JETZT!

In einer Zeit spürbar werdender gesellschaftlicher Spaltung und Unsicherheit, beschäftigt sich das spartenübergreifende Festival der KulturRegion StuttgartJetzt!“ unter der künstlerischen Leitung des bekannten Kuratoren-Duos Herbordt/Mohren mit Möglichkeiten und Chancen dem entgegenzuwirken.
Dem Titel „Jetzt! Handlungsräume zwischen Kunst und Gesellschaft“ folgend, finden noch bis 13. Oktober 2024  zahlreiche Veranstaltungen und Projekte mit regionalen und internationalen Künstler*innen statt.  Der Titel  »JETZT!« symbolisiert die Dringlichkeit Dinge zu ändern, um Zukunft zu gestalten. Ziel der Festivalmacher*innen ist es mit ihrem Programm, Grenzen und Barrieren im Denken und Handeln zu überwinden: Durch Begegnung und Reflektion, durch lebendigen Austausch zwischen Kulturschaffenden und Publikum  –   nachhaltig, inklusiv, hybrid, intergenerationell, kollaborativ und transdisziplinär.

Beispiele aus dem Programm:

Chorprojekt für die KulturRegion

Neo Muyanga (c) I. Junicke

Neo Muyanga – ist Komponist und Installationskünstler. Geboren in Soweto, Südafrika, begann schon früh in traditionellen Chören der Region zu singen und studierte später die italienische Madrigal-Tradition in Triest, Italien. Im gemeinsamen Singen, insbesondere in der die Initiierung völlig neu zusammengestellter Chöre sieht er eine große Chance für das Entstehen neuer Gemeinschaften und Zugehörigkeiten. Neo Muyanga komponiert Kammeropern, Musikstücke und Musikwerke für große und gemischte Ensembles. Er schöpft dabei aus traditionellen Gesangsmodi von Basotho und Zulu, dem Free Jazz und dem Klassischen europäischen Barock. Basierend auf seinen wiederkehrenden Themenschwerpunkten ›Krise‹, ›Entfremdung‹ und ›Zugehörigkeiten‹ wird er ein kommunenübergreifendes Chorprojekt für die KulturRegion entwickeln.

Molly Joyce (c) Sophia Hegewald

 Perspective
Das Projekt »Perspective« stammt von der renommierten Komponistin und Performerin Molly Joyce und wurde gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen entwickelt. Molly Joyce führte zahlreiche Interviews, aus denen Plakate und Videos entstanden sind. Diese Werke werden in mehreren Kommunen an verschiedenen Orten gezeigt, die für Barrierefreiheit und Mobilität von Bedeutung sind, um auf die Herausforderungen und Perspektiven von Menschen mit Behinderungen aufmerksam zu machen.

Unterwegs mit dem
FestivalFloß durch die KulturRegion

Zeichnung Floß (c) Manuel Assner

Floßbauer und Kapitän Manuel Assner orchestriert den Bau eines kommunen über greifenden FestivalFloß! Über die gesamte Festivaldauer entsteht in Kooperation mit der Stuttgarter-Jugendhaus gGmbH(stjg) und verschiedenen Kommunen ein Floß, das zur schwimmenden Bühne wird.
Die Stationen des Festival-Floßes findet man im Programmpunkt »Die Akademie«. Dort gibt es auch Infos zu Ausstellungen, Konzerten, Performances und  Aktionen zur Route des FestivalFloßes, zu den Künstler*innen, zu weiteren Aktionen wie Radfahrten und Wanderungen, zu einem Kräuterspaziergang u.v.m. Im Programmheft zu finden (ab Seite 60) und immer tagesaktuell unter: www.festival-jetzt.de

Route des Floßes

Kunsterlebnistour mit Sara Dahme
Ihre Leidenschaft ist die Kunst und Stuttgart–Eine Bustour mit der Kunstvermittlerin Sara Dahme lädt dazu ein, die Kunstwerke in der Region zu entdecken. Waldenbuch–Böblingen-Ditzingen– zurück nach Stuttgart. Seit 15Jahren lädt die Kulturvermittlung mit ungewöhnlichen Formaten humorvoll dazu ein sich auf Kultur immer wieder neu und anders einzulassen .
Sonntag, 29.9.2024:, 12 Uhr, Treffpunkt Karlsplatz Stuttgart – (Dauer:ca.8 Stunden), Anmeldung: www.eveeno.com/bustour

Sara Dahme (c) Sanne Schubert

Das Veranstaltungsprogramm beinhaltet darüber hinaus: 

  • Nomadisches Festivalzentrum: Präsentation aller
    Kommunen, Überblick über das Festival, Infopunkt,
    Veranstaltungen
  • Geführte Touren zu Kunstwerken in der Region
  • Pop-up-Hörstation
  • Künstler*innengespräche, Führungen, Workshops

Der Eintritt zu nahezu allen Veranstaltungen im Rahmen des Festivals ist frei! Das Programm  hier downloaden – Weitere Info: www.festival-jetzt.de

Die KulturRegion Stuttgart

Die KulturRegion Stuttgart ist ein Zusammenschluss von 43 Städten und Gemeinden, dem Verband Region Stuttgart und drei Mitgliedsvereinen. Seit 1991 veranstaltet sie groß angelegte interkommunale Kulturprojekte und prägt damit das kulturelle Erscheinungsbild der Region.
Die Projekte befassen sich mit regional und gesellschaftlich relevanten Themen. Dabei werden zeitgenössische Kunstformate aus verschiedenen Sparten an ungewöhnlichen Orten realisiert. Die gemeinsame Präsentation in regionsweiten Festivals lädt dazu ein, Kunst und Kultur in der ganzen Region zu entdecken.
www.kulturregion-stuttgart.de

Künstlerische Leitung
Herbordt/Mohren
Seit über zehn Jahren haben Bernhard Herbordt und Melanie
Mohren ihren Lebens- und Arbeitsschwerpunkt in Stuttgart.
Gemeinsam entwickeln sie interdisziplinäre Arbeiten im
Grenzbereich der Darstellenden Künste. Ihre Raum- und Klang-
Installationen, Hörstücke, Performances, Musiktheater-Arbeiten,
Ausstellungs- und Publikationsprojekte werden international
präsentiert und wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet -
jüngst mit dem Deutschen Theaterpreis »Der Faust«. Zudem
konzipieren, kuratieren und inszeniert das Duo
diskursive Formatreihen wie auch Kongresse, sie sind in unterschiedlichen Jurys tätig und unterrichten seit über 10 Jahren regelmäßig an Kunsthochschulen und Universitäten im
deutschsprachigen Raum und darüber hinaus.

Spielplanübersicht – Theater und Orchester Heidelberg

Viel Neues in der Saison am Theater Heidelberg: Fünf Uraufführungen in den verschiedenen Sparten, dazu kommen vier Festivals, darunter die Tanzbiennale Heidelberg und Konzerte im neu errichteten Heidelberg Congress Center. Und: Neu am Haus ist Mino Marani als Generalmusikdirektor.

Musiktheater
Das Musiktheater eröffnet seine Saison mit Verdis Oper »Macbeth« – ab Oktober 2024 unter der musikalischen Leitung von Mino Marani zu erleben. Auf die szenische Liederrevue: »Ein Lied geht um die Welt« in der Regie von Holger Schultze folgt im Januar dann »Werther« eine Oper von Jules Massenet ebenfalls unter der musikalischen Leitung von Mino Marani, bevor im März das berühmte Musical »Singin in the Rain«  auf die Bühne kommt. Im April folgt die Oper »Jenůfa« von Leoš Janáček. Auch hier wird der neue GMD Mino Marani die musikalische Leitung übernehmen.
Die Komische Oper »La Cenerentola« von Gioachino Rossini in der Regie von Holger Schultze und unter der musikalischen Leitung von Daniele Squeo wird im September 2024 wieder aufgenommen.
Solisten des Opernensembles laden außerdem an vier Terminen  ein, um die vielen Facetten der Liedkunst in Liedsoireen kennenzulernen.

Mino Marani wurde 1985 in Italien geboren, wo er Klavier, Kammermusik, Komposition, Dirigieren sowie Semiotik und Kommunikationswissenschaft in Bologna und Mailand studierte. Seit 2011 lebt Mino Marani in Deutschland, wo Tätigkeiten an den Theatern in Mainz, Osnabrück, Pforzheim und Koblenz aufeinander folgten.2022 bis 2024 war er als 1. Kapellmeister am Staatstheater Braunschweig engagiert.
LA CENERENTOLA von Gioachino Rossini, Foto: Susanne Reichardt

 

DER TRAFIKANT nach dem Roman von Robert Seethaler / Bühnenfassung von Marcel Kohler, Foto: Susanne Reichardt

Schauspiel
Die Schauspiel-Sparte setzt auf Vielfalt und renommierte Klassiker. Den Anfang macht die Komödie von Jan Neumann »kurz&nackig«, gefolgt von Brechts großer Parabel von Mutterschaft und Mutterliebe, von Gerechtigkeit und Recht, von Krieg und Flucht: »Der kaukasische Kreisekreis«. Im November ist »Der talentierte Mr. Ripley« nach dem psychologischen Kriminalroman von Patricia Highsmith auf der Zwingerbühne zu sehen.  Es folgt im Dezember »Plan B« von Yael Ronen. Im Frühjahr 2025 warten gleich vier Stücke auf ihre Premieren. Den Anfang macht mit einer Uraufführung »Unter euch« ein Auftragswerk des Theaters und Orchesters Heidelberg des belgischen Autors Thomas Depryck. Weiter geht es mit dem gefeierten Moralthriller »Die Ärztin« von Robert Icke, eine sehr freie Fortschreibung von Schnitzlers »Professor Bernhardi«.  Im April stehen dann. »Mephisto« nach Klaus Mann  und »Tod eines Handlungsreisenden« von Arthur Miller auf dem Spielplan. Als letzte Premiere der Spielzeit wird im Marguerre-Saal die Shakespeare-Tragödie »König Lear« vom ukrainischen Regisseur Stas Zhyrkov zu sehen sein.

Ein Wiedersehen gibt es mit Erfolgsstücken aus vergangen Spielzeiten. »Mord im Orientexpress«, »Der Trafikant«, »Die Zeit fährt Auto« sowie »Blaupause« und »Freud träumt :: Anna O.«

SILK – Tanzstück von Iván Pérez, Foto: Susanne Reichardt

Tanz/Ballett
Das Dance Theatre Heidelberg (DTH) eröffnet die neue Saison mit »Multitud«, einem Community-Tanzstück von Tamara Cubas mit Heidelberger*innen im Zementwerk Leimen. Dem folgen zwei Uraufführungen. Die erste im November. »Pollock« ein Tanzstück von Iván Pérez mit dem Philharmonischen Orchester Heidelberg. Eine weitere Uraufführung folgt im März 2025: »Unseen Horses« von Ioanna Paraskevopoulou.

Konzerte
Musikalisch reisen die Philharmonischen Konzerte durch verschiedene Epochen und Stile, von Nikolai Rimski-Korsakows »Scheherazade« und György Ligetis modernistischen Klängen bis hin zu Gustav Mahlers spätromantischen Sinfonien.
Ein Fokus liegt auf dem Werk des bereits genannten tschechischen Komponisten Leoš Janáček.

Mit dem Heidelberger Künstlerinnenpreis 2025, der an Sarah Nemtsov verliehen wird, und der Aufführung ihres Werks »Tikkun« im Rahmen des 4. Philharmonischen Konzerts »Fantasie«, liegt der Blick des Philharmonischen Orchesters Heidelberg auch weiterhin auf der Förderung von Komponistinnen.
Zum Jahreswechsel versprechen das Silvester- und Neujahrskonzert mit dem Thema »Alles Walzer!« eine festliche Atmosphäre. Vier Bachchor-Konzerte in der Peterskirche bieten geistliche Musik, darunter das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach.
Ein neues Konzertformat ist »BEEEEEEEEEthoven!«. Auf dem Programm steht jeweils ein einziges Werk Beethovens. Nach der Musik gibt es Raum und Zeit, um mit Mino Marani, der alle Konzerte musikalische leitet und den Musiker*innen ins Gespräch zu kommen. Alle neun Sinfonien Beethovens lassen sich dabei als Zyklus erleben – in der Spielzeit 2024/25 sind die ersten vier Sinfonien Beethovens zu hören.

Festivals
Vom 23. November 2024 bis 25. Januar 2025 findet im Schloss Schwetzingen das traditionsreiche Barockfest Winter in Schwetzingen statt. Es widmet sich zwei Persönlichkeiten, die für die Musikgeschichte aber auch die Region eine wichtige Rolle spielten: Johann Sigismund Kusser (1660 – 1727) : dessen Oper »Adonis« kommt unter der musikalischen Leitung des Spezialisten für Alte Musik Jörg Halubek zur Aufführung. Zum anderen feiert Winter in Schwetzingen den 300. Geburtstag von Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz (1724 – 1799), unter dessen Regierung Mannheim und Schwetzingen über die Landesgrenzen hinaus zu großer kultureller Beachtung avancierten.

Tanzbiennale Heidelberg
1. bis 9. Februar 2025
Aus einer Kooperation mit dem  Theater  Heidelberg und dem UnterwegsTheater ist die TANZallianz entstanden. Diese dauerhafte Kooperation zwischen Stadttheater und freier Szene ist in Deutschland einmalig und ermöglichte nicht zuletzt die Etablierung der Tanzbiennale Heidelberg. Es findet alle zwei Jahre statt und feiert die Tanzkunst in all ihren Formen. Etabliert haben sich unter anderem das Jugendtanzprojekt und die Tanz-Gala Baden-Württemberg; dazu gibt es Gastspiele aus der nationalen wie internationalen Tanzszene. Bereichert wird das biennale Festival zudem durch ein vielfältiges Rahmenprogramm mit Podiumsdiskussionen, Filmabenden und Workshops. Karten und Programm: ab 15. November 2024 erhältlich

Das traditionsreiche Festival für Gegenwartsdramatik, der 42. Heidelberger Stückemarkt findet vom 25. April bis 4. Mai 2025 statt. Seit 1984 präsentiert der Heidelberger Stückemarkt die Avantgarde des Theaters. Zum Abschluss der Saison zieht das Theater und Orchester Heidelberg vom 13. Juni bis 3. August 2025 wieder auf die schönsten Bühnen der Stadt: In Schlosshof, Englischem Bau und Dickem Turm kann sich das Publikum auf die Neuproduktion von Georges Bizet »Carmen« sowie die Wiederaufnahme der Schauspielproduktion »Der Graf von Monte Christo« bei den Heidelberger Schlossfestspielen 2025 freuen. Dazu gibt es Schlosskonzerte  und das Stück »Des Kaisers neue Kleider – Mottenzeit« für Kinder und Familien.

Kinder & Jugendliche
Gleich zu Beginn gibt es die Uraufführung von »Pubertäter*innen« ein Stück von Jchj V. Dussel, der sich in dem spannenden Jugendstück mit Humor, Musicalelementen und einer Prise Skurrilität mit den Herausforderungen der Pubertät und den Widrigkeiten der Welt auseinandersetzt. Das Familienstück der Spielzeit 2024/25 ist »Momo« nach Michael Ende. Auf dem weiteren Spielplan stehen »20.000 Meilen unter dem Meer« nach Jules Verne, in einer Bühnenfassung.
Die Piccolokonzerte sowie die Familien- und Jugendkonzerte werden fortgesetzt.

Weitere Informationen sowie Karten unter www.theaterheidelberg.de oder an der Theaterkasse, Fon 06221 / 58 20 000 

Sarah Morris. All Systems Fail

Das Kunstmuseum Stuttgart widmet der international renommierten britischen Künstlerin Sarah Morris (*1967) eine umfassende Retrospektive. Die Ausstellung zeigt mehr als hundert Kunstwerke – darunter Gemälde, Zeichnungen, Filmplakate, immersive Filminstallationen sowie eine neue ortsspezifische Wandmalerei – und würdigt Morris’ einflussreiches Schaffen der letzten dreißig Jahre. Bekannt ist Sarah Morris für ihre geometrischen Gemälde in lebendigen Farben, die sich thematisch mit Netzwerken und Systemen, Wirtschaft und Architektur befassen.

Sarah Morris © Sarah Morris, Foto: Anna Gaskell

Morris bedient sich der Realität und der bildhaften Abstraktion in ihren Arbeiten, die an den Realismus der Pop Art, den amerikanischen Minimalismus und die Institutionskritik anknüpfen. Die Künstlerin versteht ihre Bilder als sich selbst erzeugend, offen für Interpretationen, als Ausdruck von Bewegung und Veränderung.

Sarah Morris, Red Owl [Clips], 2010, Haushaltslack auf Leinwand, 214 x 214 cm ALBERTINA, Wien – Familiensammlung Haselsteiner © Sarah Morris Foto: Christopher Burke, New York / White Cube
Sowohl in ihren abstrakten Gemälden als auch in ihren experimentellen Filmen erforscht Morris die »Psychogeografie« und den dynamischen Charakter von Städten im Wandel.


Der Ausstellungstitel verweist auf eine Gegenwart, die gekennzeichnet ist von einem weit verbreiteten Kultur- und Fortschrittspessimismus, von der Digitalisierung menschlicher Beziehungen und dem Versagen politischer und sozialer Strukturen.
Dauer: 21.09.2024 bis 09.02.2025, www.kunstmuseum-stuttgart.de
Öffnungszeiten: Di bis So 10–18 Uhr, Fr 10–21 Uhr, Eintritt unter 18 Jahren frei

Premieren am Nationaltheater Mannheim

Auch am Nationaltheater Mannheim nähert man sich in der neuen Spielzeit politischen und gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit. Nach wie vor stellt die Generalsanierung  des Theaters Ensemble und Leitung vor Herausforderungen.  Alle Produktionen werden bis Fertigstellung auch weiterhin an unterschiedlichen Spielorten in Mannheim stattfinden. Doch, dass solche Interim-Spielstätten auch durchaus ihren Reiz haben können, stellt das Nationaltheater Mannheim mit ihrer Stückauswahl auch in dieser Saison wieder unter Beweis.

Oper
Die neue Opernspielstätte Oper am Luisenpark (OPAL) wird am 12. Oktober mit der Produktion „CRÉATION(s)“, einem großen Fest der Oper, eingeweiht. Von Monteverdi und Molière, Wagner und Rossini bis zum Sound unserer Zeit bringt ›CRÉATION(s)‹ ein ganzes Panorama der Musik- und Operngeschichte zum Klingen.
Weiter geht es im OPAL mit der Premiere von Verdis Oper „La Traviata“ unter der musikalischen Leitung des Generalmusikdirektors Robert Rizzi Brignoli. Regisseurin Luise Kautz erzählt die Geschichte der »Traviata« ganz aus der Psychologie der Figuren heraus.

Aus der Fotostrecke aus dem NTM-Spielzeitheft: Opernchor Nationaltheater im Mannheimer Rosengarten, Foto: Maximilian Borchardt

Im Februar folgt mit „Der Operndirektor“ eine urkomische und zugleich bitterböse Theatersatire um Machtspiele, Exzesse und Intrigen: Domenico Cimarosa wirft einen ironischen Blick hinter die Kulissen des Theaterbetriebs.
Die Bühne des Schlosstheaters Schwetzingen wird ab Ende Februar mit einer Hommage an das 1927 gegründete Gesangsquintett Comedian Harmonists bespielt. Unter dem Titel »Comedian Harmonists: Eine Erinnerung in mehreren Stimmen« bringt Regisseurin Cordula Däuper einen ebenso schwungvollen wie berührenden Musiktheaterabend auf die Bühne.

Mit der „Der Schmied von Gent“ kommt eine Oper von Franz Schreker auf die Bühne des Nationaltheaters. Inszeniert als buntes Spektakel geht es in der lebendigen, politisch aufgeladenen  „Zauberoper“ (entstanden in den 1930er Jahren)   um den Schmied Smee , der zwischen Himmel und Hölle hin- und hergerissenen wird.

Nigel Lowery, der nicht nur Regisseur, sondern auch sein eigener Bühnen- und Kostümbildner ist, entwirft für Puccinis Meisterwerk „Il Trittico“ ( das Triptychon) – einen unverwechselbaren Bühnenkosmos, in dem sich gemalte und reale Welt begegnen.

Im Juli bringt Regisseurin Tatjana Gürbaca Händels „Giulio Cesare in Egitto“ ein Meisterwerk der Opernliteratur auf die Bühne des Schlosstheaters Schwetzingen. Die  „Die Csárdásfürstin“ bringt dann zum Ende der Spielzeit schönste Operettenklänge in die Spielstätte OPAL.

Extras und Wiederaufnahmen
Zurück im Repertoire ist in der neuen Spielzeit neben »Don Giovanni«, „Cavalleria Rusticana“, „Hänsel und Gretel“, „Der Ring an einem Abend“ (Loriot)  und „Die Fledermaus“ von Johann Strauß auch Hans Schülers legendäre Inszenierung von Wagners „Parsifal„. Seit 1957 erscheint das gewaltige Musikdrama in zeitloser Schlichtheit. Fortgeführt werden die »Familienkonzerte« sowie die Reihen „Musiksalon“ und „Café Concerte“. Die Kooperation „Film & Oper“ mit dem Cinema Quadrat wird fortgesetzt, wie auch das Format „Oper digital“.
Bei der Sonderveranstaltung „Lichter der Großstadt“ mit Live-Soundtrack gespielt vom Nationaltheater-Orchester, verwandelt sich das OPAL durch Charlie Chaplins Filmklassiker in einen veritablen Filmpalast. Der „Treffpunkt OPAL-Foyer“ bietet die Chance, das Opernensemble neu kennenzulernen und bei Chanson-Programmen oder szenischen Liederabenden zu erleben.

Aus der Fotostrecke aus dem NTM-Spielzeitheft: Uwe Topmann (JNTM), Lorenzo Angelini (Tanz), Boris Koneczny (Schauspiel), Niklas Mayer (Oper), Jessica Liu (Tanz) | Waschsalon Eco Express
, Foto: Maximilian Borchardt

Silvester im OPAL lockt mit Feiern im Stil der Belle Époque und lädt zu einer rauschenden Ballnacht ein. Auch die festliche Operngala „Schloss in Flammen“ mit Synchronfeuerwerk vor dem Mannheimer Schloss findet Ende Juli wieder statt.

Theater
Los geht die neue Spielzeit mit „Die Nacht von Lissabon“ nach dem Roman von Erich Maria Remarque am 27. September im Alten Kino Franklin.

Nur einen Tag später feiert „Der Grund. Eine Verschwindung“ von Ivana Sokola und Jona Spreter als Gewinnerstück des Reinhold Otto Mayer Preises 2023 Uraufführung im Studio Werkhaus.
Ein Stück Mannheimer Stadtgeschichte, ein Leben zwischen zwei Weltkriegen, dem Führerhauptquartier und der Kunst: Das kurze Leben von Felix Hartlaub steht im Mittelpunkt einer Kooperation des Nationaltheaters mit der Kunsthalle anlässlich der Ausstellung »Die Neue Sachlichkeit. Ein Jahrhundertjubiläum«. „Fragment Felix – Ein Leben zwischen Kunst und Krieg“ von Christian Franke feiert am 5. Dezember Uraufführung in der Kunsthalle Mannheim.

Aus der Fotostrecke aus dem NTM-Spielzeitheft: David Smith (Schauspiel), Amelia Scicolone (Oper), Raphael Wittmer (Oper) | in der Kunsthalle Mannheim, Foto: Maximilian Borchardt

Das Jahr 2025 beginnt im Schauspiel am 10. Januar mit der Uraufführung des neuen Stücks von Hausautor*in Leonie Lorena Wyss. Für ihre Stücke wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. Nun schreibt Leonie Lorena Wyss ein Auftragswerk für das NTM. Eine weitere
Uraufführung folgt mit „DRUCK!“ von Arad Dabiri am 23. Januar 2025 im Studio Werkhaus. An 24. Januar feiert dann „Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ nach der Novelle von Robert Louis Stevenson im Alten Kino Franklin.

Eine gefeierte Broadway-Komödie über die Frauen, die das Oval Office am Laufen halten, während sie den großen Idioten babysitten, der das Präsidentenamt bekleidet, bringt Hausregisseur Christian Weise am 21. März ins Alte Kino: „Die Schattenpräsidentinnen. Oder: Hinter jedem großen Idioten gibt es sieben Frauen, die versuchen, ihn am Leben zu halten“ von Selina Fillinger.
Goethes „Faust“ für alle zugänglich erzählt – das verspricht Regisseur Daniel Cremer. Er wird dazu Goethes Klassiker (Premiere am 4. April 2025) in seiner eigenen Bühnenfassung in Leichte Sprache übertragen.

Die Internationalen Schillertage
Die Internationalen Schillertage tragen das Werk und die Ideen von Friedrich Schiller, dem ersten Hausautor des Nationaltheaters, auf die Bühnen, Straßen und Plätze der Stadt. Mit Gastspielen, Gesprächen, Lesungen, Stadterkundungen, Partys und Konzerten im Festivalzentrum auf dem Franklin Field. Den Auftakt bildet am 19. Juni Schillers Drama „Kabale und Liebe“. Er schrieb es während seines Aufenthalts als Hausautor am Nationaltheater Mannheim in der Spielzeit 1783/84.
Ebenfalls im Programm der Schillertage ist die Uraufführung »Räuber*innen«, eine Fortschreibung von Hausautor*in Leonie Lorena Wyss und dem Mannheimer Stadtensemble.

Tanz/Ballett
Die Sparte Tanz startet Mitte Oktober 2024 mit der Premiere „Just a Game“ im Alten Kino Franklin in die neue Spielzeit. Der dreiteilige Abend wartet mit live gespielter Kammermusik auf. Neben der Choreografie »Mutual Comfort« von Edward Clug sind Kreationen von Giovanni Visone und und von Tanz-Intendant am NTM, Stephan Thoss zu erleben.
In der Adventszeit öffnet das NTM Tanzhaus für gleich zwei winterliche Programme seine Türen: „Engelsgrüßen“ und „Spekulatius-Spektakel“ – ein weihnachtliches Familienprogramm.

Im Januar 2025 kommt es mit dem Orchester-Tanzabend „Poem an Minotaurus / Le Sacre du Printemps“ zur ersten Tanzpremiere in der neuen Interimsspielstätte OPAL. Ein Doppelabend ebenfalls aus der Feder von Stephan Thoss, der sich neben der inspirierenden Künstlerpersönlichkeit Picassos Strawinskys Meisterwerk widmet
Die zweite Tanzpremiere im Alten Kino Franklin im April 2025 verbindet unter dem Titel „One Love“ zwei Uraufführungen der aufstrebenden Choreografen Martin Harriague und Andrew Skeels, bevor es im Sommer wieder „Vorhang auf!‹ für die »Choreografische Werkstatt“ im NTM Tanzhaus heißt.

Kinder & Jugend
Das Junge Nationaltheater Mannheim präsentiert in der kommenden Spielzeit ein abwechslungsreiches Programm mit Theaterstücken für jedes Alter und gleich zwei renommierten Festivals. Zudem werden in künstlerischen Forschungsresidenzen neue Ideen entwickelt.
Los geht es direkt zu Beginn der Spielzeit am 21. September mit „Rotkäppchen“ (5+) von Manuel Gerst. Das bekannte Märchen bietet die Kulissen für ein interaktives Spiel: Schaffen Publikum und Rotkäppchen es rechtzeitig durch den Wald zur Großmutter? Auch die zweite Produktion erzählt ein bekanntes Märchen neu. „Die Schneekönigin“ (8+) für die ganze Familie, lädt dazu ein , sich während der Weihnachtszeit von der wärmenden Kraft der Freundschaft erfüllen zu lassen.
Auch für die Allerkleinsten wird es eine neue Produktion geben: Barbara Fuchs entwickelt im Januar 2025 mit »Federn federn« (2+) ein Tanzstück, das die faszinierenden Eigenschaften von Federn untersucht. Ebenfalls im Januar feiert eine neue Uraufführung des Kollektivs subbotnik am Jungen NTM Premiere: „Klassiker! – Ein Remix“ (15+) klopft die Klassiker aus dem Deutschunterricht auf ihre politische und emotionale Bedeutung für die Gegenwart ab. Ein Best-of der berühmtesten Werke deutscher Dramatik – inklusive Remixes. Außer der Reihe finden 2025 in Mannheim die 27. Baden-Württembergische Theatertage – Kinder- und Jugendtheater statt. In dieser Ausgabe können Kinder und Jugendliche im Juli 2025 über mehrere Tage an verschiedenen Orten in der Stadt Theater aus dem ganzen Bundesland sehen.

Festival
Ebenfalls Anfang 2025 kommt die alle zwei Jahre stattfindende IMAGINALE wieder nach Mannheim. Das internationale Theaterfestival animierter Formen präsentiert innovative Produktionen aus den Bereichen Figurentheater, Tanz, Performance, und Digitalkunst.

Aus der Fotostrecke aus dem NTM-Spielzeitheft: Albrecht Puhlmann, Tilmann Pröllochs, Stephan Toss, Ulrike Stöck, Christian Holtzhauer, Foto: Maximilian Borchardt

Das komplette Programm (Spielzeitheft ) mit allen Terminen und Details finden Sie unter folgendem Link

„Heiß ersehntes Amerika“

Zwei Auswanderer stehen im Mittelpunkt des Buchs „Heiß ersehntes Amerika“ von Udo Zindel, das Ende des Monats erscheint. Am Donnerstag, 19. September 2024, um 19 Uhr liest der Journalist im Haus der Geschichte Baden-Württemberg erstmals aus dem Buch und spricht mit HdGBW-Ausstellungsleiter Rainer Schimpf darüber. Der Eintritt zu der Lesung mit Gespräch ist frei. Um Anmeldung wird gebeten unter veranstaltungen@hdgbw.de.


Licht und Schatten im Land der Freiheit
Als Zindels Vater Bert Heinrich nach schwerer Krankheit neuen Lebenssinn suchte, stieß er auf 23 Briefe, mit Tinte und Feder geschrieben und vor bald zwei Jahrhunderten aus Amerika an die Familie in Stuttgart geschickt. Sie stammen von zwei Brüdern, die sich als seine Urgroßonkel herausstellten. Mit seinem Sohn rekonstruierte er die Geschichte dieser Auswanderer aus der „unterbürgerlichen Claße“.

Es war ein Zufallsfund – der Vater des Autors hatte nur die Garage aufräumen wollen. Mit dem ersten Griff hielt er einen alten Holzkoffer in Händen, darin ein verschnürtes Bündel Briefe, mit Feder und Tinte geschrieben. Abgeschickt in Städten und Wildnissen der Neuen Welt, gerichtet an die Verwandtschaft daheim in Stuttgart, Königreich Württemberg.
So erfuhr die Familie zum ersten Mal vom Leben zweier Vorfahren, die 1847 ins Land der Freiheit gesegelt waren. Doch Amerika trieb damals auf das dunkelste Kapitel seiner Geschichte zu: den Bürgerkrieg. Den jüngeren der beiden Brüder verschlägt es ins Zentrum des Sklavenhandels, nach New Orleans. Er erlebt dort Gelbfieber-Epidemien mit Tausenden Toten und einen Fremden­hass, der sich neben den Dirty Irish vor allem gegen deutsche Einwanderer richtet. Und er wird bereits Zeuge gewalttätiger Versuche, die Wahlen zu manipulieren. Carl, der Ältere, lernt den Fernen Westen als einfacher Soldat kennen. Er marschiert durch Wüsten und Gebirge, schiebt Dienst in entlegenen Militär­posten und kämpft im heutigen Nevada gegen Indianer, die er eigentlich bewundert.175 Jahre nach den Brüdern fahren die Leserinnen und Leser mit auf Recherchereise von Küste zu Küste, zu Originalschau­plätzen, Archiven und Bibliotheken – und zu den Ursprüngen der Abgründe, auf die Amerika heute zusteuert.
 „Heiß ersehntes Amerika", erschienen im Osburg Verlag.
 Gebundenes Buch mit zahlr. Abb. und Karten, ISBN 978-3-95510-358-3

Udo Zindel, 1956 in Stuttgart geboren, studierte Geographie und Neuere Geschichte und war Fulbright-Stipendiat an der Arizona State University, in der Nähe einiger Originalschauplätze dieses Buches. Er arbeitete als Reporter, Redakteur und Regisseur beim Südwestrundfunk und berichtete häufig aus den USA. Seine Features wurden mehrfach ausgezeichnet. 2014 war er in der Kategorie »Beste Comedy« für den Deutschen Radiopreis nominiert.

Healing Art – Heilende Kunst

Sie träumten vom Aufbruch in ein neues Leben, gemeinschaftlich, aber frei von gesellschaftlichen Konventionen, selbstbestimmt und im Einklang mit der Natur: Intellektuelle und Künstler*innen Anfang des 20. Jahrhunderts, Teil einer alternativen Szene. Die Sonderausstellung „Heilende Kunst“ im Museum LA8 in Baden-Baden widmet sich jetzt diesem Thema mit besonderem Schwerpunkt auf künstlerische Ausdruckformen.

Else Blankenhorn, 200 SEIDUBLONEN, 1908-1919, Öl auf Leinwand, 21 x 27,6 cm, Inv.Nr. 1891c, © Sammlung Prinzhorn, Universitätsklinikum Heidelberg

Gesunde Ernährung, körperliche Fitness, Achtsamkeit, nicht zuletzt die aktuelle Klimabewegung und das Ziel die Natur zu heilen: das Bedürfnis nach einem gesunden und besseren Leben ist heute präsenter als je zuvor. Ausgehend von der Bewegung der Lebensreform greift die Ausstellung im Museum LA8 in Baden-Baden „Heilende Kunst. Wege zu einem besseren Leben“ verschiedene Formen der Heilssuche in Kunst und Gesellschaft seit dem späten 19. Jahrhundert auf. Sie fragt, woher die Sehnsucht nach einem heilsameren, gesunden Leben stammt.
Gemäß seiner Ausrichtung schaut das Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts LA8 dabei auch auf die wirtschaftliche Situation Ende des 19. Jahrhunderts; eine Zeit, in der in vereinzelten Ländern in Europa und den USA die Industrialisierung tiefgreifende Veränderungen in der Gesellschaft mit sich brachte. Die Fabrikarbeit entstand als neue Arbeitsform. Maschinelle Produktion ersetzte die Handarbeit. Arbeiter*innen wurden schlecht bezahlt. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen waren desaströs. In den immer voller werdenden Großstädten machen Anonymität, Armut und Umweltverschmutzung den Menschen zu schaffen. Als Reaktion auf dieses Klima entstand im ausgehenden 19. Jahrhundert die Bewegung der Lebensreform. Sie lieferte maßgebliche Impulse für aus ihr hervorgegangene und mit ihr verwandte Heilansätze, die in der Ausstellung aufgegriffen werden. Die moderne Zivilisation, geprägt durch Industrialisierung, Urbanisierung und Technisierung, wurde für den Verlust von humanistischen Werten und die Entstehung seelischer Krankheiten verantwortlich gemacht. Körper, Geist und Seele galten als traumatisiert. Allein die Rückbesinnung auf die Natur und eine auf im Einklang mit der Natur basierende neue Lebensführung könne Heilbringen.
Wie muss ich mein Leben ändern? – die Frage kommt uns in Zeiten von Digitalisierung und Klimawandel, Selbstoptimierung und Achtsamkeit nur allzu bekannt vor. Für die Sinnsucher*innen von damals führte der Weg zu einem besseren Leben über Alternativmedizin und Rohkost, Sport, Tanz und Spiritualität, aber auch über die heilende Wirkung der Kunst.

Hermann Hesse, Nr. 77, 1924, Aquarell, 25 x 24 cm, Privatbesitz © Martin Hesse Erben

In der Ausstellung werden Werke gezeigt, die von der Suche nach einem naturnahen Leben zeugen, und somit auf Strömungen der Lebensreform wie den Nudismus oder den Vegetarismus reagierten. Sie beginnt mit den „Propheten-Künstlern“ wie Karl Wilhelm Diefenbach (1851–1913) oder Fidus (1868–1948), alias Hugo Höppener. Als Vegetarier, Nudisten und Gründer von Lebensgemeinschaften strebten die Künstler danach, das gesellschaftliche Leben zu reformieren.
Mit dem Bedürfnis, als Kollektiv aufs Land zu ziehen und die heilsame Wirkung der Natur künstlerisch festzuhalten, bildeten sich Künstlerkolonien. Die Schau spannt einen Bogen von der Malerkolonie Grötzingen bis zum berühmten Sanatorium Monte Verità in Ascona – einer der wichtigsten künstlerischen Treffpunkte vor dem Ersten Weltkrieg. Der Mitbegründer der Kolonie Worpswede Heinrich Vogeler (1872–1942) gestaltete die Villa „Barkenhoff“ in Harmonie mit der Natur zu einem Gesamtkunstwerk. Als Beispiel für die Verschönerung des Alltags steht sie im Dialog mit Kunstobjekten und historischen Fotografien aus dem Bereich des Ausdruckstanzes und der Eurythmie, die der Anthroposophie und Rudolf Steiner nahesteht.
Beide Tanzformen ermöglichten es, sich von Normen zu befreien sowie Emotionen und Gedanken auszudrücken.
Die auf Sigmund Freuds (1856–1939) ästhetischen Studien basierende Kunstpsychologie und die Mitte des 20. Jahrhunderts aufkommende Kunsttherapie setzen an der These an, dass künstlerische Gestaltung in der Kunstproduktion und Kunstrezeption einen Heilprozess ermöglichen kann. Warum? Kunstwerke liefern einen Zugang zum eigenen Unbewussten und zu verschütteten Ressourcen. Sie aktivieren die Bearbeitung von Krankheiten und Leiden, ermöglichen eine Projektion eigener psychischer Inhalte auf die Kunst und stärken als Mittel zur Verarbeitung von Alltags- und Lebenserfahrungen das eigene Resilienzvermögen.

Ernst Ludwig Kirchner, Farbentanz, Zeichnungsstock, 1933, Holzstock, 49.9 cm x 35.1 cm x 1.4 cm, Inv. 1957 II 1a, ©Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Rudolf Steiner, Wandtafelzeichnung zum Vortrag vom 20. März 1920 in Dornach zum Thema „Heilfaktoren für den sozialen Organismus“, GA 198, Kreide auf Papier, 104 x 154 cm, ©Rudolf Steiner Archiv, Dornach, Schweiz

Werke von Rudolf Steiner (1861–1925) und Emma Kunz (1892–1963) vermitteln visionäre Heilansätze und veranschaulichen die therapeutische Wirkung von Spiritualität. Zeitgenössische Arbeiten von Joseph Beuys (1921–1986) beleuchten das Thema Heilkraft der Kunst und ihr gesellschaftsveränderndes Potenzial aus einer jüngeren Perspektive. In dem kunsttherapeutischen Kontext werden Arbeiten von psychisch Kranken aus der Sammlung Prinzhorn, Heidelberg gezeigt, etwa von Else Blankenhorn oder dem Surrealisten August Natterer. Zusammen mit Werken von Hermann Hesse und Frida Kahlo zeigen sie Heilungsprozesse und Bewältigungsstrategien von Künstler*innen auf, die Kunst als Therapiemaßnahme entdeckten. Begleitet wird die Schau von einem umfassenden museumspädagogischen Programm. Zur Ausstellung ist ein Begleitband im Deutschen Kunstverlag erschienen. Expert*innen für Lebensreformbewegungen, Psychologie, Kunsttherapie und Kunstgeschichte betrachten dort die unterschiedlichen Facetten eines Strebens nach Heilung und erörtern die Aktualität des Themas.

Ausstellungsansicht „Heilende Kunst. Wege zu einem besseren Leben“. C. Grötzinger Malerkolonie, Städtische Galerie Karlsruhe © E. Mahfoudhi

Dauer der Ausstellung: noch bis 12. Januar 2025

Rahmenprogramm:
Natur als Ressource
Aquarelle von Hermann Hesse zeugen von intensiven Naturerlebnissen, die ihm halfen, private Rückschläge zu verarbeiten. In diesem Workshop können nach der Bildbetrachtung eigene Aquarelle aus Pflanzenfarben gestaltet werden.
Termin: 21.12.2024 /Zielgruppe: Erwachsene

Bildbetrachtung mittels Poesie
Ein ausgewähltes Landschaftsbild wird gemeinsam betrachtet und aus mehreren Gedichten ein passendes ausgesucht. Gibt es persönliche Erinnerungen an ähnliche Naturerlebnisse? In der Werkstatt können Bilder zu den eigenen Naturerlebnissen oder zu Gedichten künstlerisch gestaltet werden.
Termin: 11.01.2025
Zielgruppe: Erwachsene
Personenanzahl: bis 8 Personen

Creative Sunday
Alle sind eingeladen in die Welt der Kreativität einzutauchen, den Gedanken freien Lauf zu lassen und sich eine Auszeit zu gönnen. Ob Papier, Wolle, Holz oder ein Tortengitter: man kann mit  verschiedenen Materialien arbeiten und unterschiedliche künstlerische Techniken ausprobieren.
Wann: Die Workshops finden einmal im Monat sonntags von 14 Uhr bis 16 Uhr statt. Die nächsten Termine sind: 27. Oktober, 24. November, 22. Dezember 2024
Kosten: 7 Euro pro Person; für Kinder mit Familienpass ist die Teilnahme kostenlos; Anmeldung: 07221 / 9954586 (Kasse/Zentrale), Email: carolin.osten@grenkestiftung.de

Yoga
Im wunderschönen Spiegelsaal des Museums findet  Vinyasa-Yoga statt
Wann: 23.9.2024, 7., 21. und 28.10.2024, 18.11.2024, 2. und 16.12.2024, 8.1.2025
Von 17:30 Uhr bis 18:30 Uhr im  Spiegelsaal des Kulturhauses LA8
Mit Elena Korowin (Kunstwissenschaftlerin, Yogalehrerein, Fitnesscoach)
Kosten: 10 Euro pro Sitzung und pro Person, 2 Euro Ermäßigung bei einem Ausstellungsbesuch.  Eigene Sportmatte ist mitzubringen.
Anmeldung: 07221 / 9954586 (Kasse/Zentrale), Email: info@museum.la8.de

Weitere Info:

Hier kommen Sie zur Website des Museums

Blütenpracht, Vögel und Früchte in der ostasiatischen Malerei

Die Ausstellung „Strahlende Sommertage“ (noch bis bis 3. November) zeigt Blütenpracht, Vögel und Früchte in der ostasiatischen Malerei.

(c) Linden-Museum-Stuttgart-Foto-Dominik-Drasdow

Die Kabinettausstellung im Linden Museum Stuttgart präsentiert Arbeiten der Künstlerin Monika Hoffer gemeinsam mit Werken der Blumen- und Vögel-Malerei bekannter chinesischer und japanischer Künstler des 16. bis 20. Jahrhunderts aus der Museumssammlung. Dieses unter den traditionellen Gelehrten Ostasiens sehr geschätzte Genre zielt auf die Vereinigung der objektiven und der subjektiven Welt, das Verschmelzen von eigenem Fühlen und Naturbetrachtung. In den Bildern spiegeln sich so die Persönlichkeiten der Künstler:innen, die jedoch gerade durch die genaue Beobachtung der Motive geprägt und verfeinert wurden. Monika Hoffer beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit Malerei im chinesischen Stil.

Ostasien-Abteilung im Linden Museum Stuttgart
Die Dauer-Ausstellung zeigt antike und moderne Skulpturen, Architekturfragmente, Gemälde, Textilien und vielfältige Gebrauchsgegenstände, die unter anderem aus Indien, Afghanistan, Pakistan, Sri Lanka, Myanmar, Thailand, Vietnam, Kambodscha, Indonesien und Tibet stammen. Ziel der Ausstellung ist es, die alten Religionen Südasiens – Buddhismus und Hinduismus, aber auch kleinere Religionen wie den Jainismus – anhand von Kunstwerken vorzustellen.

Goldbergs Traum

Nach der Augmented-Reality-Installation Resonanz und dem Hologramm-Konzert HOLO HARMONIES bringt das Stuttgarter Kammerorchester (SKO) nun ein weiteres Extended-Reality-Konzert auf die Bühne – am Feiertag 3. Oktober 2024 im Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle. Das Konzert „Goldbergs Traum“ wird erneut zeigen wie konsequent und mit nachhaltigem Erfolg das Orchester am immersiven Konzerterlebnis der Zukunft arbeitet.

Goldbergs Traum Prävisualisierung Konzertsituation

Die Werke, die das SKO an diesem Abend zusammenspannt, stammen aus drei ganz unterschiedlichen Epochen der Musikgeschichte. Und stehen doch in ein und derselben kompositorischen Traditionslinie. Bachs Goldberg-Variationen (hier in einer Version für Streichorchester), Terry Rileys Minimal-Music-Klassiker „In C“ sowie die Uraufführung „This is Water“ von Gerriet K. Sharma.

Goldbergs: Traum Prävisualisierung Roboter-Hund SPOT

Das Bühnenszen: Der Roboterhund SPOT, ein KUKA-Roboter, die auf drei große Screens projizierten, sphärischen Animationen sowie zwei 360º-Lautsprecher. Für das Gesamtkonzept zeichnet ein Duo verantwortlich, das bereits an den beiden vorhergehenden Digitalproduktionen federführend beteiligt war: XR-Regisseurin Jana Günther und SKO Intendant Markus Korselt. Wie bereits bei HOLO HARMONIES ist Moritz Mayerhofer als Animation Director mit dabei. Unterstützt werden sie von der preisgekrönten 3D-Audio-Schmiede DELTA Soundworks, die sich auf Klangszenarien für interaktive XR-Anwendungen spezialisiert hat. Im Zusammenspiel mit dem SKO schaffen sie eine spektakuläre audiovisuelle Meta-Ebene und lassen das Publikum eintauchen in eine völlig neue Dimension des Musikerlebens.

Weltpremiere Goldbergs Traum – ein Extended Reality-Konzert

Donnerstag, 3. Oktober 2024 um 19:30 Uhr in der Stuttgarter Liederhalle, Beethovensaal
Werke: Johann Sebastian Bach: Goldberg-Variationen bearbeitet für Streichorchester,
Uraufführung Gerriet K. Sharma: This is Water – Auftragswerk des SKO, Terry Riley: In C

Weitere Info: https://stuttgarter-kammerorchester.com

In 8 Tagen um die Welt – der Musik!

Andrey_Boreyko (c) Michał Zagórny

Die Stuttgarter Philharmoniker wurden im September 1924 gegründet. Das heutige „Orchester der Landeshauptstadt“ feierte seinen 100sten Geburtstag  2024 über mit vielen  Veranstaltungen und Aktionen – nun aber geballt aber zwischen dem 20. und 28. September.
Am Sonntag, 22.9. beginnt um 19 Uhr die Abonnementspielzeit 2024/25 des Orchesters mit dem ersten Konzert der Reihe ABO Terzett.
Auf dem Programm: Zoey Jos „Minutenstück“, Sergej Rachmaninoffs Klavierkonzert Nr. 2 und Peter Tschaikowskys Sinfonie Nr. 6 „Pathétique“. Klaviersolist ist der junge Alexander Malofeev, es dirigiert Andrey Boreyko.
Für die junge Menschen steht Juri Tetzlaff mit dem Orchester und dem Dirigenten Oliver Weder mit dem Programm „Beethovens Fünfte – Juris Suche nach der Schicksalsmelodie“ zwischen dem 25. und 27.9. jeweils um 9 und um 11 Uhr auf der Bühne des Gustav-Siegle-Hauses.
An den beiden Abenden des 26. und 27.9. jeweils um 19 Uhr treten die Stuttgarter Philharmoniker gemeinsam mit Ensembles aus der Comunity des Forums der Kulturen Stuttgart im Gustav-Siegle-Haus auf.
Zusammen feiern die Musikerinnen und Musiker die Welt der Musik in all ihren Facetten mit „Philharmonie meets Forum der Kulturen“. An beiden Abenden spielt das Orchester Beethoven dirigiert von Oliver Weder: Die „Coriolan“-Ouvertüre und die 5. Sinfonie.

Philharmonie meets Forum-Chor Firkat (c) Yakup Zeyrek

Vorher leitet jeweils der türkische Chor Firkat in den Abend ein, gefolgt vom Russudan Meipariani Trio, das klassische und zeitgenössische georgische Musik mitbringt. Den Abend am 26.9. beschließt die Asamblea Mediterranea mit abwechslungsreicher Musik der jüdischen Community des Mittelmeerraums. Das Ensemble der Ziryap-Akadmie um Zaza Miminoshvili macht den Abschluss mit Musik aus aller Welt am 27.9.
Am Samstag, den 28.9. sind alle Stuttgarter*innen von 12 bis 18 Uhr zum Tag der offenen Tür ins Gustav-Siegle-Haus eingeladen.

Die Stuttgarter Philharmoniker im Gustav-Siegle-Haus (c) Ines Rudel

Mit Musik in vielen Räumen, mit Instrumentenvorstellungen und Blicken hinter die Kulissen – begleitet von Hamburgern, Eis und Co. können Haus und Orchester direkt erlebt werden. Vom einzelnen Instrument bis zum gesamten Orchester können die Besucher ihre Philharmoniker entdecken. Wer wissen möchte, was ein Intendant, ein Dramaturg oder ein Orchesterwart so machen, kommt vorbei.  Auch am Tag der offenen Tür werden die Philharmoniker von Oliver Weder, Generalmusikdirektor der Thüringer Symphoniker und des Musiktheaters in Rudolstadt, dirigiert.


Karten zu den Veranstaltungen können ab dem 1. September auf der Webseite des Orchesters gebucht werden. Eine Liste aller Konzerte im September gibt es hier: / Weitere Infos: www.stuttgarter-philharmoniker.de

Sonderschau »Transformation«

Der Fotosommer Stuttgart 2024 ist dem Thema »Transformation« gewidmet.
Die zentrale Hauptausstellung des Fotosommers in THE GÄLLERY – Raum für Fotografie in der Staatsgalerie Stuttgart zeigt noch bis 8. September 2024 Werke von 22 Künstlerinnen und Künstlern, die sich dem gesetzten Thema von ganz unterschiedlichen Standpunkten aus annähern und vielfältige Phänomene der Transformation in den Blick nehmen – etwa die engen Wechselwirkungen zwischen Natur und Kultur, Prozesse des ökonomischen und ökologischen Strukturwandels sowie Jugend und Alter als Lebensphasen des Übergangs.

Gabriele Engelhardt, Bild aus der Serie »raw_material«, 2016-2024 © Gabriele Engelhardt

Zugleich geht es in vielen der präsentierten Arbeiten auch um die Fotografie selbst. Diese ist ihrerseits ein Medium der Transformation: Sie verwandelt Licht in Bilder, bannt die dreidimensionale Welt in eine zweidimensionale Fläche und fixiert die vergehende Zeit. Fotografie liefert keine transparenten Abbilder, sondern bildhafte Umformungen der sichtbaren Wirklichkeit. Sie lädt uns dazu ein, andere Perspektiven einzunehmen und fordert uns auf, den Blick in immer neue Richtungen zu lenken.

Diane Gorman
Diane Gorman : aus der Serie „Flotsam“ 4 von insgesamt 8 Tafeln, zu vier Diptychen zusammengestellt. Fine Art Print, kaschiert auf Alu-Dibond., Jede Tafel 40 cm H x 30 cm B. 2023/24

So kann sie unser Nachdenken über die Möglichkeiten und Chancen der Veränderung beflügeln.

Mit Werken von Sabine Bungert & Stefan Dolfen, Sinje Dillenkofer, Jule Ehlenz, Gabriele Engelhardt, Benjamin Friedle, Matthias Gödde, Diane Gorman, Leon Adam Haas, Miriam Häfele, Anne Lara Kraft, Ingar Krauss, Karsten Kronas, Elisa Lohmüller, Marlene Müller, Mara Pollak, Eva Schmeckenbecher, Julia Scholl, Magdalena Stengel, Ania Sudbin, Sven Weber, Stephan Zirwes.

Sabine Bungert & Stefan Dolfen, Bild aus der Serie »Kudzu«, 2019 © Sabine Bungert / Stefan Dolfen

Mehr Informationen: Die Ausstellung in der Staatsgalerie ist eine Kooperation mit Fotosommer Stuttgart e. V.
www.staatsgalerie.de und Fotosommer Stuttgart