Hölzel Haus

Die 1905 erbaute Villa in der Ahornstraße in Stuttgart Degerloch war in den 1920er- und Anfang der 1930er-Jahre ein echter Treffpunkt der künstlerischen Moderne. Nach aufwändigen renovierungs- und Umbauarbeiten  ist die Villa seit 2022 öffentlich und bietet ein interessantes Ausstellungs – und Veranstaltungsprogramm.

Willi Baumeister spricht von der „gescharten Moderne“, die sich dort versammelte. Der Hausherr des ehemaligen Wohn- und Atelierhauses war einer der wichtigsten Wegbereiter der Moderne – der Maler und Kunsthistoriker Adolf Hölzel.

Schenkung aus der Sammlung Pöhler / Foto: Adolf-Hölzel-Stiftung
Das Haus: Fotograf: Michael Steinle

Der Pionier der Abstraktion bezog das Haus nach seiner aktiven Zeit als Professor an der Königlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart 1919. Seine ehemaligen Schüler und Schülerinnen, darunter Max Ackermann, Oskar Schlemmer, Willi Baumeister, Ida Kerkovius, Johannes Itten, Otto Meyer-Amden und Adolf Fleischmann, gaben sich die Klinke in die Hand.

Selbstporträt vor 1887 – Foto: Adolf-Hölzel-Stiftung

Anfang der 1920er-Jahre entdeckte Adolf Hölzel das Arbeiten in der Pastelltechnik für sich, die seinem experimentierfreudigen Schaffensdrang ungleich besser entsprach als die geringeren zeichnerischen Möglichkeiten und langen Arbeits- bzw. Trocknungsprozesse der Ölmalerei. Die Radikalität seiner künstlerischen Vorgehensweise führte dazu, die Kunst vom Gegenstand und in noch größerem Maße vom Inhalt zu lösen sowie sich bewusst auf künstlerische Mittel zu beschränken.

Adolf Hölzel. Foto: Adolf-Hölzel-Stiftung
Ohne Titel, um 1925 – Foto: Adolf-Hölzel-Stiftung

Nach dem Tod des Hausherrn wurde es still um das Gebäude, bis 2005 die Enkelin des Malers, Doris Dieckmann-Hölzel, die gemeinnützige Adolf Hölzel Stiftung gründete und nach ihrem Tod 2010 den gesamten künstlerischen Nachlass inklusive Immobilie der Stiftung vermachte. In der Folgezeit hat die Adolf Hölzel Stiftung, ihrem Grundsatz gemäß – das künstlerische Gesamtwerk Adolf Hölzels kontinuierlich und nachhaltig weiter zu fördern, den Nachlass in seiner Substanz zu erhalten, aufzuarbeiten und zu ergänzen – kräftig Überzeugungsarbeit geleistet, Bau- und Finanzierungspläne erstellt. Mit Unterstützung der Landeshauptstadt Stuttgart, des Aktion Mensch e. V., der Péter Horváth-Stiftung, der Südwestbank und dem Förderverein Hölzel-Haus e. V ist es letztlich gelungen, das Haus zu sanieren, in seine ursprüngliche Architektur zurückzubauen und sogar, um die Räumlichkeiten einer Kunstschule zu erweitern.

Bergpredigt, 1913, Foto: Adolf-Hölzel-Stiftung

Die Wohn- und Atelierräume sind zum Teil mit Originalmöbeln rekonstruier worden. Dort befindet sich auch eine umfangreiche Sammlung von Werken aus Hölzels unterschiedlichen Schaffensperioden.
In der Bibliothek und in der digitalen Bilddatenbank finden sich zahlreiche Informationen zum Werk des Künstlers. In der Kunstschule,  in Kooperation mit der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart wird Kindern und Jugendlichen der Zugang zu Kunst und Malerei ermöglicht.
Öffentliche Führungen  und
weitere Info: www.adolf-hoelzel.de;
Öffnungszeiten: Fr 13 – 18 Uhr,
Sa 13 – 18 Uhr, So 11 – 18 Uhr
Anmeldung an info@adolf-hoelzel.de

Adolf Hölzel (1853-1934) gehörte zu den einflussreichsten Pionieren der ungegenständlichen Kunst im 20. Jahrhundert. In Olmütz (Nordmähren) geboren, studierte er nach einer Ausbildung zum Schriftsetzer Malerei in Wien und München. Er zählte zu den Mitbegründern der Wiener und der Münchener Secession. 1905 wurde er an die Königliche Akademie der bildenden Künste nach Stuttgart berufen und leitete von 1906 bis 1919 als Professor eine „Komponierschule“. Zwei Jahre war er außerdem Rektor der Akademie. Ab 1919 bis zu seinem Tod 1934 lebte er in seinem Wohn- und Atelierhaus in Stuttgart Degerloch, dem heutigen „Hölzel-Haus“. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Waldfriedhof.

mehr / nicht weniger als diese Gedichte

Lyrik – so unsere Autorin Susanne Heeber – sei eigentlich nicht so ihr Ding. Aber als sie für diese Ausgabe diesen Beitrag über den Lyriker, Theatermacher, Schauspieler und Verleger Dinçer Güçyeter verfasste , änderte sie ihre Meinung und mit jeder Zeile wuchs die Begeisterung. Kein Wunder, denn Güçyeter sorgt mit seinen so ganz anderen Gedichten in der Literaturszene für Furore – so sehr, dass ihn die Jury des renommierten Peter Huchel-Preises für seinen Lyrikband „Mein Prinz, ich bin das Ghetto“ in diesem Jahr ausgezeichnet hat… Doch lesen Sie selbst!

Dinçer Güçyeter, Foto: Palagrafie / Metehan Pala

Am Anfang des Porträts steht ein Bekenntnis: Lyrik war bisher nicht unbedingt mein Steckenpferd. Doch dann las ich Zeilen wie:
Ich bin ein deutscher Dichter (Bastard) mit
Migrationshintergrund…
den Weihnachtsbaum schmücke ich mit Feigen / Datteln und Dönerblättchen /
mein Pony füttere ich mit Gummibärchen…
Und:
müde sitzt sie am Küchentisch
ihre Schultern hängen wie eine Seilbrücke
zwischen zwei entschwundenen Heimaten
Oder:
Yilmaaaaaaaz!
Bring du das Kind zum Friseur, morgen ist Zuckerfest
So hat die Cleopatra des Hauses befohlen
Und mir fehlten schlicht und ergreifend die Worte, angesichts dieser „expressionistischen Sprachwucht und feinsinnigen Ambivalenz“, die „familiäre, soziale und kulturelle Verortungen sowie postpatriarchale Möglichkeiten einer souveränen Existenz“ verhandeln – so auch die Begründung der Jury.
Auf den Seiten der Titelei fragt ein Junge:
Vater, Mutter, wohin jetzt mit mir
Und weiter:
wohin mit diesen Gedichten
„Er schickt sie auf den Weg zu Lesenden, die bereit sind, den Habitus von Gedichten und Dichter-Existenzen zu hinterfragen“, konstatiert die Jury dazu.

Die Gedichte sind umwerfend, echte Knaller! Sie sind mal kurz und lakonisch, mal in Dialogform, mal versetzt mit gesellschaftspolitischen Positionen zu den Themen Migration und Integration. Es sind die Stimmen von Güçyeters Großmutter und seinen Eltern zu hören, die als sogenannte „Gastarbeiter“ aus der Türkei nach Deutschland kamen. Seine Lyrik beinhaltet aber auch eigene Fremdheits-Erfahrungen, auch, weil er schon immer spürte, dass er sich ganz besonders anstrengen muss, um einen Fußabdruck in der Kulturszene zu hinterlassen.
Und, es ist ihm gelungen!

der Spiegel
ich bin es, die Schwester des Berges / weißt du / auf einem Bild von mir, als Kind / über meiner Stirn lächelte ein Koala-Aufkleber / ich bin es / der Falschgeborene / der verstohlene Bastard Heras / entführt und transportiert ins 20. Jahrhundert in einem Gastarbeiterkoffer zwischen Leerraum und Ängsten, transportiert hier nach Deutschland / ich bin es / Dinçer / die Schwester des Berges / meine erste Tat auf dieser Welt: Raqib und Atid, die albernen Beamten Gottes zu bestechen / ich habe den beiden den Trailer meiner Geschichte gezeigt / etwas gefälschte Güte&Sünde in ihre Hände gedrückt / gebeten, mich in Ruhe zu lassen / gute Kerle, die Beiden / sie wissen auch / Widerstand gegen eine Menschenseele, in der Realität sowie in der Mythologie, bleibt immer ein Minusgeschäft / seitdem sitze ich hier / vor deinem irritierten Reflektieren / du verstehst nicht, wieso ich den Zeitstrahl durch mein Leben ablehne / ich auch nicht, ist auch irrelevant / aber du weißt, du, verstaubter Spiegel, du bist mein Ablagerungsmilieu / ich das Fossil, das seit Ewigkeiten in dir nach einer schützenden Bedeutung sucht / bevor ich vor dir stand, steckte ich so als Mikro-Ding in einem wandernden Gletscher / habe vor dem Pascha der Eisbären einen Eid gesprochen / dass ich jede Treue verabscheuen werde / ich habe mein Wort gehalten, frage mich bitte nicht / warum jetzt die Eisberge, die Steppen mit Blut gefüllt sind / warum ich dir das alles schreibe? / ich habe vor ein paar Tagen ein verbranntes Koalagesicht gesehen / deshalb / alles wird beim Alten bleiben / der Eid / die onanierende Reflektion / der Stein- schlag auf meiner Brust / die Flamme über meiner Stirn . / ich bin es / die Schwester des Berges .

Dinçer Güçyeter (aus Dinçer Güçyeter: Mein Prinz, ich bin das Ghetto,
ELIF VERLAG, ISBN 978-394-6-989-42-4)

ELIF Verlag – unwahrscheinliche Lyrik seit 2011

Dinçer Güçyeters preisgekrönter Gedichtband „Mein Prinz, ich bin das Ghetto“, ist bereits sein vierter Gedichtband und wurde im Elif-Verlag publiziert. Den hat der Autor selbst 2011 gegründet. Er ist zwar klein, aber doch selbstbewusst und versammelt poetische Positionen, die das Feld vom Rand her aufrollen. Veröffentlicht werden Debüts und Alterswerke, Lyrik, die aus der Gegenwart in die Gegenwart spricht, in Deutsch und jeder anderen Sprache, in der sich Gedichte schreiben lassen. Es sind bereits 60 liebevoll gestaltete Bände erschienen.

Nachdem ich meine Sprache wiedergefunden habe, bleibt nur zu wünschen, dass der sympathische Lyriker und Verleger Dinçer Güçyeter noch lange so weitermacht.

Ein Beitrag von Susanne Heeber

Der Theatermacher, Schauspieler, Lyriker und Verleger Dinçer Güçyeter wurde 1979 in Nettetal/Lobberich geboren. Von 1996 bis 2000 absolvierte er eine Ausbildung als Werkzeugmechaniker. Im Jahr 2011 gründete er den ELIF Verlag, den er bis heute als Gabelstaplerfahrer in Teilzeit finanziert. Bisher sind im ELIF Verlag erschienen: Ein Glas Leben. Gedichte (2011), Die geschminkte Möwe. Gedichte. CD (2012), Anatolien Blues. Gedichte (2012) und Aus Glut geschnitzt. Gedichte (2017) und Mein Prinz, ich bin das Ghetto (2021).

Peter Huchel-Preis
Der vom Land Baden-Württemberg und dem Südwestrundfunk gestiftete Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik wird seit 1984 für ein herausragendes lyrisches Werk des vergangenen Jahres verliehen und ist mit 10.000 Euro dotiert. Peter Huchel (geboren 1903 in Lichterfeld, Berlin und gestorben 1981 in Staufen, Breisgau) verfasste politisch-verschlüsselte Naturgedichte. Seine Lyrik ist vom Naturerlebnis seiner märkischen Heimat geprägt, die präzise und schlichte Sprache generiert einprägsam kraftvolle Bilder. Obwohl er nur fünf schmale Gedichtbände herausgab, gehört er unbestritten zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikern des 20. Jahrhunderts. Außerdem wirkte Huchel als Chefredakteur der Kulturzeitschrift „Sinn und Form“, die die Literatur in der DDR nachhaltig prägte.
Bisherige Preisträger und Preisträgerinnen waren u .a. Manfred Peter Hein, Guntram Vesper, Elke Erb, Ernst Jandl, Sarah Kirsch, Durs Grünbein, Raoul Schrott, Nicolas Born (postum), Friederike Mayröcker, Nora Bossong und im letzten Jahr Marcel Beyer.

Tanz

ISLAND
Tanzabend mit Chor / frei nach »Der Sturm« von William Shakespeare

Seit zwölf Jahren sitzt ein Mensch allein auf einer Insel fest. Der Unglückliche lebt nur in seinen Träu-men. Inspiriert von »Der Sturm« von William Shakespeare werden in »Island« viele Facetten einer Figur gezeigt, die trotz ihres Wahnsinns voller Poesie und Kreativität ist. Alles um sie herum ist das Ergebnis ihres unruhigen Geistes.
2016 choreografierte der künstlerische Leiter des Dance Theatre Heidelberg (DTH), Iván Pérez, »Island« in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Grzegorz Bral und dem Song of the Goat Theatre in Polen. Die ausdrucksvollen Körperbewegungen auf der Bühne werden von mehrstimmigen Gesängen der Kom-ponisten Jean-Claude Acquaviva und Maciej Rychły begleitet. Ganz neu beleben die DTH-Tänzer*innen und der Opernchor des Theaters und Orchesters Heidelberg einen Tanzabend voller Melancholie und Nostalgie.
Premiere/Deutsche Erstaufführung am 10. Dezember im Theater Heidelberg
Weitere Termine und Info: www.theaterheidelberg.de

Shakespeare 2.2: Macbeth & Othello
Tanztheater nach den beiden Tragödien von William Shakespeare

Die beiden zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstandenen großen Tragödien »Macbeth« und »Othello« regen bis heute unterschiedlichste Deutungen an, die beiden dramatischen Texte über menschliche Abgründe sind nach wie vor inspirierende Herausforderungen für viele Kreative in Musik, Film und Theater. Für das Theater Ulm wird der aus Island stammende Frank Fannar Pedersen seine Vision des machtgierigen Macbeth und seiner skrupellosen Ehefrau Lady Macbeth entwerfen. Der Fokus liegt auf der Lady: sie gibt sich in einem transformativ-installativen Bühnenraum der dunklen Seite der Menschlichkeit hin. Pedersen, selbst tänzerisch beim Ballett Theater Basel aktiv gewesen und 2015 als bester Nachwuchskünstler im Jahrbuch Tanz nominiert, ist seit mehreren Jahren auch als Choreograf erfolgreich, u.a. mit Auftragsarbeiten für das Nationaltheater Mannheim, das Hessische Staatstheater Wiesbaden und die Iceland Dance Company. Am Theater Ulm wird er nun in seinem abstrakt-surrealen und objektorientierten Tanzabend »Köpfe rollen lassen«. Reiner Feistel, Direktor des Tanztheaters Ulm, konzentriert sich in seiner Inszenierung von »Othello« ganz auf die vier Hauptfiguren: Othello, seine Frau Desdemona, den Fiesling Jago, sowie den verliebten Roderigo. Könnte die Liebe Othellos und Desdemonas im Alltag nur um sich selbst kreisen, wäre es eine große und schöne. Doch das von außen Einwirkende verändert grundlegend und dramatisch das Innere dieser Charaktere. Das Chaos, ja den Kriegszustand der Gefühle erfasst Feistel mit der Compagnie in diesem Kammertanzstück kraftvoll intensiv.
Uraufführung Freitag, 21. Oktober 2022, 19.30 Uhr im Theater Ulm
Weitere Termine & Info: www.theater-ulm.de

GISELLE
Ballett  von David Dawson
Musik von Adolphe Adam arrangiert von David Coleman

Seit mehr als 180 Jahren gehört Giselle zu den unumstrittenen Meisterwerken des klassisch-romantischen Balletts. Die junge Giselle, erlebt in ihrer Liebe zum jugendlichen Albrecht das größte Glück. Doch Albrecht ist nicht, wer er vorgibt zu sein. Schmerzlich muss Giselle seine wahre Identität erkennen, und dass er bereits einer anderen versprochen ist. Eine dunkle Wahrheit, die sie vom Wahnsinn bis in den Tod treibt. Gefangen in einer Zwischenwelt kehrt sie wie andere junge Frauen, die vor ihrer Hochzeit gestorben sind, als magisches Wesen, als Wilie, auf die Erde zurück. Albrecht, gequält von seinem Gewissen, den Tod Giselles zu verantworten, sucht nach ihr. Eine erneute und letzte Begegnung entscheidet über die Frage nach ewiger Schuld oder Vergebung zwischen den beiden Liebenden.
Der britische Choreograf David Dawson kreierte 2008 mit seiner Neuinterpretation des Klassikers sein erstes abendfüllendes Handlungsballett für das Semperoper Ballett Dresden. Darin schafft er es, die Geschichte aus dem Kontext des 19. Jahrhunderts zu befreien und eine in jeder Hinsicht visionäre und zeitlose Fassung auf die Bühne zu bringen. Seine hochästhetische, klassisch-moderne Ballettsprache macht die Liebe zweier junger Menschen zum Ankerpunkt zutiefst menschlicher Emotionen, vollkommen unabhängig von Zeit und Raum.
Premiere am 19. November 2022 am Badisches Staatstheater Karlsruhe
Weitere Termine & Info: www.staatstheater.karlsruhe.de

Der Nussknacker
Der Nussknacker gehört mit seiner weihnachtlichen Geschichte und Peter Tschaikowskys grandioser Musik zu den berühmtesten und beliebtesten Balletten des internationalen Repertoires. Das Stuttgarter Ballett hat – erstaunlicherweise – seit über 50 Jahren das
klassische Handlungsballett nicht mehr aufgeführt. John Cranko hatte zwar eine eigene Version im Jahr 1966 herausgebracht, diese wurde aber nie notiert und ging verloren. Ballettintendant Tamas Detrich schließt nun diese Lücke mit einer spektakulären Neuproduktion
des international gefragten Choreographen Edward Clug in einer Ausstattung des legendären Bühnen- und Kostümbildners Jürgen Rose. Auch diese Neufassung des groß angelegten Handlungsballetts bietet viele schöne Rollen für Kinder: eine perfekte Gelegenheit, die jungen Talente der John Cranko Schule miteinzubinden. E.T.A. Hoffmanns fantasievolle literarische Vorlage liefert Edward Clug und Jürgen Rose reichlich Stoff zur Inspiration und für Interpretationen.
Premiere am 25. November 2022 Opernhaus Stuttgart, weitere Termine im November und Dezember unter www.stuttgarter-ballett.de

THE SEVEN SINS
Dieser Tanzabend von Gauthier Dance vereint die absolute Crème de la crème internationaler Choreograph*innen. Jede und jeder von ihnen hat für Gauthier Dance eine Todsünde in ein Tanzstück verwandelt. Das Ergebnis: ein Tableau der Ruchlosigkeit, bestehend aus sieben Uraufführungen von Aszure Barton, Sidi Larbi Cherkaoui, Sharon Eyal, Marcos Morau, Sasha Waltz sowie den beiden Artists in Residence von Gauthier Dance, Marco Goecke und Hofesh Shechter. Mit im Boot als TV-Produktionspartner sind SWR / ARTE & EuroArts. Die Aufzeichnung erfolgt live im Theaterhaus, bei zwei der Shows im November 2022. Der Ausstrahlungstermin auf ARTE wird noch bekannt gegeben.
Die nächsten Aufführungen im Theaterhaus:
17./18./19./20. November im Theaterhaus Stuttgart

50 Jahre Carus-Verlag
– 500 Jahre Chormusik

1972 gründeten Chorleiter Günter Graulich und seine Frau Waltraud Graulich den Carus-Verlag und veröffentlichten als erstes Werk Antonio Vivaldis Gloria in D RV 589 für Chor und Orchester – die erste wissenschaftlich-kritische Notenedition dieses Meisterwerks. In 50 Jahren hat der Verlag einen weltweit einzigartigen Notenkatalog aufgebaut. Das Programm mit rund 45.000, überwiegend vokal besetzen Werken spiegelt die Entwicklung von fünf Jahrhunderten Chormusik: Das Angebot reicht von der Gregorianik, Madrigalen und Motetten der Renaissance bis zur zeitgenössischen Chormusik sowie Werken für Jazz- und Popchor. Die wichtigsten Oratorien, Messen und Kantaten der Musikgeschichte sind in modernen Urtext-Editionen erschienen, die sich an der historisch-informierten Aufführungspraxis orientieren. Carus bietet so den Chören verlässliche, vielfach preisgekrönte und hochwertig ausgestattete Editionen. Chöre, Orchester und Dirigent*innen weltweit verlassen sich auf den Carus-Notentext: Zahllose Konzerte, Fernseh-, Rundfunkund CD-Produktionen gründen auf den wissenschaftlich kritischen Notenausgaben von Carus aus Stuttgart als dem Chorspezialisten. Im Rahmen des Jubiläums findet vom 31. Oktober bis 4. November 2022 das 7. Stuttgarter Choratelier statt. An fünf thematisch breit gefächerten Workshop-Tagen sind Expertinnen und Experten der Chormusikszene beteiligt. Der erste Tag steht ganz im Zeichen von chorissimo! – dem erfolgreichen Konzept für das Singen mit Kindern von der Grundschule bis zur Oberstufe – und ganz neu auch für das Singen mit den Allerkleinsten in
der Kita! Weitere Themen sind: Tipps und Repertoire für den Kinder- und Jugendchor, Proben im Flow und neues geistliches Repertoire für Chor SAM, Requiem-Vertonungen und zeitgenössische Chormusik, Bruckner und chorsinfonische Meisterwerke um 1900.
Weitere Infos: www.carus-verlag.com

Oper & Musiktheater

Der fliegende Holländer
Romantische Oper von Richard Wagner

Der fliegende Holländer. Die aufgewühlte See als Spiegel der Existenz, Balladen und Lieder sind tragendes Element dieser romantischen Oper, in der fantastische Gestalten und Vorgänge auf eine festgefügte Realität treffen, und in der Mitgefühl und Hingabe zum Schlüssel einer Befreiung werden.
Richard Wagner befand sich 1839 als blinder Passagier auf einem Schiff von Pillau nach London, auf der Fahrt in eine hoffnungsvolle, aber ungewisse Zukunft. Im Skagerrak geriet das Schiff in einen fürchterlichen Sturm und drohte zu sinken. Wäre es so gekommen, hätte niemand je vom Schicksal des jungen Kapellmeisters erfahren. Richard Wagner jedoch ging nach einer Zwischenstation an der norwegischen Küste heil von Bord und arbeitete in Paris und Dresden erstmals an einem Werk, das nicht historisch oder literarisch orientiert war, sondern schuf eine Oper frei aus einer populären Legende und legte so den Grundstein für sein zukünftiges Werk.
Premiere am 10. Dezember 2022 am Badischen Staatstheater Karlsruhe
Weitere Termine & Info: www.staatstheater.karlsruhe.de

LA LÉGENDE DE TRISTAN
Oper von Albert Pauphilet
Musik von Charles Tournemire

Die uralte Sage von Tristan und Isolde inspirierte jahrhundertelang die Künste — und im Genre Oper neben Richard Wagner auch den 1870 in Bordeaux geborenen Charles Tournemire. Dessen Name, obwohl selten auf Theaterprogrammen zu finden, ist jedem ein Begriff, der Orgel spielt: Von Miniaturen bis zu virtuosen Werken orchestraler Gewalt hat der Komponist ein reichhaltiges Repertoire hinterlassen. Seine außergewöhnliche Geisteshaltung zwischen Musiker und Mystiker hallt auch in Tournemires heute beinahe vergessenem Opernschaffen nach. Obwohl die Pariser Oper 1924 sein Werk »Les Dieux sont morts« erfolgreich uraufführte, kam es nie zu einer Inszenierung der 1926 fertiggestellten Tristan-Oper, die Tournemire mit dem Literaten und späteren Widerstandskämpfer Albert Pauphilet verfasst hat. Auf Basis der handschriftlichen Quellen, editiert von Michael Weiger, erweckt das Theater Ulm erstmals Tournemires Opus magnum zum Leben.
Welturaufführung am 15. Dezember 2022 im Theater Ulm
Weitere Termine & Info: www.theater-ulm.de


Hoffmanns Erzählungen

Fantastische Oper von Jacques Offenbach

Seine unglückliche Liebe zur Sängerin Stella versucht der Dichter Hoffmann zu verarbeiten, indem er sie in drei fantastischen Erzählungen über drei Frauen aufgehen lässt: Olympia, die seelenlose Automaten-frau, Antonia, die seelenvolle Sängerin, die für die Kunst ihr Leben geben muss, und die Kurtisane Giulietta, die seine Liebe als Wetteinsatz benutzt. Sich selbst setzt er zu jeder dieser Frauen in eine (fiktive) Beziehung und durchlebt so wiederholt sein Scheitern.
Jacques Offenbach, der Erfinder der Operette, schuf mit seinem letzten Bühnenwerk dem Dichter E. T. A. Hoffmann ein Denkmal, das er der Öffentlichkeit nicht mehr selbst enthüllen konnte. Erst 1881, vier Monate nach Offenbachs Tod, kam das Werk in Paris zur Uraufführung.
Premiere am 30. Oktober 2022 am Theater Heidelberg, weitere Termine und Info: www.theaterheidelberg.de

Siegfried
Oper von Richard Wagner
Jossi Wielers und Sergio Morabitos Inszenierung von Richard Wagners Siegfried aus dem Jahr 1999 wird als Neueinstudierung Teil des aktuellen Stuttgarter Rings des Nibelungen

Der Ring des Nibelungen an der Staatsoper Stuttgart findet in der Spielzeit 2022/23 mit Jossi Wielers und Sergio Morabitos Inszenierung von Siegfried aus dem Jahr 1999 seine Fortsetzung: Als Neueinstudierung unter der Leitung Wielers und Morabitos kehrt die Produktion am 9. Oktober 2022 um 16 Uhr auf die Bühne des Stuttgarter Opernhauses zurück und wird so zum dritten Teil der neuen Stuttgarter Tetralogie. Generalmusikdirektor Cornelius Meister leitet die Neueinstudierung musikalisch mit einer Reihe von Rollendebüts aus dem Ensemble, darunter Kammersängerin Simone Schneider als Brünnhilde sowie Stine Marie Fischer als Erda. Kammersänger Matthias Klink übernimmt die Rolle des Mime. Darüber hinaus debütieren Tommi Hakala als Wanderer und Alexandre Duhamel als Alberich. Als Siegfried gastiert Daniel Brenna.
Der in der vergangenen Saison begonnene neue Stuttgarter Ring begreift Wagners Zyklus nicht als einheitliches Werk ohne Brüche, sondern trägt der rund 30jährigen Entstehungszeit durch einen multiperspektivischen Ansatz Rechnung. Wie schon bei der letzten Stuttgarter Neuproduktion in den Jahren 1999/2000 zeichnet für jeden Teil der Tetralogie ein anderes Regieteam verantwortlich. Der psychologisch-analytische Ansatz von Jossi Wielers und Sergio Morabitos Siegfried-Inszenierung fügt als Teil des neuen Rings den verschiedenen Blickwinkeln somit auch eine zeitliche Perspektive hinzu.
Nach Stephan Kimmigs Inszenierung von Das Rheingold im November 2021 folgte im April 2022 Die Walküre, in der jeder Akt von einem eigenen Regieteam verantwortet wurde (Hotel Modern, Urs Schönebaum und Ulla von Brandenburg).

Siegfried-Premiere am  9. Oktober 2022 in der Staatsoper Stuttgart
Weitere Vorstellungen: 15. / 23. Oktober 2022, 1. November 2022, 10. März 2023, 8. April 2023, Info & Karten: www.staatsoper-stuttgart.de
Nach der Neueinstudierung des Siegfried findet Der Ring des Nibelungen im Januar 2023 mit der Premiere der Götterdämmerung in der Regie von Marco Štorman seinen Abschluss und wird anschließend zweimal als Zyklus aufgeführt.

Ulysses
Barockoper von Reinhard Keiser 

Zwanzig Jahre lang blieb Penelope Odysseus treu, bis dieser nach Ithaka zurückkehrt. Nach dem trojanischen Krieg scheint aber in der Heimat nichts mehr so zu sein, wie es der griechische Held in Erinnerung hat. Zauberin Circe will Odysseus mit unlauteren Mitteln für sich gewinnen. Das leiderfüllte Ehepaar wird erneut auf eine harte Probe gestellt.
An der berühmten Hamburger Oper am Gänsemarkt galt Reinhard Keiser seinerzeit neben Telemann als stilprägend für die früh-deutsche Oper. Mit der 1722 in Kopenhagen uraufgeführten Huldigungsoper »Ulysses« wollte Keiser die eheliche Treue des dänischen Königspaars als Analogie zu seinen Protagonist*innen preisen und versprach sich dadurch eine Anstellung am Hofe. Das nur als Fragment überlieferte Werk wurde von Clemens Flick vervollständigt und erfährt nach 300 Jahren seine erste szenische Wiederaufführung.
Premiere am 3. Dezember im Rokokotheater Schwetzingen
Weitere Termine und Info: www.theaterheidelberg.de

Der Freischütz
Das Performancekollektiv SHOWCASE BEAT LE MOT adaptiert am Theater Freiburg die große romantische Oper von Carl Maria von Weber und die romantisch-mythische Kraft der Musik ins Heute und Jetzt vor dem Hintergrund von sich radikalisierenden Gruppendynamiken und Geschlechterrollen.
Premiere am  19 Oktober 2022 im Theater Freiburg
Weitere Termine und Info: theater.freiburg.de 

Dirigent André de Ridder

Mit Alban Bergs Wozzeck und Marnie von Nico Muhlys stellt
sich der neue Generalmusikdirektor am Theater Freiburg,
André de Ridder, seinem Publikum vor. Der Dirigent gilt als
progressiv – einer der gerne Neuland betritt. 2013 gründete
er das Musikerkollektiv „stargaze“, dessen Repertoire von
Bach über Beethoven bis zu Avantgarde-Elektronik und
zeitgenössischer klassischer Musik reicht. Das Musikerkollektiv
hat mittlerweile eine breite Anhängerschaft gefunden
und ist in weltweit bekannten Konzerthäusern zu Gast,
darunter das Barbican Centre London, die Philharmonien
Köln und Paris sowie die Hamburger Elbphilharmonie.

Andre de Ridder, Foto Fabian Mondl

Beide Opern-Premieren, in denen er in Freiburg am Pult
steht, haben die psychische Verwundbarkeit ihrer Hauptrollen
im Blick. Der Soldat Wozzeck wird von düsteren Visionen,
von Inferno, Tod und Weltuntergang heimgesucht.
Seine Umwelt reagiert verstört und abweisend. Es folgt
sein Absturz ins Bodenlose. Marnie wiederum dürfte allen
Hitchcock-Fans ein Begriff sein. Es ist die Geschichte
einer schönen Diebin, die durch dunkle Geheimnisse ihrer
Psyche ins Straucheln und schließlich zu Fall gebracht
wird. Die Romanvorlage stammt von Winston Graham,
1964 dann in der legendären Hitchcock-Verfilmung und
2017 schließlich in der Oper des US-amerikanischen Komponisten
Nico Muhly. Intendant Peter Carp und André de
Ridder bringen in ihrer ersten Zusammenarbeit diesen
Opern-Thriller als suggestiv packendes Musikdrama auf
die Bühne. Peter Carp, freut sich auf die Zusammenarbeit:
„André de Ridder steht für einen Paradigmenwechsel der
gängigen musikalischen Programmatik deutscher Musiktheater
und Konzerthäuser. (…) Der Freiburger Spielplan
wird in Zukunft daher auch außereuropäische musikalische
Terrains berücksichtigen, die in den Plänen von Orchestern
und Opernhäusern bislang weniger Beachtung
fanden.“

Die nächsten Aufführungen mit André de Ridder: 
Marnie
Samstag, 14.01.2023 // 19:30
Donnerstag, 19.01.2023 // 19:30
Freitag, 03.02.2023 // 19:30
Donnerstag, 06.04.2023 // 19:30
Sonntag, 23.04.2023 // 15:00
Samstag, 20.05.2023 // 19:30
Wozzeck

Freitag, 02.12.2022 // 19:30
Donnerstag, 29.12.2022 // 19:30
Mittwoch, 18.01.2023 // 19:30
Samstag, 28.01.2023 // 19:30
Samstag, 04.02.2023 // 19:30
Donnerstag, 09.02.2023 // 19:30

Karten und weitere Info: www.theater.freiburg.de

André de Ridder (*1971 in Hof) wuchs in Berlin auf und
studierte unter anderem bei Leopold Hager an der
Musikhochschule Wien und bei Colin Davis an der
Royal Academy of Music in London. Nach dem Studium
folgten Stationen als Dirigent beim Bournemouth
Symphony Orchestra, dem Hallé Orchestra Manchester,
der Sinfonia Viva und dem Copenhagen Philharmonic
Orchestra. Er gastiert regelmäßig bei Festivals wie den
BBC Proms, den Holland, Sydney und Manchester International
Festivals und Orchestern wie dem New York Philharmonic,
dem BBC Symphony Orchestra, dem Orchestre
de Paris und dem Concertgebouw in Amsterdam.
Opernproduktionen führten in u.a. an das Staatstheater
Stuttgart, die Finnish National Opera, die Dutch National
Opera u.v.m. Aktuell ist er künstlerischer Leiter des Musica
Nova Festivals Helsinki, Finnlands größtem internationalen
Festival für Neue Musik.

Mozart Pur mit Bomsori Kim

Ob im Kampfsport oder im Schachspiel Janggi: Die koreanische Geigerin Bomsori Kim liebt Herausforderungen. Aber ihre größte Leidenschaft ist natürlich die Musik. Zu Beginn ihrer Karriere nannte man „Wettbewerbswunder“. Zurecht, denn sie ist Preisträgerin des Internationalen ARD-Wettbewerbs 2013 und Gewinnerin zahlreicher weiterer Wettbewerbe, darunter der Tschaikowski-Wettbewerb und des Concour Reine Elisabeth Brüssel. Diese frühen Erfolge, ermöglichten ihr den Weg auf die internationalen Konzertpodien, auf denen sie mit ihrem warm glühenden Ton ihr Publikum welt-weit begeistert.

Bomsori Kim © Kyutai Shim/DG

Eine besondere Leidenschaft hegt die junge Künstlerin, die kürzlich einen Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon abschloss, für Mozart, den sie als Idealbild einer Naturbegabung und als immer wieder überraschenden Klangschöpfer schätzt. Entsprechend hat sie Mozarts komplette Violinkonzerte auch bei ihren beiden Gastspielen in Stuttgart (26.10.) und Freiburg (27.10) im Programm. Gemeinsam mit dem Kammerorchester Basel wird sie die beiden Violinkonzerte KV 216 &218 interpretieren. Außerdem wird sie am 17. Oktober in einem Konzert mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen zu erleben sein: hier allerdings mit Mozarts Violinkonzert KV 218. Betitelt ist das Konzert in Reutlingen mit „Sinfonische Metamorphosen“. Die Klammer des Programms bildet Carl Maria von Webers Schauspielmusik zu Turandot von Friedrich Schiller, aus der sich Paul Hindemith auch für seine virtuosen Sinfonischen Metamorphosen bediente. Auch für die Sinfonie „Mathis der Maler“, parallel zur gleichnamigen Oper komponiert, griff er auf Fremdmaterial zurück: Ihr Gegenstand ist der Isenheimer Altar des Renaissance-Malers Matthias Grünewald.

Karten: Freiburg: Albert Konzerte, Stuttgart: SKS Russ, Reutlingen: WPR

Jakob Manz

Der junge Dettinger Komponist und Saxophonist überzeugte die Jury mit seinem ausgeprägten und charakterstarken Saxophonspiel und seiner kompositorischen Finesse.

Jakob Manz (c) Thomas Kiehl

Die Entscheidung begründete der bekannte Mannheimer Jazzmusiker und Jury-Vorsitzende Thomas Siffling so: „Jung – dynamisch – aufstrebend und mit einer klaren musikalischen Vision. So könnte man den diesjährigen Preisträger wohl am besten charakterisieren. Sein sehr reifes, ausgeprägtes und charakterstarkes Saxophonspiel, die kompositorische Finesse seiner Arrangements für The Jakob Manz Project und seine Präsenz in der hiesigen Jazzszene haben die Jury überzeugt.“
Jakob Manz (*16. Mai 2001) entdeckte bereits früh seine Leidenschaft für Improvisation und den Jazz. Für sein Talent und außerordentliche Leistungen erhielt er bereits mehrere Preise – jetzt kommt mit dem Landesjazz-Preis Baden-Württemberg ein weiterer dazu.
In Dettingen Erms, am Fuße der Schwäbischen Alb, geboren, begann er 2016 als Jungstudent an die Musikhochschule Stuttgart bei Prof. Christian Weidner. Im März 2018 wurde er als damals 16-jähriger für zwei Jahre Mitglied des Bundesjazzorchesters und er spielte im Landesjugendjazzorchester Baden-Württemberg sowie im Landesjugendensemble Neue Musik Baden-Württemberg. Derzeit studiert er Jazz/Pop Saxophon bei Roger Hanschel an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln.
Als Solist wirkte Manz bei Konzerten in Deutschland und international mit, so u.a. beim internationalen Jazz Festival in Port-au-Prince, beim Jubiläumskonzert „70 Jahre SWR Big Band“ 2022 in der Porsche Arena Stuttgart neben anderen Künstlern wie Gregor Meyle, Curtis Stigers oder Nils Landgren. Auch mit seiner Band The Jakob Manz Project spielt er zahlreiche Konzerte.
2020 erschien das Debut-Album “Natural Energy”, das er gemeinsam mit seiner Band aufgenommen hat. Im Frühjahr 2022 ist unter dem Titel „The Gallery Concert“ ein neues Live-Album mit der herausragenden Pianistin Johanna Summer erschienen.
Die öffentliche Preisverleihung findet am 23. Oktober im Theaterhaus Stuttgart statt. Karten: www.theaterhaus.com

Der Jazz-Preis Baden-Württemberg wird seit 1985 verliehen und ist mit 15.000 Euro einer der bestdotierten Nachwuchspreise für Jazz in Deutschland. Die Auszeichnung geht an Künstlerinnen und Künstler, die nicht älter als 35 Jahre sind und in Baden-Württemberg leben oder durch ihre künstlerische Arbeit eine enge Beziehung zum Land haben.

Tiefgründige Wahrheiten über Machstrukturen und deren Missbrauch

Es ist eine Gabe, so leichthändig die großen Probleme der Menschheit abzuarbeiten. Seit mehr als 60 Jahren schreibt Caryl Churchill an ihrem substanziellen, wirkungsstarken und engagierten Werk. Die Vielfalt ihrer Formen resultiert aus der Vielfalt ihrer Themen. Churchill greift gesellschaftliche, humane, wissenschaftliche und politische Fragestellungen auf.  In diesem Jahr wurde die Grande Dame der britischen Gegenwartsdramatik  für ihr Gesamtwerk mit dem Europäischen Dramatiker:innen Preis 2022 ausgezeichnet.

Die englische Dramatikerin Caryl Churchill Foto: Staatstheater Stuttgart/Marc Brenner

In den 70er-Jahren wurde ihr Schreiben feministisch. Sie begann Gender- und Geschlechterfragen zu stellen, Rassismus und Kolonialismus zu thematisieren. Und ihre Positionen entwickelte sie stetig weiter: „Churchills Stücke sind weiblich im Sinne von anders. Sie sind emotional, ohne sentimental, sensibel, ohne innerlich zu sein; indem Churchill Frauen ganz selbstverständlich als Thema setzt, macht sie klar, dass dieses Thema so selbstverständlich nicht ist.“, schrieb Renate Klett in Theater heute.

„People aren’t evil and people aren’t good. They live how they can one day at a time. They come out of dust they go back to dust, dusty feet, no wings, and whose fault is that?

Zitat  von Caryl Churchill (2008) aus “Plays Four”

In den 1980igern nahm sie den Finanzkapitalismus am Beispiel von London aufs Korn. Aber egal, was auch immer sie in ihren zahlreichen Stücken umtreibt, immer handelt es sich um Machtstrukturen, die sie schonungslos enthüllt und aufzeigt.
Seit Ende der 1990er-Jahre interessiert sie sich vor allem für Osteuropa.
Zu ihren bekanntesten und wichtigsten Werken gehören Cloud 9 (1979), das imperialistisches Denken untersucht, Top Girls (1982) über Frauen in einer Männerwelt, A mouthful of birds (1986), in dem sie zum ersten Mal Sprech- mit Tanztheater verbindet, das Versdrama Seroius Money (1987), Blue Heart (1997), A number (2002) über Fragen des Klonens und der menschlichen Identität. Love and Information (2012) und Ding Dong the Wicked (2013) befassen sich mit grundsätzlichen menschlichen Fragen.
Jedes ihrer rund 40 Stücke ist eine Herausforderung und eine kreative Weiterentwicklung. In der großen Tradition englischsprachiger Literatur schrieb sie scharf exponierte Dialoge genauso wie lautmalerische Textflächen. Ihre Stücke haben surreale, aber auch realistische Züge.
Und noch ist längst nicht Schluss. Caryl Churchill ist bis heute produktiv. Neben der intensiven Zusammenarbeit mit dem Tanztheater, das auf zahlreiche auch kontinentaleuropäische Theatermacher:innen inspirierend wirkte, hat sie mehrfach für Musiktheaterproduktionen gearbeitet.
Mit ihrem formal und inhaltlich anspruchsvollen Werk fordert Caryl Churchill Kritik und Publikum immer wieder heraus. Gratulation von arsmondo an eine der wichtigsten feministische Gegenwartdramatikerinnen, die theatralische Konventionen radikal gesprengt und ganze Generationen geprägt hat.

Und noch: Den Europäische Nachwuchsdramatiker:innen Preises 2022 erhält die junge und vielversprechende ukrainische Dramatikerin Lena Lagushonkova. Ihr Debüt gelang ihr im Jahr 2018 mit ihrem Stück BAZA über Frauen und Prostitution im Rahmen des Festivals Week of Current Art. Ihr bisheriges Werk umfasst acht Stücke und in naher Zukunft möchte sie über Luhansk schreiben, wo sie sieben Jahre lang studiert und gelebt hat.

Die Preisverleihungen und findet am Wochenende vom 18. bis 20. November 2022 im Schauspielhaus der Stuttgarter Staatstheater statt. Das Programm und weitere Informationen: www.schauspiel-stuttgart.de

Caryl Churchill, 1938 in London geboren, studierte in Oxford englische Literatur und begann früh mit dem Schreiben, anfangs für Radio und Fernsehen, dann zunehmend für die Bühne. 1974 wurde sie als erste Frau Hausautorin am Londoner Royal Court Theatre, wo ihr 1979 mit Siebter Himmel der endgültige Durchbruch gelang. Mit ihrem Werk, das theatralische Konventionen sprengt und für das sie vielfach ausgezeichnet wurde (u. a. mit dem Olivier Award und der Aufnahme in die American Theatre Hall of Fame), hat sie ganze Generationen geprägt. Zu ihren bekanntesten Stücken gehören Top Girls (1982), Serious Money (1987), In weiter Ferne (2001), Die Kopien (2002) und Liebe und Information (2012). Ihr Werk wurde bisher in fast 40 Sprachen übersetzt und wird rund um den Globus gespielt. In den letzten Jahren wandte sich Caryl Churchill dem Bereich Musik und Tanz zu und arbeitete mit Musiker:innen und Choreograph:innen zusammen.

Der Europäischen Dramatiker:innen Preis würdigt europäische Dramatiker:innen für ihr herausragendes Gesamtwerk. Er nimmt die dramatische Kunst in Europa in all ihrer Vielfalt in den Blick und versteht sie als verbindendes Element zwischen den europäischen Kulturen. Der hochdotierte Preis wird alle zwei Jahre vom Schauspiel Stuttgart vergeben und vom Kunstministerium Baden-Württemberg gefördert. Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg ist Schirmherr der Auszeichnung. Erster Preisträger im Jahr 2020 war der in Frankreich lebende Dramatiker, Regisseur, Schauspieler und Theaterleiter Wajdi Mouawad.

Plastik. Die Welt neu denken

Ausgezeichnet mit dem Preis »Die schönsten deutschen Bücher« 2022!

Plastik  prägt unseren Alltag  wie kaum ein anderes Material. Lange Zeit stand es für unbeschwerten Konsum, Fortschritt und revolutionäre Neuerungen. Dieses Flair ist längst verloren, denn heute wird sichtbar  was Plastik-Müll als wesentlicher Faktor  in der globalen Umweltkrise anrichten kann. Das Buch Plastik. Die Welt neu denken, das anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Vitra Design Museum entstanden ist, untersucht die Erfolgsgeschichte von Plastik im 20. Jahrhundert. Zugleich bietet es eine Plattform für den Diskurs über unseren heutigen Umgang mit Kunststoffen, den Abfall der dadurch entsteht, und neue Lösungsansätze, die den gesamten Lebenszyklus von Produkten und Materialien berücksichtigen.

Essays beleuchten die Geschichte der Kunststoffe von 1850 bis heute. Eine reich bebilderte Chronologie illustriert, wie unsere Wahrnehmung von Kunststoffen über die Jahrzehnte medial geprägt wurde und sich verändert hat.

Blick ins Buch (c) Vitra Design Museum
Blick ins Buch (c) Vitra Design Museum

Vorgestellt werden 40 ausgewählte Objekten aus namhaften Sammlungen, die für die Bedeutung von Kunststoffen in unserer modernen Lebensumwelt  stehen sowie wichtige Texte aus der Kunststoffhistorie. Hinzu kommen zahlreiche Interviews und Gesprächsrunden, die eigens für das Buch mit Designern, Industrievertretern, Forschern und Umweltaktivisten geführt wurden. Unterfüttert werden diese Gespräche durch umfassende Datenvisualisierungen zur globalen Plastikproduktion und der weltweiten Verbreitung von Kunststoffen.

Hier bestellen
Plastik. Die Welt neu denken
ISBN 978-3-945852-46-0, 49,90 €
Vitra Design Museum
Charles-Eames-Str. 2
79576 Weil am Rhein
T +49.7621.702.3200
www.design-museum.de