthier und seiner Companie, eine der innovativsten überhaupt. Und natürlich die Musik: HK Gruber ist weltweit der beste Musiker für Weill und die 1920er-Jahre. Er hat die Songs mit den Schauspielern aufgenommen und den Score eingespielt. Alle Schauspieler singen selbst, und zwar in der von Weill vorgegebenen, wirklich nicht einfachen Tonlage. Dazu der Londoner Komponist Walter Mair, der den großen Teil der Filmmusik schrieb und der Wiener Kurt Schwertsik, der für uns Brechts Gründungssong komponierte, eine Uraufführung. Wir hatten die besten Musiker dafür: das SWR Symphonieorchester, die Bigband des Senders und das SWR Vokalensemble.

arsmondo: Ist der Dreigroschen-Film auch etwas für die junge Generation?
Viele kennen den Autor und seine Bedeutung ja heute kaum noch…
Ganz klar: Ja! Ich glaube, der Film hat besonders auf junge Menschen wegen seiner Aktualität und Machart seine Wirkung, mit und ohne Vorkenntnisse. Wir haben in Berlin ein Testscreening gemacht. In der Zielgruppe zwischen 20 und 30 Jahren erreichten wir die besten Ergebnisse. Ihr Fazit war: „eine aktuelle und schräge Story mit wichtigen Themen wie Globalisierung, Freiheit der Kunst usw.“ Das hat mich natürlich gefreut.

arsmondo: Brecht wollte seine Dreigroschenoper nach seinem eigenen Konzept verfilmen, aber scheiterte an den damaligen Vorstellungen der
Filmindustrie. Könnte man sagen, Sie erfüllen über 80 Jahre später
etwas von seinen damaligen Visionen mit all dem, was Film heute
kann?
Man kann sagen, unsere Arbeit ist die erste auf Brecht basierende Verfilmung seines Welterfolgs. Mit Brecht beschäftige ich mich seit über 30 Jahren, ich habe über die Verfilmung des epischen Theaters promoviert und war 8 Jahre lang künstlerischer Leiter des Brechtfestivals. An Brecht faszinieren mich bis heute seine Sprache und seine Ästhetik. Aber es geht nicht darum, Brecht zu kopieren. Ich bin von ihm inspiriert, aber auch von Anderen. Und der Film beinhaltet natürlich
meine Sicht auf die Welt und die Kunst.

Schauspielerin Carola Neher (Hannah Herzsprung).
© SWR/Zeitsprung Pictures/Wild Bunch foto@swr.de.

arsmondo: Im Film lassen Sie Brecht durchgängig mit seinen eigenen Worten sprechen…
Alles, was Brecht im Film sagt, ist von Brecht, Zitate aus seinem gesamten Werk und Leben, aus seinen Stücken von Baal, Galilei bis zu Sezuan usw., auch aus seinen Gedichten, Prosa, Briefen, alles aus seinem Werk. Es ist ungewohnt und neu, dass ein Dichter mit seinen eigenen Worten spricht. Keine erfundenen Orientierungsdialoge, sondern 100 Prozent Brecht, Brecht pur. Das bedeutet auch eine Wende in der Brechtrezeption, und ich bin den Erben dankbar, dass ich erstmals diese Möglichkeit hatte. Auch die anderen Künstler sprechen mit ihrer Stimme. Der Film will den Künstlern ihre Stimme geben. Im Dreigroschenprozess gibt es ein Schlüsselzitat von Brecht. Sinngemäß lautet das so: Die Situation ist heute so, dass ein Foto, etwa der Kruppwerke, beinahe nichts über die Wirklichkeit aussagt, es ist etwas Gestelltes, Künstliches, Kunst nötig. Es geht um Kunst und Wirklichkeit, ein Thema, mit dem ich mich in verschiedenen Zusammenhängen beschäftige. Unser Film versucht mit künstlerischen Mitteln die oberflächlich wahrgenommene Wirklichkeit durchschaubar zu machen, wie das löchrige Gewand der Bettler, die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen. Mit den Künsten, mit Film, Theater, Musik, Literatur, der Schauspielkunst, der Bühnenkunst, auch dem Tanz.

Bild: Polly (Hannah Herzsprung) auf ihrer Hochzeitsfeier.
© SWR/Zeitsprung Pictures/Wild Bunch/Stephan Pick

 Aber es geht ja nicht um Kunst der schönen Kunst willen…
Im Gegenteil, deshalb lasse ich ja Brecht sagen: „Schöne Wörter zusammenzusetzen, das ist keine Kunst. Wie kann Kunst die Menschen bewegen, wenn sie selber nicht von den Schicksalen der Menschen bewegt wird?“ Die „Dreigroschenoper“ ist aktueller denn je und noch mehr, Brechts Exposé und unser Film. Was in der Oper angedeutet wird, ist bei uns vollzogen. Macheath erkennt die Zeichen der Zeit, gibt sein Geschäft als Straßenräuber und Zuhälter auf, wechselt ins Bankfach und begibt sich in einen Finanzpalast, der die brutalen Auswirkungen des Kampfes um Gewinn und Verlust bei oberflächlicher Betrachtung nicht zu erkennen gibt. Die kriminelle Energie einer Ordnung, die sich mit Hedgefonds, Waffengeschäften, Lebensmittelspekulationen, mit einer wachsenden frappierenden Ungleichheit und deren Folgen wie Hungersnöten, Bürgerkriegen und Flüchtlingselend global ausbreitet, hat die Welt aus den Fugen geraten lassen. Der Marsch der Bettler in unserem Film erinnert an die Massen von Flüchtlingen, die aus Not, Elend und Verfolgung zu uns kommen. Und wenn der frisch gebackene Bankpräsident Macheath mit Pollys Lösegeld aus dem Gefängnis frei gekauft wird, lasse ich ihn Worte sagen, welche die beängstigende Aktualität nicht nur durch die Parallelität zum amtierenden amerikanischen Präsidenten deutlich machen. Der ehemalige Straßenräuber wünscht sich Geschäftsleute an der Spitze des Staates, so wie er. Man müsse erreichen, dass die Reichen gute Reiche und die Armen gute Arme sind, er ist der Auffassung, dass
die Zeit einer solchen Staatsführung kommen wird. Wie nah wir all dem doch sind.

arsmondo: Der Film hat eine Traumbesetzung. Einige der besten deutschen
Filmschauspieler wirken mit…
Für mich die Besten. Für mich war klar, dass nur einer in der Lage
ist, Brecht zu spielen: Lars Eidinger verkörpert mein Brecht-Bild, der junge, wilde, gesellschaftskritische Dichter, ironisch, witzig, widersprüchlich, er inszeniert sich selbst, stilisiert sich zur Marke, in gewisser Weise eine Kunstfigur. Das geschieht durch das Spiel und die ausschließliche Verwendung von Zitaten. Aber ich möchte niemand herausstellen: Das ganze Ensemble ist herausragend. Hannah Herzsprung spielt eigentlich drei Rollen: in der Rahmenhandlung die Schauspielerin Carola Neher und in der Dreigroschenhandlung Polly, die sich von einem jungen naiven Mädchen zu einer selbstbewussten Frau entwickelt. Es ist ein Film mit starken Frauen: Polly ist es, die in meiner Verfilmung die Bank übernimmt – und nicht Mackie Messer, der im Gefängnis sitzt. Und gerade diesen neuen Mac verkörpert Tobias Moretti glänzend. Ebenso wie Britta Hammelstein seine ehemalige Geliebte Jenny und in der Rahmenhandlung Lotte Lenja. Ganz großartig ist auch Christian Redl als Tiger-Brown, ein Polizeichef, der den Mächtigen ausgeliefert ist und über den man schmunzeln muss. Ungeheuer beeindruckend ist Joachim Król als Bettlerkönig Peachum, der ähnlich wie der Filmboss mit falschen Gefühlen Geld machen will, genauso wie Claudia Michelsen, die als Mrs. Peachum eine neue Figur schafft, wie man sie noch nicht gesehen hat.

arsmondo: Wieviel Baden-Württemberg steckt in dem Film?
Der SWR spielte für die Realisierung des Film-Projekts die entscheidende Rolle, die M F G hat den Film sehr unterstützt. Die SWR-Klangkörper spielten die Musik ein: Das Vokalensemble, die Bigband und das Symphonieorchester. Die Tanzszenen hat Eric Gauthier choreographiert und seine Compagnie tanzt. Viele Filmszenen wurden neben Berlin und Belgien auch hier in Baden-Württemberg gedreht, z.B. im Schloss in Rastatt, in Heilbronn und in Metzingen in einer alten Fabrikhalle. Also es ist wirklich viel Baden-Württemberg drin!

arsmondo: Danke für das Gespräch!

Der Film kommt im September 2018 ins Kino

Der Film
Nach dem überragenden Welterfolg von „Die Dreigroschenoper“ will
das Kino den gefeierten Autor des Stücks für sich gewinnen. Doch Bertolt
Brecht (Lars Eidinger) ist nicht bereit, nach den Regeln der Filmindustrie
zu spielen. Seine Vorstellung vom „Dreigroschenfilm“ ist radikal, kompromisslos,
politisch, pointiert. Er will eine völlig neue Art von Film machen
und weiß, dass die Produktionsfirma sich niemals darauf einlassen wird.
Ihr geht es nur um den Erfolg an der Kasse. Während vor den Augen des
Autors in seiner Filmversion der Dreigroschenoper der Kampf des Londoner
Gangsters Macheath (Tobias Moretti) mit dem Kopf der Bettelmafia
Peachum (Joachim Król) Form anzunehmen beginnt, sucht Brecht die öffentliche
Auseinandersetzung. Er bringt die Produktionsfirma vor Gericht,
um zu beweisen, dass die Geldinteressen sich gegen sein Recht als Autor
richten … Ein Dichter inszeniert die Wirklichkeit – das hat es noch nie gegeben!

Die Akteure
MACKIE MESSER – BRECHTS DREIGROSCHENFILM ist hochkarätig besetzt mit
Lars Eidinger als Brecht, Tobias Moretti als Macheath, Hannah Herzsprung
als Carola Neher und Polly, Joachim Król als Peachum, Claudia Michelsen
als Frau Peachum, Robert Stadlober als Kurt Weill, Peri Baumeister als Elisabeth
Hauptmann, Britta Hammelstein als Lotte Lenja und Seeräuber-Jenny,
Meike Droste als Helene Weigel, Christian Redl als Tiger Brown und Max
Raabe als Moritatensänger. Für die Bildgestaltung zeichnet David Slama
(„Unsere Mütter, unsere Väter“) verantwortlich. Die Musik wurde eingespielt
von Musikern des SWR Symphonieorchesters, der SWR Big Band und
dem SWR Vokalensemble unter der Leitung des Dirigenten HK Gruber. Die
Choreographien stammen von Eric Gauthier (Gauthier Dance Company).
Die verantwortliche Redakteurin und Dramaturgin im SWR ist Sandra Maria
Dujmovic.

Kunst geht in die Fabrik

Er kennt sich aus – mit Technologie, Gesellschaft und Kunst!
Benjamin Heidersberger, Jahrgang 1959, gründete 1979 zusammen mit Peter Elsner in Wolfsburg das interdisziplinäre Kunst- und Wissenschaftsprojekt Head Resonance Company, das sich mit der Umsetzung von Idee und dem Studium der Gesetze, die eine Idee in Raum und Zeit verwirklichen, beschäftigte. In den 80er-Jahren machte er mit Van Gogh TV von sich reden, einem Künstlernetzwerk, das mithilfe neuer Medientechniken den Fernsehzuschauer aus seiner Rolle als passiven Rezipienten befreien wollte.
1989 gründete der gebürtige Braunschweiger das Unternehmen Ponton-Lab, das Intra- und Internetlösungen sowie Datenbankanwendungen für verschiedene Geschäftsfelder erarbeitet. Nebenbei leitet er das von ihm selbst 2002 gegründete Institut Heidersberger, das sich der wissenschaftlichen und künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Lebenswerk des Fotografen Heinrich Heidersbergers (1906-2006) verschrieben hat. Im Sinne einer Werkstatt werden dort Ideen und Konzepte für zeitgenössische künstlerische Projekte entwickelt, um Aspekte aus dem komplexen Werk des Fotografen aufzugreifen und weiterzuentwickeln.

Benjamin Heidersberger (c) Joachim Mottl

Benjamin Heidersberger selbst versteht sich als Unternehmer und Künstler. Und das sind für ihn nicht unbedingt Gegensätze: „Der Unternehmer ist dem Künstler näher als der angestellte Manager. Künstler und Unternehmer sehen die Welt als Herausforderung, sie oder zumindest die Sicht auf sie zu verändern. Beide brauchen Kreativität und Fantasie, um das, was sie sehen, Wirklichkeit werden zu lassen. Beim Unternehmer ist der finanzielle Erfolg ein wichtiges Motiv, beim Künstler die Freude. Im Unternehmen geht es oft um Effizienz, beim Künstler um Verschwendung. Dennoch vermischen sich die Bereiche zunehmend.“

Nach vielen Jahren multimedialer Dienstleistung steht derzeit wieder das künstlerische Labor im Vordergrund von Heidersbergers Bestreben. Denn er wurde zu seiner Freude zum künstlerischen Leiter des Produktionskunstfestivals „Drehmoment“ der KulturRegion Stuttgart 2018, das in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH konzipiert wird, berufen.

Das Festival öffnet der Kunst den Zugang zu industriellen Ressourcen und ist ein Versuch, die Grenzen des Denkens zu überwinden, um neue Sichtweisen zu entwickeln und unkonventionelle Lösungen zu suchen, kurzum die Veränderung der Region durch die Zusammenarbeit von Kunst und Industrie in den Kommunen vorzubereiten. „Durch dieses Projekt sehe ich eine Möglichkeit, die Dinge, an die ich glaube, nämlich dass Kunst und Kultur ganz wichtige Aspekte für die Gesellschaft sind und dadurch Entwicklung katalysiert werden kann, in der Praxis zu realisieren,“ kommentiert der Kurator des Festivals. Nationale und internationale Künstler werden in Unternehmen arbeiten und mithilfe von Maschinen, Fertigungsprozessen, Produkten oder der Belegschaft neue Werke entwickeln. Benjamin Heidersberger ist sich sicher, „dass die Zusammenarbeit von Kunst und Produktion zu einer beidseitigen Inspiration führt, Neues und Unerwartetes für den Menschen anregt und somit die künstlerische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Region Stuttgart fördert“.

„Durch dieses Projekt sehe ich eine Möglichkeit, die Dinge, an die ich glaube, nämlich dass Kunst und Kultur ganz wichtige Aspekte für die Gesellschaft sind und dadurch Entwicklung katalysiert werden kann, in der Praxis zu realisieren…“
Benjamin Heidersberger

Seit April 2017 ist das Team der Geschäftsstelle gemeinsam mit Heidersberger in der Region unterwegs: Das Interesse ist auf allen Seiten groß und die Macher konnten viele spannende Einblicke in Produktion und Industrie der Region gewinnen. Nun entstehen die künstlerischen Ideen… Der Stand der Dinge Ende Juni? „Wir sind drei Monate vor Start des Festivals. Bei fast allen Projekten haben sich Kommune und Unternehmen auf einen von mir vorgeschlagenen Künstler festgelegt. Bei einigen Unternehmen hat der Projektvorschlag des Künstlers für Verblüffung gesorgt, manchmal auch bei mir. Ich bin positiv überrascht, mit wieviel Zeit, Energie und Ernsthaftigkeit die Unternehmen, aber auch die Künstler, in das Projekt gehen. Das Thema ist ja der Wandel der Region und da sind alle doch sehr aufmerksam.“ Das Spektrum der Projekte reicht von technologienahen bis zu gesellschaftlichen Themen. „Wir werden eine neue Währung einführen, den Wandel der Friedhofskultur verfolgen, aber auch untersuchen, wie Roboter und Virtual Reality unsere Lebens- und Arbeitswelt verändern“, berichtet Heidersberger. Denn „in der Auseinandersetzung von Mensch und Algorithmen ausführenden Maschine sehe ich, dass immer mehr Algorithmen unser Leben bestimmen. Darüber müssen wir die Kontrolle behalten. Die Gesellschaft braucht einen Diskurs, wohin wir wollen, den nicht alleine der Markt bestimmen kann. Den Diskurs möchte ich mit dem Festival anregen.“

Die entstandenen Arbeiten und Projekte werden vom
4. bis 28. Oktober 2018 präsentiert.
Weitere Informationen: https://www.kulturregion-stuttgart.de/was/drehmoment/


KulturRegion Stuttgart
Die Verbund KulturRegion Stuttgart wurde 1991 gegründet und entwickelt gemeinsam mit seinen Mitgliedern und Partnern Kulturprojekte, schafft Freiräume für Beteiligung vor Ort und stärkt damit das kulturelle Erscheinungsbild der Region.
Alle zwei Jahre realisiert der interkommunale Verbund ein groß angelegtes Projekt zu regional und gesellschaftlich relevanten Themen. Der inhaltliche Fokus bietet zahlreiche künstlerische Anknüpfungspunkte für ein vielfältiges Programm: Die verschiedensten kulturellen Akteure setzen ihre Ideen in Veranstaltungen, Aktionen im öffentlichen Raum, Installationen, Workshops oder Vorträgen um.

Music in Afrika Foundation

Die Music in Africa Foundation (MIAF) unterstützt den afrikanischen Musiksektor und schafft neue Chancen für Musiker durch Vernetzung und Wissensaustausch zwischen mittlerweile 38 Ländern. Mit dem Online-Portal Music In Africa wurde eine innovative digitale Plattform aufgebaut, auf der über 130.000 Profile von Künstlern und Kulturorganisationen abrufbar sind.

Zusammen mit dem Goethe-Institut hat die Siemens Stiftung 2011 das Projekt Music in Africa initiiert. Aus Anlass des fünfjährigen Jubiläums hat die MIAF ein Update zu allen aktuellen Projekten zusammengestellt.

Weitere Informationen finden Sie unter folgendem Link:
https://www.siemens-stiftung.org/de/projekte/music-in-africa/

Dizu Plaatjies, Senegalese Kora maestro Moumoucounda Cissokho Bavikile „MaBhengu“ Negema. Traditional Instruments Concert. Music in Africa. 25th November 2016. Wits Theatre.

The Music In Africa Foundation (MIAF) turns five on 27 July 2018, and celebrates its key achievements on this important anniversary.

Initiated as a small project under the banner ‚Music In Africa‘ in 2011 with the support of Siemens Stiftung, Goethe-Institut and partners from across the continent, the MIAF has quickly grown into one of the most recognisable and active pan-African arts organisations with operations across sub-Saharan Africa.

“The journey has been an exciting and challenging one,” says MIAF chairperson Aisha Deme. “We are very proud of the past five years, which have been characterised by hard work, growth, transparency and a clear vision to be the leading source of information and exchange in and for the African music sector.”

Some of the MIAF’s key achievements in the past five years include launching the exponentially growing music portal www.musicinafrica.net, which provides musicians with free information and practical tools, an instrument building programme run in South Africa, a mobility fund that supports musicians and festivals, training programmes in many African countries, and recently the introduction of ACCES – the only pan-African music conference held in a different African city every year.

Headquartered in Johannesburg, South Africa, the MIAF has set up satellite offices in Nairobi, Lagos, Dakar and Kinshasa. The Foundation works with a dynamic team of contributors and music researchers around the world.

The Music In Africa portal, which is the MIAF’s flagship project, is used by millions of people. It has become the first port of call for exchange, information about African music and career support for musicians. Since its launch in 2014, the portal has done extensive research and reporting in 38 African countries. Plans are under way to expand coverage into all 54 African countries by 2022. The portal offers content in two languages: French and English.

Key projects

Apart from the portal, the MIAF is doing important work through a host of offline projects such as the Music In Africa Conference for Collaborations, Exchange and Showcases (ACCES), which returns this November. ACCES was developed by the MIAF to assist music industry players to exchange ideas, discover new talent and create business linkages. ACCES was successfully launched in Dakar, Senegal, in 2017. This year, delegates from more than 50 countries will attend the event at the Kenya National Theatre in Nairobi from 15 to 17 November.

Additionally, the Foundation is making strides in the music development field through the Music In Africa Connects (MIAConnects) project. The project is implemented in Chad, Mali, Niger, Nigeria (North), Somalia, South Sudan and Sudan, all of which are countries affected by war or conflict. Music professionals in these countries receive mobility support, training and performance opportunities. By December 2018 more than 250 musicians will have benefited directly from the project. MIAConnects was launched in 2017.

The MIAF is also fostering the professionalisation of music instrument making in Africa with its Instrument Building and Repair (IBR) project, which piloted in South Africa in 2016. The second edition of the IBR project is planned to take place in South Africa next year with trainees and experts from across Africa coming together to learn the craft of instrument building, curation and monetisation. As an improvement to the pilot, the 2019 edition will offer a robust programme featuring an exhibition of African instruments and performances focused on African instruments only. The IBR project is also envisaged to go to different parts of the continent in the future.

“We couldn’t have done all of this without the help of our partners, members, board and subscribers,” says MIAF director Eddie Hatitye. “On our fifth birthday, we want to thank them for all the incredible support they have given us.“

Precisely, the MIAF’s mission is to support the African music sector through promoting knowledge exchange and creating opportunities and capacity for those who operate in the sector. The Foundation is governed by a dynamic management board comprising music experts from different countries.

“Our strategy for the next five years includes plans to introduce a fully fledged, pan-African mobility fund, open an office in Northern Africa, diversify our funding base and increase our reach across the continent,” Hatitye said.

The MIAF works with over 35 partners in different countries, including music festivals, music markets, funders, media houses and record labels.

After many years of complaints about a disconnect between musicians, artistic practitioners and music organisations across the African continent, the MIAF has begun addressing this effectively. Not only are we now seeing more continental awareness and collaborations, but the international visibility of African artists is benefiting immensely from this initiative. There is now a go-to platform to access African music. The MIAF’s focus on development is highly commendable.

I was happy to be part of a music business development workshop in Namibia.“ – Concord Nkabinde, bass guitarist (South Africa)

 

The Music in Africa Foundation is an excellent platform that effectively connects music industry players from across the African continent. Africa is teeming with musical talent and one major challenge musicians face is access to opportunities. The MIAF is an extremely well-organised platform that connects musicians with opportunities available to them and distributes relevant information that enables them to gain a broader perspective of the music business in Africa. – Christine Kamau, musician and founder of the Women In Music Forum (Kenya)#

Across Africa, for people of all ages and backgrounds, music is a vital ingredient to our daily lives. Musicians are our visionaries, healers, heroes and activists. They inspire and give us strength, anytime, anyplace. Five years ago, it was not easy to discover even our neighbour’s music, let alone across the continent. In this short time, Music In Africa has transformed the digital landscape, with a vibrant, in-touch and far-reaching platform that amplifies our music with the world. Long live Music In Africa, viva! – Yusuf Mahmoud, Sauti za Busara festival director (Zanzibar)

Music In Africa was developed with the broad engagement of professional musicians from all over Africa and has grown into the leading source of information on the music scene in Africa. The programme is also the starting point for a comprehensive range of activities and contributes to professionalising the diverse music sector. As an impact-oriented foundation, we have decided to support this initiative to the best of our ability. Now that the world is turning ever faster, we need creative minds and potent cultural pioneers who are able to contribute to positive change in societies. Congratulations! – Dr Nathalie von Siemens, managing director and spokesperson, Siemens Stiftung

We congratulate the Music In Africa team for the outstanding impact they have made on the continent’s music scene during the past five years. Starting from a small office at the Goethe-Institut in Johannesburg, they have developed one of the most valuable online resources for information about African artists and labels. Equally important is Music In Africa’s contribution to strengthening a pan-African music industry network, through formats such as the ACCES conference. Combined with Siemens Stiftung’s commitment towards Music In Africa and the Goethe-Institut’s partner network across the continent, this extraordinary track record is set to advance even further. We therefore look ahead to Music In Africa’s continued success and see them as a strategic partner to create more innovative and sustainable ways of international cultural exchange. – Dr Norbert Spitz, Goethe-Institut regional director for sub-Saharan Africa


Siemens Stiftung
www.siemens-stiftung.org
https://twitter.com/SiemensStiftung

Hippie

Als der rebellische junge Paulo aus Brasilien und die Holländerin Karla sich in Amsterdam begegnen, trifft sie die Liebe wie ein Blitz. Sie beschließen, gemeinsam aufzubrechen und als Reisende auf dem Hippie-Trail Erfahrungen zu sammeln, nach eigenen Werten zu suchen und danach zu leben. Mit an Bord sind ihre Freunde Rahul, Ryan und Mirthe sowie die Musik, die damals die Welt aus den Angeln hob. Eine inspirierende Reise von Amsterdam nach Kathmandu, an Bord des ›Magic Bus‹. Geschrieben von Paulo Coelho, der uns an einem unbekannten, frühen Kapitel seines Lebens teilhaben lässt.

Cover

Inhalt

Wer sich selbst kennenlernen will, sollte zunächst die Welt kennenlernen. In den späten 1960er Jahren entwickelte sich in vielen Ländern eine gegenkulturelle Jugendbewegung, für die ›Hippie‹ zum globalen Synonym geworden ist. Die Hippiebewegung richtete sich gegen Konsumgesellschaft, vorgeprägte Lebensentwürfe, Militarismus – alles, was für ein Leben in Entfremdung stand.

Foto: © Christian Alminana

Die Suche nach einem eigenen, selbstbestimmten und sinnhaften Leben erfasste eine ganze Generation – auch den jungen Paulo Coelho in dem damals von einer Militärdiktatur beherrschten Brasilien. Paulo will Schriftsteller werden und bricht auf, die Welt zu bereisen auf der Suche nach Freiheit und seinem Lebenssinn. 1970 trifft er in Amsterdam die junge Niederländerin Karla, die einen Reisebegleiter für ihren Trip nach Nepal mit dem Magic Bus sucht.

Aus dem Brasilianischen übersetzt von Maralde Meyer-Minnemann
Hardcover Leinen
304 Seiten
erscheint am 26. September 2018 im Diogenes Verlag / ISBN
978-3-257-07049-1

Blickkontakt – Gesichter einer Sammlung

Das Porträt gilt als Ursprung der bildenden Kunst: Bis heute hat die tra­di­ti­ons­rei­che Gattung nichts von ihrer Faszi­na­tion und Ak­tua­li­tät verloren, gilt das mensch­li­che Gesicht doch – wie es der berühmte Philosoph und Natur­for­scher Georg Christo­ph ­Lich­ten­berg im 18. Jahrhun­dert formu­lierte – als „die un­ter­hal­tendste Fläche auf der Erde“. Wie recht er hatte, belegt die neue Ausstel­lung „Blick­kon­takt. Gesichter einer Sammlung“ in der Städti­schen Galerie Karlsruhe.

Carl Hoff: Bildnis der Tochter Emmy, um 1885, Städtische Galerie Karlsruhe

Sie zeigt mit rund 140 Ge­mäl­den und Grafiken einen Querschnitt aus dem umfang­rei­chen ­Por­trät­be­stand des Museums. Die Exponate stammen aus dem Zeit­raum von 1850 bis zur Gegenwart und führen eindrucks­voll vor Augen, dass die überlie­fer­ten Funktionen des Bildnisses und die zen­tra­len Fragen nach Identität, Indivi­dua­li­tät und Wiedererkenn­bar­keit nach wie vor eine wichtige Rolle spielen. Deutlich wird aber auch, dass gewandelte Bedin­gun­gen ­künst­le­ri­scher Produktion und ein im 20. Jahrhun­dert radikal re­vo­lu­tio­nier­tes Menschen­bild zugleich ganz neue ­Por­trät-Auf­fas­sun­gen etabliert haben.

Wladimir von Zabotin: Porträt Rösli Weidmann mit blauem Hut, 1915/16, Städtische Galerie Karlsruhe. Foto: Heinz Pelz

In der Reihe der Sammlungs­aus­stel­lun­gen in der Städti­schen ­Ga­le­rie Karlsruhe, die sich jedes Jahr einem anderen Thema ­wid­men und ausschließ­lich Werke aus dem eigenen Besitz und aus der renom­mier­ten Kollektion des Kölner Ehepaares Ute und E­ber­hard Garnatz zeigen, standen in früheren Jahren ­bei­spiels­weise die Karlsruher Realisten oder die Gattun­gen ­Fo­to­gra­fie bzw. Skulptur im Mittel­punkt. Nun richtet sich der Focus auf die Porträt­kunst in Malerei und Grafik. Chrono­lo­gisch und thematisch gegliedert, gibt der Rundgang durch die Aus­stel­lung nicht nur einen breit­ge­fä­cher­ten Überblick über die Viel­falt an künst­le­ri­schen Bildnissen aus andert­halb Jahr­hun­der­ten, er macht auch aufmerksam auf die Eigen­hei­ten ei­ner über einen langen Zeitraum gewach­se­nen Sammlung, die sich aus unter­schied­lichs­ten Quellen speist. So bietet die Schau die Ge­le­gen­heit, bislang selten oder noch nie gezeigte Werke aus dem Besitz der Galerie zu entdecken.

Karl Hubbuch: Lissy im Café, 1930/32, Städtische Galerie Karlsruhe. Foto: Heinz Plez. © Karl Hubbuch Stiftung Freiburg

Die Porträt­ge­mälde der 1920er-Jahre zeigen eine überra­schen­de Viel­falt an künst­le­ri­schen Stilen. Neben veris­ti­schen und neu­sach­li­chen Werken von Karl Hubbuch und Georg Scholz oder dem rea­lis­tisch-expres­si­ven Gruppen­bild­nis „Die Alten“ von Gretel ­Haas-Gerber dominieren hier vor allem unter­schied­li­che ­Spiel­ar­ten des Nachim­pres­sio­nis­mus mit lockerem Duktus und sub­ti­ler Farbgebung, wie die Selbst­por­träts von Otto Laible und Gustav Wolf oder die Bildnisse von Martha Kropp und Oskar Ha­ge­mann beispiel­haft belegen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich zunächst die Abstrak­tion als Kunst­spra­che der westlichen Welt durch. Doch bereits in den 1960er-Jahren gewinnt die Gattung Porträt unter völlig ­ver­än­der­ten Vorzeichen neue Aktualität. Von der Pop Art be­ein­flusst sind Gerhard Richters frühe „Foto­bil­der“, in denen er fotogra­fi­sche Vorlagen in Malerei überführte. Ein cha­rak­te­ris­ti­sches Beispiel und zugleich eines der selte­nen ­Auf­trags­por­träts von Richter ist das Bildnis Johannes Wasmuth aus dem Jahr 1966, das den Galeristen, Sammler und Mitbe­grün­der ­des Kunst­bahn­hofs Rolandseck in verwisch­ten Grautönen und ma­le­ri­scher Unschärfe vor der Ansicht des klassi­zis­ti­schen ­Bau­werks wiedergibt.

Gerhard Richter: Porträt Johannes Wasmuth, 1966, Städtische Galerie Karlsruhe. Foto: Heinz Pelz
Friedemann Hahn: Lilian Harvey und Willy Fritsch in ‚Glückskinder‘, 1980. Städtische Galerie Karlsruhe

Von der Fotografie und besonders vom Film inspiriert ist die Bild­welt des Malers Friedemann Hahn, der sich schon früh zum be­geis­ter­ten Filmlieb­ha­ber entwi­ckelte. Sein Gemäl­de „­Glücks­kin­der“ von 1980, ausgewählt als Plakat­mo­tiv der Aus­stel­lung, greift ein Standfoto aus der gleich­na­mi­gen, 1936 ­ge­dreh­ten Komödie auf, in der Lilian Harvey und Willy Fritsch ­zum damaligen Traumpaar des deutschen Films avancier­ten.

Timm Ulrichs: Porträt mit Messerwerfer, 1978/91, Städtische Galerie Karlsruhe. © VG Bild-Kunst, Bonn 2018.

Das Selbst­bild­nis, das im Gegensatz zum konven­tio­nel­len ­Auf­trags­por­trät schon immer größere künst­le­ri­sche Freihei­ten er­öff­nete und daher in der gesamten Entwick­lung der Porträt­kunst­ eine wegwei­sende Rolle spielt, nimmt in der Ausstel­lung breiten Raum ein. Es gibt nicht nur Auskunft über einzel­ne Le­bens­sta­tio­nen des Künstlers, über sein Ansehen innerhalb der ge­sell­schaft­li­chen Hierarchie und über sein eigenes ­Selbst­ver­ständ­nis, sondern kann auch als Gradmesser für in­no­va­tive Strömungen angesehen werden.

Künstler und Künst­le­rin­nen

Stephan Balkenhol | Georg Baselitz | Thomas Bayrle | Alexan­dra von Berckholtz | Gertrud Billmaier | Matthias Bitzer | Jürgen ­Brod­wolf | Peter Burger | Hans Canon | Candace Carter | Walter ­Conz | Reinhard Daßler | Theodor Dengler | Willi Egler | Max Eichin | Doris Eilers | Theodor Esser | Friedrich Fehr | Michael ­Fer­wag­ner | Emil Firnrohr | Hildegard Fuhrer | Fritz Genkinger | Wolfgang Göhner | Helmut Goettl | Otto Graeber | Maria Gratz | HAP Grieshaber | Julius Grünewald | Gretel Haas-Gerber | Oskar Ha­ge­mann | Friedemann Hahn | Albert Haueisen | Erich Heckel | Franz Hein | Ernst Hildebrand | Antonius Höckelmann | Karl Hofer | Carl Hoff d. Ä. | Dora Horn-Zippelius | Karl Hubbuch | Egon Itta | Th. Jacob | Markus Jäger | Herbert Kämper | Tutilo ­Kar­cher | Ferdinand Keller | Herbert Kitzel | Willy Kiwitz | Eugen Knaus | Waltraud Kniss | Käthe Kollwitz | Bodo Kraft | Erich Krause | Martha Kropp | Rainer Küchen­meis­ter | August ­Kut­te­rer | Otto Laible | Robert Liebknecht | Helmut Lingg | Camill Macklot | Wilhelm Martin | Jonathan Meese | Harding Meyer | Willi Müller-Hufschmid | Willi Münch | Edvard Munch | Hanna ­Na­gel | Sigmar Polke | Caspar Ritter | Adolf Ferdi­n­an­d ­Schin­ne­rer | Rudolf Schlichter | Reinhard Klaus Schmitt | Wilhelm Schnar­ren­ber­ger | Georg Scholz | Karl-Heinz Schwind | Moritz von Schwind | Shmuel Shapiro | Carl Sohn | Hermann ­Sprauer | Erwin Spuler | Curt Stenvert | Walter Stöhrer | Hans Thoma | Wilhelm Trübner | Timm Ulrichs | Simone Vögele | Wilhel­m Volz | Emil Rudolf Weiss | Anton von Werner | Gustav Wolf | Ernst Würten­ber­ger | Wladimir von Zabotin

Begleit­ver­an­stal­tung

Poetry Slam in der Ausstel­lung „Blick­kon­takt. Gesichter einer ­Samm­lung“: Sechs erfolg­rei­che Slam-Poetinnen und -Poeten treten mit kurzen Beiträgen gegen­ein­an­der an. Das Publikum in der Städ­ti­schen Galerie Karlsruhe kann dabei nicht nur zuhören und zu­schauen, sondern darf selbst mit abstimmen, welcher der Auf­tre­ten­den überzeugt und den Slam für sich entschei­den kann.
Donners­tag, 20. September 2018, 19.30 Uhr


Adresse: Städtische Galerie, Lichthof 10, Lorenz­straße 27, 76135 Karlsruhe
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Thomas Mann House
in Los Angeles

Im Juni wurde das ehemalige Wohnhaus von Thomas Mann in Los Angeles feierlich eröffnet. Hier lebte und arbeitete der Literatur-Nobelpreisträger von 1942 bis 1952 in der Zeit seines Exils in den USA. Hier verfasste und sprach er seine Aufrufe, die unter dem Titel „Deutsche Hörer!“ von der BBC ausgestrahlt wurden.

Das Thomas Mann House ist ein Ort von historischer Bedeutung für die Geschichte der deutschen Literatur, der Deutschen und für das deutsch-amerikanische Verhältnis. Die Instandsetzung, die Ausstattung und das Programm des Thomas Mann House werden von der Berthold Leibinger Stiftung (Ditzingen) mit 3,5 Millionen Euro unterstützt.

Was bringt eine Einrichtung wie die Berthold Leibinger Stiftung GmbH dazu, sich bei einem derartigen Projekt zu engagieren? Der Grund ist in der Person des Stiftungsgründers Berthold Leibinger zu finden. Seine Liebe zur Literatur und speziell zu Thomas Mann und seine guten transatlantischen Beziehungen – Berthold Leibinger verbrachte als junger Ingenieur mehrere Jahre in den USA – führten zu der Förderzusage der Berthold Leibinger Stiftung, verteilt über mehrere Jahre. Nicht nur die Einrichtung des Hauses, in dem Thomas Mann zehn Jahre lang lebte, wird von der Stiftung gefördert, sondern auch die Ausstattung der Bibliothek sowie der Katalog zur Vita und zu den literarischen und politischen Aktivitäten des Schriftstellers während seines Exils. Der Verein Villa Aurora & Thomas Mann House e.V. verantwortet das Programm und Fellowships für Intellektuelle aus allen Bereichen der deutschen Gesellschaft, insbesondere für Vertreter aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien. Die Berthold Leibinger Stiftung unterstützt die Fellowships mit dem Ziel, in die amerikanische Gesellschaft hineinzuwirken.

Für Berthold Leibinger ein wichtiger Schritt: „Es war klug, das Haus der Manns … zu erwerben. Es ist zunächst eine Reverenz an den Geist, der von ihm ausging. Darüber hinaus ist es eine Möglichkeit für uns, den Dialog mit dem geistigen Amerika – auch in diesen Tagen, in denen wir nicht ohne Sorge nach Amerika blicken – zu führen. Wobei die Anliegen und Fragen, die durch Thomas Mann damals besprochen wurden, von beklemmender Aktualität sind.“

Thomas Mann in Pacific Palisades

Zehn Jahre lang lebten Thomas Mann und seine Familie in dem Haus am San Remo Drive im Stadtteil Pacific Palisades. Es wurde in diesen Jahren zu einem bedeutenden Treffpunkt für Künstler und Intellektuelle von beiden Seiten des Atlantiks. Philosophen wie Martin Buber und Theodor Adorno trafen sich hier, weltberühmte Wissenschaftler wie Albert Einstein ebenso wie die Schriftsteller Lion Feuchtwanger, Alfred Döblin, Franz Werfel und Bertolt Brecht oder die Komponisten Bruno Walter und Arnold Schönberg.

Hier entstanden große literarische Werke wie der Schlussband der Joseph-Trilogie und der „Doktor Faustus“. Im Zentrum seines Schaffens jedoch stand die Auseinandersetzung mit der geistigen und politischen Situation jener Zeit. So stellte Thomas Mann bald nach seiner Übersiedlung in die Vereinigten Staaten im Jahr 1939 fest, „daß es ein Irrtum deutscher Bürgerlichkeit gewesen war, zu glauben, man könne ein unpolitischer Kulturmensch sein.“ Fortan führte er aus dem US-Exil seinen Kampf gegen die ideologischen Verteidiger Hitlers.
Thomas Mann suchte während seiner Zeit im amerikanischen Exil die intensive Auseinandersetzung mit der US-Kultur. 1944 nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Amerika veränderte seine Sicht auf die Welt und sein Heimatland. Doch sein unermüdlicher Einsatz gegen Hitlerdeutschland hatte ihn auch ins Fadenkreuz des FBI gebracht und er entging nur knapp einer Vorladung vor den Ausschuss für unamerikanische Umtriebe. Er warnte im Jahr 1948 in einem Flugblatt, das sich gegen die Politik McCarthys richtete, davor, dass sich in den USA eine spezifische, amerikanische Form des Faschismus abzeichne.

Das Thomas Mann House: Ein Debattenort am Pazifik

Der Verein Villa Aurora & Thomas Mann House e. V. betreibt in Los Angeles bereits seit 1995 die Künstlerresidenz Villa Aurora, das ehemalige Exildomizil Marta und Lion Feuchtwangers, ebenfalls in Pacific Palisades. Er verfügt über eine etablierte Infrastruktur vor Ort. Im Thomas Mann House wird er ein Residenzprogramm in Form von Fellowships verantworten. Es soll Intellektuellen und Denkern aus allen Bereichen der deutschen Gesellschaft, insbesondere aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien, Gelegenheit zur Stellungnahme zu den großen Fragen der Zeit sowie zum Austausch und zur Vernetzung mit Persönlichkeiten und Institutionen in den USA bieten. Die Thomas Mann Fellowships haben in der Regel eine Dauer von mindestens drei und maximal zehn Monaten.
Ein Beirat von Expertinnen und Experten auf diesen Gebieten aus Deutschland und den USA, der vom Kuratorium und vom Vorstand des Villa Aurora & Thomas Mann House e. V. nominiert wird, wählt einmal jährlich die Fellows für das Folgejahr aus.
Das Residenzprogramm wird vom Auswärtigen Amt und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert und von der Berthold Leibinger Stiftung, der Robert Bosch Stiftung und der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung unterstützt.

weitere Informationen erfahren Sie hier

Alle Fotos in diesem Beitrag: (c) Villa Aurora & Thomas Mann House

Die Humpis in Avignon – Zucker erobert Europa

Im späten Mittelalter entwickelte sich Avignon zu einem geistlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum. Die 30.000 Einwohner zählende Stadt galt den Zeitgenossen als Weltstadt und gehörte zu den wichtigsten Handelszentren im Mittelmeerraum. Im 15. Jahrhundert errichtete die Ravensburger Handelsgesellschaft unter der Leitung der Familie Humpis eine Geschäftsniederlassung in Avignon. Avignon wurde für die Humpis zum Hauptabsatzmarkt für Zucker, auf den die Handelsgesellschaft nahezu ein Monopol hatte und große Gewinne durch europaweiten Handel erzielen konnte.

Jan von der Straet, Zuckerproduktion, Kupferstich 1570

Zucker war im Spätmittelalter ein exotisches Luxusgut, das in der Medizin eingesetzt wurde und den Reichen zum Genuss vorbehalten blieb. Nahezu ein Jahrhundert waren die Humpis in dieses kosmopolitische Handelssystem und den damit einhergehenden Kulturaustausch eingebunden. Mit der Entdeckung der neuen Welt brach der Zuckerhandel ab 1500 zusammen. Die Humpis und die Teilhaber ihrer Handelsgesellschaft gaben ihre Handelstätigkeit zugunsten eines adligen Lebens auf. Die Ausstellung setzt sich anhand ungewöhnlicher Objekte aus Museen und Sammlungen Frankreichs, Österreichs, Deutschlands und der Schweiz mit der Handelstätigkeit der Humpis in Avignon auseinander, erzählt die Geschichte des spätmittelalterlichen Luxusgutes Zucker und geht auf den Niedergang des Mittelmeerhandels ein.

Aktuelle Veranstaltungsinfos unter www.museum-humpis-quartier.de
INFORMATIONEN UND KARTENVORVERKAUF:
Museum Humpis-Quartier, Marktstraße 45, 88212 Ravensburg
Fon 0751-82820, mhq@ravensburg.de
REISEBUCH UND BEGLEITBAND ZUR AUSSTELLUNG
Julia Luibrand: Avignon – Zucker erobert Europa 9,80 Euro