PEOPLE

Zum 5-jährigen Jubiläum in Stuttgart zeigt vom 8. November 2024 bis 18. Januar 2025 fünf fotografische Facetten der Porträtfotografie. Die Porträts sind fast ausschließlich im Kontext serieller Projekte entstanden und reichen vom CloseUp und spontanen Entstehungsgeschichten bis zur präzise geplanten Bildkomposition.

Unter den ausgestellten Arbeiten sind Kooperationen mit renommierten Institutionen aus Stuttgart zu sehen: So zeigt Ingrid Hertfelder Porträts in Zusammenarbeit mit dem Schauspiel Stuttgart sowie der Hochschule der Medien, Dennis Kupfer präsentiert die “Legenden” für den VfB Stuttgart und Alwin Maigler arbeitet für seine Fotoserien mit den Tänzer*innen des Stuttgarter Balletts zusammen. Drei der beteiligten Fotografen – Alwin Maigler, Claus Rudolph und Alex Schwander – sind Mitglieder des BFF (Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter e.V.).

Ingrid Hertfelder: Felix Strobel (2024), aus der Serie „Schauspiel Stuttgart 2024/25″

Ingrid Hertfelder befragte die Schauspieler:innen des Schauspiel Stuttgart nach ihren fiktiven Sehnsuchtsorten und porträtiert die Akteur:innen vor dem Green Screen für das nahtlose Verschmelzen von porträtierter Realität und KI-erzeugter Fiktion. Auch Claus Rudolph erschafft Bildwelten, welche zum Träumen einladen. Seine komplexen Inszenierungen sind dabei vor Ort aufgebaut und entstehen meist ohne Retusche.

Claus Rudolph: Auch ich, 2022

Alwin Maigler arbeitet in seiner jüngsten Serie „Nocturne“ erneut mit Tänzer:innen des Stuttgarter Balletts zusammen. Die Balletttänzer:innen sind aus dem Bühnenkontext herausgelöst und erobern den Stuttgarter Stadtraum, wodurch die Motive aus unterschiedlichen Welten zu etwas Neuem verschmelzen.

Alwin Maigler: NOCTURNE, Giulia Frosi / Eva Holland-Nell, 2024

Dennis Kupfer porträtiert in schlichen Nahaufnahmen für den VfB Stuttgart die „Legenden“ der Vereinsgeschichte und stellt damit für die Ausstellung eine Fußballmannschaft zusammen, wie sie real nie gemeinsam auf dem Spielfeld war – ein verlockendes Gedankenspiel.

Dennis Kupfer: Cacau, aus der Serie LEGENDEN des VfB Stuttgart, 2023

Alex Schwander porträtiert in seiner Serie „Kollegen und Kolleginnen“. So begegnen uns Persönlichkeiten wieder, welche bereits in der Leica Galerie Stuttgart ausgestellt haben sowie einen räumlichen oder persönlichen Bezug zur Stadt haben.

Alex Schwander: Ivo von Renner, aus der Serie „Kollegen und Kolleginnen“, 2023

Die Ausstellung „PEOPLE“ ist noch bis zum 18. Januar 2025 in der Leica Galerie Stuttgart (Calwer Straße 41) zu sehen. Die Galerie ist von Montag bis Freitag von 10.00 Uhr bis 18.30 Uhr und Samstag von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Die Werke der Ausstellung sind käuflich zu erwerben.

Ausstellungsansicht (c) Leica
Ausstellungsansicht (c) Leica

Leica Galerie Stuttgart

Die Leica Galerie in Stuttgart, befindet sich in der Calwer Strasse 41, einem belebten Viertel, das mit internationalen Restaurants, Außengastronomie und ausgewählten Fachgeschäften ein beliebter Treffpunkt bei jedem Stadtbummel ist. Auf zwei Ebenen präsentiert Leica hier Fotokunst und Kameratechnik auf höchstem Niveau.

Da Leica für die Kultur der Fotografie steht hat das Bild einen sehr hohen Stellenwert, was in den zwischenzeitlich 24 Galerien weltweit eindrucksvoll dargestellt wird. So lebt auch die Leica Galerie in Stuttgart die Kultur und Qualität der Fotografie. In dem modernisierten Untergeschoss, das noch einen Blick auf die historischen Kellerwände bietet, werden in ca. vierteljährlichen Rhythmus hochkarätige Fotoausstellungen deutscher und internationaler Fotografen gezeigt.

Klicken Sie hier für einen Virtueller Rundgang durch die Ausstellung.

Weihnachten, Silvester & Neujahr

Wohin an Weihnachten, Silvester und Neujahr? Hier finden Sie ganz besondere Bühnen-Tipps unserer Redaktion…

A Christmas Carol – Eine Weihnachtsgeschichte
Musical von Alan Menken
Wer kennt sie nicht – Charles Dickens’ berühmte Geschichte über den geizigen Geldverleiher Ebenezer Scrooge der Weihnachten hasst und schließlich durch drei Geister – darunter sein verstorbener Geschäftspartner Jacob Marley – bekehrt wird. 1994 wurde es erstmals als Musical für die ganze Familie im Paramount Theatre in New York uraufgeführt. Komponist Alan Menken der bereits die Songs für die Musical-Welterfolge wie „Der kleine Horrorladen“, „Die Schöne und das Biest“, „Aladdin“ und „Pocahontas“ komponiert hat schrieb die Songs dazu. 2016 erlebte „A Christmas Carol“ in London seine europäische Premiere. Am Theater Pforzheim wird es ab 20. November zum ersten Mal in deutscher Sprache zu erleben sein.
Alle Termine und weitere Info: www.theater-pforzheim.de

Zum Jahreswechsel versprechen die Silvester- und Neujahrskonzerte des Philharmonischen Orchester des Theater Heidelberg mit dem Thema „Alles Walzer!“ eine festliche Atmosphäre. Vier Bachchor-Konzerte in der Peterskirche bieten geistliche Musik, darunter das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach.

German Brass „It´s Christman Time
Europas erfolgreichstes klassisches Brass-Ensemble ist gerade auf großer Jubiläumstournee – es feiert sein 50-jähriges Bestehen. Als Pionier unter den Brass-Ensembles hat German Brass seit seiner Gründung 1974 nicht nur Musikgeschichte geschrieben, sondern durch die herausragende Virtuosität und das feine Gespür für die individuelle Bearbeitung von Stücken die Brass-Szene über Jahrzehnte hinweg geprägt. „Bach on Brass“ wurde mit dem ECHO-Klassik ausgezeichnet. Mit seinen Arrangements voller Humor und Fantasie sowie seinen spielfreudigen Klangexperimenten begeistert es jetzt auch wieder mit der Tournee „It‘s Christmas Time“. Im Weihnachtskonzert des Ensembles werden Werke von Bach, Humperdinck, Tschaikowsky u.a. zu erleben sein sowie Hits und Klassiker aus der internationalen weihnachtlichen Musiklandschaft.

German Brass, Foto: Sony

German Brass – It‘s Christmas Time – 50 Jahre Jubiläumstour
19.12., 20:00 Freiburg Konzerthaus
21.12., 20:00 Mannheim Rosengarten
28.12., 19:00 Stuttgart Liederhalle
Details und Karteninfo: https://german-brass.de

Musikalisch beschwingt ins Neue Jahr
mit dem Südwestdeutschen
Kammerorchester Pforzheims 

Das traditionelle Dreikönigskonzert des Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim 6. Januar 2025 (Beginn 17.00 Uhr) findet wieder in der Ev. Matthäuskirche im Pforzheimer Stadtteil Arlinger statt. Die von Egon Eiermann geschaffene Kirche eignet sich aufgrund ihrer besonderen Atmosphäre und hervorragenden Akustik bestens für Konzerte. Solistin bei Mendelssohns berühmtem e-Moll-Violinkonzert ist die
russisch-schweizerische Geigerin Maria Solozobova. Sie wurde in Moskau geboren und lebt heute in der Schweiz. Sie studierte am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium, Zürich und an der Musikakademie Basel. Bereits während des Studiums war sie als 1. Konzertmeisterin beim Orchestre de la Suisse Romande tätig. Sie ist Gewinnerin mehrerer renommierter internationaler Musikwettbewerbe. Ihre glanzvolle Karriere führte sie u.a. in die Victoria Hall Genf, die Berliner und die Kölner Philharmonie, den großen Saal des Tschaikowsky-Konservatoriums Moskau und in den Musikverein Wien. Martha Argerich, Mischa Maisky, Yuri Bashmet, Vladimir Ashkenazy und Sol Gabetta zählt sie zu Ihren musikalischen Partnern. Der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten

The Best of Black Gospel
Unter dem Motto „The Best of Black Gospel“ vereint dieser Chor eine Auswahl der besten Gospelsänger und -sängerinnen aus den USA. Seit 1999 geht der Chor für zwei Monate auf Europatournee und gastiert auch 2024 wieder in der Vorweihnachtszeit, instrumental begleitet mit den bekanntesten und schönsten Gospelsongs auch in BW. So zum Beispiel am Sonntag, den 15.12.24
um 17 Uhr im Festsaal PREDIGER in Schwäbisch Gmünd.
Karten: www.reservix.de. Weitere Informationen und Tourdaten:
www.bestofblackgospel.de

The Christmas Playlist
Stuttgarter Kammerorchester & Gwilym Simcock , Jazz-Piano und Leitung
Gwilym Simcock, studierter Pianist, Waldhornist und Komponist und ist nun selbst einer der bedeutendsten Jazzmusiker seiner Generation. Nach der SKO-Sternstunde 2022 „Der Simcock-Effekt“ (ab der ersten angeschlagenen Taste vergisst man die Zeit) ist der walisische „Jazz-Superstar“ jetzt wieder zu Gast und sorgt gemeinsam mit dem Stuttgarter Kammerorchester für die perfekte Stimmung in den letzten Tagen vor dem Fest. Denn was gibt es Anrührenderes als die Pastorale in Corellis Weihnachtskonzert und englische Christmas Carols in neuem Sound-Gewand? Zu Corellis Concerto grosso und seiner Christmas Playlist bringt Simcock außerdem ein eigenes neues Stück mit, sozusagen als Weihnachtsüberraschung.
19. Dezember 2024 20:00, Hospitalhof Stuttgart

Gwilym Simcock at his studio at home, Foto: Gregor Hohenberg

Best of Christmas Swing
Mit ihrem Programm „Best of Swing“ hat die Berliner Kult-Formation Andrej Hermlin and his Swing Dance Orchestra eine wunderschöne Revue geschaffen. Darunter sind berühmte amerikanische Swingmusik der 1930-er und 1940-er Jahre von Glenn Miller, Benny Goodman u. a. Im Konzert in der Stuttgarter Liederhalle werden sie originalgetreu dargeboten – mit maßgeschneiderter Garderobe, alten Mikrofonen und
Originalinstrumenten. Dazu kommen Weihnachtsklassiker wie „Winter Wonderland“, „Let It Snow“, „White Christmas“ und „Jingle Bells“.
Samstag, 28. Dezember 2024, 19:00 Uhr Liederhalle, Hegel-Saal,
Karten & weitere Info: www.stuttgartkonzert.de

Swing Dance Orchestra © Uwe Hauth

Weihnachtskonzert im Konzil Konstanz
mit Fernsehstar Oliver Wnuk
Die Bodensee Philharmonie füllt unter der Leitung ihres Chefdirigenten Gabriel Venzago mit ihrem Weihnachtskonzert am Sonntag, 22. Dezember das Konstanzer Konzil mit festlicher Musik von Bach (Ouvertüre Nr. 2 h-Moll, BWV 1067), Ottorino Respighi und Igor Strawinsky. Während bei Bach das Feierliche und bei Strawinskys Konzert für Violine und Orchester D-Dur die Virtuosität im Mittelpunkt stehen, lässt Respighis „La boutique fantasque“ (Der Zauberladen) bereits jetzt an die schönsten und süßesten Geschenke denken. Der gebürtige Konstanzer Film- und Fernsehschauspieler Oliver Wnuk (bekannt u.a. aus der ZDF-Krimi-Reihe „Nord Nord Mord“) wird dazu eine etwas andere Weihnachtsgeschichte erzählen. Beginn ist 18.00 Uhr. Karten: Tourist-Information Konstanz

Haller Neujahrs-Varieté
In den letzten Jahren war das Varieté im Haller Globe Theater ein großer Erfolg, alle – vom Publikum bejubelten – Vorstellungen waren ausverkauft. Nun konzipiert Regisseurin Birgit Busse auch für diesen Winter wieder eine neue Show und engagiert dafür internationale Künstlerinnen und Künstler. Atemberaubende Akrobatik und gewagte Jonglagen, beeindruckende Tanzeinlagen und spektakuläre Zirkusartistik und witzige Clownsnummern werden in einem neuen Programm ab Silvester in die wunderbare Welt des Varietés aus Bewegung, Licht und Klang entführen. Wiederum begleitet von den jungen Stars des Haller „Circus Compostelli“. Für die Livemusik sorgen abermals die Musiker des Neuen Globe Orchesters um Stephan Kraus.
Premiere: 31.12.2024, Weitere Vorstellungen: 1., 2. , 3., 4., 5. und 6. Januar
2025, jeweils um 19.30 Uhr, Karten und Info: Touristik Schwäbisch Hall

Eine Silvestergala
zum 200. Geburtstag von Johann Strauß (Sohn) veranstaltet die
Württembergische Philharmonie Reutlingen mit Werken von Johann
Strauß (Vater und Sohn), Josef Strauß, Eduard Strauß, Emile Waldteufel und
Carl Michael Ziehrer.
31. Dezember 2024 18.00 Uhr, Reutlingen Konzerthaus

O(H) WALD

Der Wald als Idylle, Kraftort und ein Ort der Mythen wird vom Menschen geliebt und wertgeschätzt. Dem gegenüber steht die permanente Zerstörung des sensiblen Naturraumes. Die Ausstellung „O(h) Wald“ in Offenburg zeigt künstlerische Positionen, die diese Ambivalenz im Umgang mit dem Wald thematisieren. Die ausgewählten Künstler*innen gehen dabei unterschiedlich auf die komplexe und oft widersprüchliche Beziehung zum Wald ein. Ihre Werke thematisieren die Schönheit, Macht und gleichzeitig Zerbrechlichkeit der Natur und stellen die Rolle des Menschen als Teil und gleichzeitig Zerstörer dieser natürlichen Welt dar.
Die Ausstellung zeigt in insgesamt 9 Räumen auf 400 Quadratmetern an die 50 Werke. Das Raumkonzept nimmt dabei die Ambivalenz des Themas auf: so finden sich im ersten Teil der Schau Arbeiten, die den Wald als Idylle zeigen, im weiteren Verlauf sind es eher dystopische Bilder, in die man als Besucher*in eintaucht.

Anne Carnein A tale of beginning (Detailansicht) 2024 Stoff, Garn und Draht 80 x 70 x 60 cm Foto: Anne Carnein

Anne Carnein interpretiert Pflanzen, wie Farne und Pilze in Skulpturen aus recycelten Textilien und verweist so auf den Kreislauf des Lebens und die Bedeutung von Nachhaltigkeit.

Mariele Neudecker I Don’t Know How I Resisted the Urge to Run 1998, Installation, Glas-Tank auf Sockel, 188 x 91 x 76cm, Foto: Mariele Neudecker

Mariele Neudecker stellt in ihrem Glaskasten mit Waldlandschaft das Bekannte dem Unbekannten gegenüber und ermöglicht unterschiedliche Perspektiven.

Martin Sander Wald 2024, Öl auf Holz, 30 x 40 cm, Foto: Martin Sander

Martin Sander hält in den vielen Variationen seiner in Öl gemalten Waldstücke vor allem die Stimmung der Naturlandschaft fest.

Christine Brunella Poem 2021, Tusche auf Pappe, Epoxidharz, 48 x 35 cm, Foto: Christine Brunella

Christine Brunella hingegen weckt in den zarten Zeichnungen mit Epoxidharz ein Gefühl der Zugehörigkeit des Menschen zur Natur und zeigt, wie das Staunen über die natürliche Welt ein Gefühl von Erdung und Stärke vermitteln kann.

Malgosia Jankowska Wald im Winter 2011, Aquarell und Filtzstift auf Papier, 120 x 150cm, Foto: Malgosia Jankowska

Malgosia Jankowska bringt in ihren großformatigen Tuschearbeiten die mystischen Aspekte der Natur zum Ausdruck, inspiriert von Märchen und Sagen.

O(H) WALD
9.11.24 – 27.4.25
Städtische Galerie Offenburg
Amand-Goegg-Str. 2 / Kulturforum
77654 Offenburg
Tel. + 49 781 82 2040
galerie@offenburg.de
www.galerie-offenburg.de
Öffnungszeiten: Mi–Fr 14–18 Uhr, Sa/So 11–17 Uhr
geschlossen am 24./25./31.12.24 / 1.1.25 & 18.4.25

Rahmenprogramm: 

Langer Kunstabend
Fr 17.1.25, 18-22 Uhr
Eintritt frei

Vortrag: Das Motiv des Waldes in der
Kunstgeschichte
Do 23.1.25, 18.30 Uhr

Lesung und Harfenspiel:
Die Magie des Waldes
Do 30.1.25, 17 Uhr
12€ inkl. Eintritt

Vortrag NABU: Der Wald im Klimawandel
Familientag: Komm und Schau!
So 23.2.25, 14-17 Uhr

Waldbaden mit Waldgenuss
Sa 15.3.24, 10-14.30 Uhr
Kein Eintritt, um Spenden wird gebeten

Waldspaziergang für Familien NABU:
Der Wald erwacht
Fr 21.3.25, 15 -17 Uhr
Kein Eintritt, um Spenden wird gebeten

Lange Nacht der Kultur
Fr 4.4. 25, 18-24 Uhr
Eintritt frei

Waldkonzert: MUTUALFIELDS
Fr 11.4. 25, 20 Uhr
Eintritt frei

Sheku Kanneh-Mason

London, New York, Toronto, Amsterdam, Hamburg – Artist in Residence beim Berliner Konzerthaus – Der talentierte britische Cellist Sheku Kanneh-Mason ist weltweit gefragt in der Klassikszene. Ein wichtiger Auftakt zu seiner internationalen Bekanntheit war sein Auftritt bei der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle im Jahr 2018. Im Dezember kommt er zu einem Konzert nach Freiburg – Höchste Zeit also ihn vorzustellen…

Sheku Kanneh-Mason, Foto: Ollie Ali

Keine Frage – er zählt zu den Popstars unter den jungen Klassik-Talenten: Cellist Sheku Kanneh-Mason. Wer den jungen Musiker erlebt, ist sofort gefangen von seiner mit Bescheidenheit gepaarten Coolness, weil er auch schon mal mit Turnschuhen zur Probe kommt – aber wenn er zu spielen beginnt, wird einem schnell klar, über wie viel Ernsthaftigkeit und Reife er verfügt. Da ist einer, der beherrscht sein Instrument – technisch mühelos und klanglich berückend schön – und doch spürt man, wie er um jede Nuance ringt und wie leidenschaftlich und sorgsam er sich jeder Interpretation eines Stücks nähert.
Sheku wurde in eine musikalische Familie hineingeboren und begann bereits mit sechs Jahren, Cello zu spielen.
Als Sohn eines Doktors aus Antigua und einer ehemaligen Universitätslektorin aus Sierra Leone wurde auch auf seine Schulausbildung viel Wert gelegt: Er besuchte die Trinity School in Nottingham, seinem Geburtsort, und schloss die Fächer Mathematik, Physik und Musik mit Bestnoten ab. Bereits im Alter von neun Jahren gelang es ihm, eine Celloprüfung mit höchster Auszeichnung zu absolvieren und konnte sich so ein Stipendium an der Royal Academy in London sichern. Zurzeit lernt er bei der mehrfach preisgekrönten Cellistin Hannah Roberts in London an der Royal Albert Hall of Music.
Seitdem hat Sheku Kanneh-Mason einen beeindruckenden Karriereweg eingeschlagen. 2016 gewann er als erster schwarzer Musiker den „BBC Young Musician oft the Year“ mit Dimitri Schostakowitschs Cello Konzert Nr. 1 und auch den „Royal Philharmonic Society Young Instrumentalist Duet Prize“. Kurze Zeit später unterzeichnete er seinen ersten Plattenvertrag bei Decca Classics sowie einen Vertrag bei der Managementagentur Enticott Music Management. Ein Jahr darauf triumphierte er in der Kategorie Klassik bei den South Bank Sky Arts Awards und im Jahr 2018 konnte er sowohl den Preis für „Male Artists of the Year“ als auch den „The Critic´s Choice Award“ der Classic Brits Awards entgegennehmen. Im gleichen Jahr veröffentlichte er seine erste EP, bestehend aus drei Titeln.
Und was macht das 24jährige Ausnahmetalent In seiner freien Zeit? Er mag Fußballspiele, Essen gehen mit Freunden oder Familienurlaube auf Antigua. Wichtig ist ihm aber auch, mithilfe seiner Stimme die Welt aktiv zu verbessern: So setzt sich der junge Musiker immer wieder für soziale Projekte ein, insbesondere für Gleichberechtigung und Chancengleichheit.
Auftritte hatte er bereits bei namhaften Orchestern wie dem London Philharmonic Orchestra oder dem BBC Symphony Orchestra. Konzerte gab er u. a. in der Carnegie Hall, im Concertgebouw Amsterdam, der Berliner Philharmonie, der Elbphilharmonie, dem Wiener Musikverein, der Tonhalle Zürich und bei Festivals wie dem Lucerne Festival, dem Verbier Festival und dem Rheingau Musik Festival.
Angesprochen auf seinen Auftritt in der Kirche des royalen Hochzeitsspektakels von Meghan und Harry, sagt er, dass er natürlich unendlich dankbar für diese Chance gewesen sei, schließlich hätte sie ihn über Nacht weltweit bekannt gemacht und ihm viele Türen geöffnet, aber natürlich hoffe er, dass er Menschen damit vor allem motivieren könne, seine Konzerte zu besuchen.
Welch große Hoffnungen auf ihn gesetzt werden und welch Ausnahme-Talent er darstellt, zeigt auch sein Cello. Es ist über 300 Jahre alt und über 3 Millionen Euro wert – „es war Liebe beim ersten Spiel“, so Sheku Kanneh-Maso. Er liebt den runden dunklen Klang seines Instruments, das aus der berühmten Werkstatt von Matteo Goffriller, einem venezianischen Geigenbauer stammt, der durch die herausragende Qualität seiner Celli berühmt wurde. Sheku Kanneh-Maso steht damit in einer prominenten Reihe: Édouard Lalo, Niccolò Paganini und Pablo Casals sind nur einige Musiker, die Goffriller-Instrumente spielten, ebenso wie Yo-Yo Ma, Gautier Capuçon, Daniel Müller-Schott, Valentin Erben, und Sol Gabetta. Ermöglicht wurde dies durch mehrere Sponsoren und vermittelt durch den renommierten deutschen Geigenbauer Florian Leonhard.

Sheku Kanneh-Mason, Foto: Ollie Ali

Doch nicht nur das: Auch mit seinen sechs Geschwistern, die ebenfalls alle ein Musikinstrument spielen, trat Sheku Kanneh-Maso 2015 unter dem Namen „The Kanneh-Masons“ bei der Talentshow „Britain´s got Talent“ als kleines Ensemble auf. Gemeinsam schafften sie es bis ins Halbfinale. Durch diese Show wurde Sheku Kanneh-Mason entdeckt und spielte im November 2016 die Hauptrolle in der britischen Dokumentation „Young, gifted, classical: The Making of a Maestro“, was zu seiner weiteren Popularität beitrug.
Seine außergewöhnliche Begabung zeichnet sich auch durch ihre Vielseitigkeit aus, verschiedene Musikgenres wie Klassik, Reggae und New Classics miteinander zu verbinden.

Konzert am 20.12.2024 um 20:00 Uhr 20 im Konzerthaus Freiburg
Programm: Elgar, Cellokonzert e-Moll op. 85
Brahms, Symphonie Nr. 4 e-Moll op. 9
Sheku Kanneh-Mason, Violoncello; Christoph Eschenbach, Dirigent; SWR Symphonieorchester
Karten: Albert Konzerte.
Weitere Info: Sheku Kanneh-Mason hat bereits mehrere CDs bei Decca eingespielt. Wer mehr über ihn erfahren will kann außerdem seine Profile in tik tok, Instagram, Youtube etc. oder seine Website besuchen.

THE hidden LÄND

Baden-Württemberg ist heute die Heimat für mehr als 11 Millionen Menschen. Doch wie lebte es sich hier vor 2000 Jahren? Und was verbindet uns heute noch mit der Vergangenheit? Auf Spurensuche begibt sich dazu die Große Landesausstellung „THE hidden LÄND“ im Herzen von Stuttgart, im neu sanierten Kunstgebäude am Schloßplatz.

Goldmünze mit römischem Kaiserbild, die als Totengabe auf dem Kinn eines ungefähr fünf Jahre alten Mädchens lag (Sülchen) © Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart / Christoph Schwarzer

Nach dem Ende des Römischen Reichs fielen dessen Provinzen nördlich der Alpen in ein dunkles Zeitalter. So die weit verbreitete Meinung.

Blick in die Ausstellung (verschiedene Ansichten) © Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg / Simon Neßler

Die Große Landesausstellung „THE hidden LÄND – Wir im ersten Jahrtausend“ wirft einen ganz anderen Blick auf diese Zeit. Basierend auf Entdeckungen und Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte führt uns die archäologische Forschung zurück in ein Jahrtausend voller Umbrüche, Schicksale, aber auch Entwicklungen, die noch heute die Basis unseres Lebens sind. Die Ausstellung bietet einen spannenden Rundgang über 850 m², der neben wertvollen Objekten aus Sammlungen und Beständen der Kooperationspartner auch Neufunde – und zur Schärfung der Inhalte außerdem eine Reihe von herausragenden nationalen und internationalen Leihexponaten enthält.

Blick in die Ausstellung (verschiedene Ansichten) © Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg / Simon Neßler

Nicht nur prachtvolle Schatzfunde, sondern gerade auch Alltagsgegenstände oder ausgefallene Einzelobjekte vermögen spannende Geschichten zu erzählen.
Neben Schätzen und Kostbarkeiten von nationaler Bedeutung, werden auch Funde internationaler Leihgeber gezeigt. Ein besonderes Highlight hierbei sind Funde aus Fürstengräbern im ukrainischen Kariv. Sie sind erstmals in Deutschland zu sehen und werden vom Museum für Geschichte und Heimatkunde in Vynnyky zur Verfügung gestellt. Die Objekte stammen aus germanischen Gräbern des ersten und zweiten nachchristlichen Jahrhunderts. Sie sind Prestigeobjekte ihrer Zeit, die eine europaweit vernetzte und auch überregional agierende Elite zur Darstellung von Status und gehobener Lebensführung nutzte.

Inventar eines Männergrabes mit Waffen- und Reitausrüstung, Goldblattkreuz und bronzener Griffschale, Lauchheim, Mitte 7. Jahrhundert n. Chr. © ALM Baden-Württemberg, M. Schreiner
Blick in die Ausstellung (verschiedene Ansichten) © Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg / Simon Neßler

Das Kunstgebäude Stuttgart ist als Haupt- und Gründungswerk der Stuttgarter Schule ein wichtiger Teil des Architekturensembles des Schloßplatzes und gilt als eine der schönsten Bogenhallen nördlich der Alpen. Das Gebäude ist mit dem von einer Skulptur – ein goldener Hirsch – des Bildhauers Ludwig Habich gekrönten zwölfeckigen Turm ein besonderer Blickfang. Der über 20 Meter hohe Kuppelsaal des Gebäudes ist eindrucksvoll in die Ausstellungsgestaltung integriert.
Tipp: Im Rahmen eines geführten 60-minütigen Rundgangs mit fachkundigen Guides kann man in die spannende Zeit des ersten Jahrtausends eintauchen. Sie bringen vermitteln informativ und spannend, was das damalige Leben im Großen wie im Kleinen prägte.
Unabhängig von den historischen Quellen über wichtige Männer und große Schlachten geht die Bodenforschung in die Tiefe und erzählt anhand von geborgenen Alltagsgegenständen, Bestattungen, aber auch wertvollen Schätzen vom Leben der damaligen Menschen.
1.500 Exponate aus Baden-Württemberg werden gezeigt – sie gehören zum reichen archäologischen Erbe.

Im Ausstellungshop, gibt es den Ausstellungskatalog
sowie ausgesuchte Produkte zum Verschenken und Selbstbehalten.
Im reich bebilderten Begleitband zur Ausstellung THE hidden LÄND – Wir im ersten Jahrtausend (304 Seiten, 300 Abbildungen; gebunden, 29 €, auch im Buchhandel) finden sich Essays und fundierte Beiträge über eine längst vergangene Epoche, in der die Grundlagen unserer modernen Welt gelegt wurden.
Über das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg
Das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg präsentiert die südwestdeutsche Landesarchäologie und stellt auf anschauliche Weise auch die Methoden und Ergebnisse moderner archäologischer Forschung vor. Der Bogen spannt sich dabei von den Pfahlbauten des 4. Jahrhunderts v. Chr. an den Voralpenseen bis zur Mittelalterarchäologie in den alten Städten des Landes. Dem Museum sind sieben archäologische Zweigmuseen in Aalen, Bad Buchau, Blaubeuren, Oberriexingen, Osterburken, Rottweil und Walheim zugeordnet. Das ebenfalls angegliederte Zentrale Fundarchiv in Rastatt hat die Aufgabe, archäologische Fundstücke aus ganz Baden-Württemberg zu verwalten.


Die Große Landesausstellung „THE hidden LÄND – Wir im ersten Jahrtausend“ ist eine Ausstellung des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg und des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart.

Dauer: bis 26. Januar 2025 im Kunstgebäude Stuttgart
Di., Mi., Fr., Sa., So., Feiertage: 10 – 17 Uhr, Donnerstag: 10 – 19 Uhr

Alle Informationen: 
www.thehiddenlaend.de

Titel-Foto Beitrag © Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg
Keyvisual: JvM Neckar / Visuelle Kommunikation: Z10 Design Studio

Schauspiel Premieren

Ein Überblick über aktuelle Premieren im Land
Im Theater Heidelberg steht der „Der kaukasische Kreidekreis“ von Bertolt Brecht auf dem Spielplan. Und damit auch wieder ein Klassiker der Theaterliteratur, der nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Inmitten eines blutigen Putsches und Bürgerkriegs in Georgien findet die Küchenmagd Grusche ein kleines Kind, das in den Wirren von Flucht und Vertreibung zurückgelassen wurde. Sie nimmt es an sich und flieht mit ihm ins Gebirge, um das Kind zu schützen, da auch Nachkommen und Erben des abgesetzten Gouverneurs bedroht sind. Nach dem Bürgerkrieg erhebt die Gouverneursfrau Anspruch auf das von ihr geborene Kind. Entstanden 1944 und immer wieder aktualisiert und überarbeitet, erzählt Bertolt Brechts große Parabel begleitet von der Musik Paul Dessaus von Mutterschaft und Mutterliebe, aber auch von Gerechtigkeit und Recht, von Krieg und Flucht.
Auch das Schauspiel „Planet B“ am Theater Heidelberg verspricht spannende Theaterunterhaltung. Der Bick der israelischen Regisseurin und Autorin Yael Ronen in die Zukunft ist mehr als skurril: 40 Millionen Jahre, nachdem die Menschheit ausgestorben ist, blicken humanoide Wesen mit archäologischer Neugierde zurück auf das 21. Jahrhundert: Sie rekonstruieren den Showdown des Homo sapiens. Einzelne Vertreter*innen verschiedenster Gattungen traten damals in einer gigantischen Reality-Survival-Show zum Kampf im Massenartensterben an. Die Menschheit wurde durch Boris Baumann repräsentiert, Versicherungsvertreter aus Bremen. Boris hatte es nicht leicht im Kampf gegen Panda, Huhn, Ameise, Fledermaus, Fuchs und Krokodil … Yael Ronen entwickelt regelmäßig analytisch genaue, höchst unterhaltsame Gegenwartsdramatik. In der Regie von Cilli Drexel kommt eine Neuinszenierung mit Live-Band in Heidelberg auf die Bühne (Premiere am 13. Dezember) — ein gleichermaßen berührendes, skurriles und aufrüttelndes Gedankenspiel zum fortschreitenden Klimawandel.

Fotostrecke Spielzeitheft des Nationaltheater Mannheim – David Smith (Schauspiel), Amelia Scicolone (Oper), Raphael Wittmer (Oper) | Kunsthalle Mannheim, Foto: Maximilian Borchardt

Das Nationaltheater Mannheim feiert mit „Fragment Felix — Ein Leben zwischen Kunst und Krieg“ von Christian Franke unter Verwendung der Schriften Felix Hartlaubs am 6. Dezember seine Uraufführung. Sie ist zugleich Auftakt der Kooperation u.a. mit der Kunsthalle Mannheim anlässlich des großen Mannheimer Kulturthemas „Neue Sachlichkeit“, eine stilbildende Epoche, die 2025 ihr 100jähriges Jubiläum feiert. In „Fragment Felix“ steht das kurze Leben von Felix Hartlaub im Mittelpunkt. Ein Stück Mannheimer Stadtgeschichte, ein Leben zwischen zwei Weltkriegen, dem Führerhauptquartier und der Kunst: Felix’ Vater, der Kunsthallendirektor Gustav Friedrich Hartlaub, eröffnete 1925 die Ausstellung »Die Neue Sachlichkeit«. Diese sollte einer ganzen Kunstepoche ihren Namen geben. Kurz nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde er aus seinem Amt entlassen. Trotzdem empfahl er seinem Sohn, sich mit dem neuen System zu arrangieren. Felix, der schon in seiner Jugend den Wunsch gehegt hatte, Schriftsteller zu werden, arbeitete zunächst als Kriegshistoriker. Er verfasste schließlich im Führerhauptquartier Teile des Kriegstagebuchs des Oberkommandos der Wehrmacht. Seine Spuren verlieren sich kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs in den Wirren der Kämpfe um Berlin. „Fragment Felix“ greift ausgewählte Lebensstationen von Felix Hartlaub auf, die sein Verhältnis zum Vater, seine eigene künstlerische Entwicklung als Schriftsteller und seine Rolle im Nationalsozialismus zeigen. So werden in den Räumen der Kunsthalle Mannheim nicht nur ein Stück Stadtgeschichte, deutsche Geschichte und Kunstgeschichte wieder lebendig, sondern auch das Schicksal der Familie Hartlaub.

Das Schauspiel Stuttgart bringt mit „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert einen modernen Klassiker auf die Bühne (Premiere am 1. November 2024). Viele könnten das Stück noch aus ihrer Schulzeit kennen, denn es immer wieder Lektüre im Deutschunterricht. Borchert erzählt darin vom Schicksal des jungen Beckmann, stellvertretend für eine ganze Generation, was „Heimkehren“ für Soldaten aus dem 2. Weltkrieg bedeutet. Wie kann man als Soldat nach all den Greul weiterleben? Wie geht die Familie damit um? Zu Hause ging das Leben weiter – nur eben ohne ihn. Seine Frau hat jetzt einen anderen, der ihr das Bett wärmt. Seine Eltern sind tot. Was also bleibt so einem noch, den keiner mehr will? Ein Selbstmordversuch in der Elbe misslingt, denn da ist plötzlich noch „der Andere“, der ihm von nun an nicht mehr von der Seite weichen wird und aufpasst, dass er sein Leben nicht mehr so schnell wegwirft. „Draußen vor der Tür“ ist ein sprachliches und poetisches Meisterwerk, das bei der Uraufführung 1947 als „Aufschrei einer ganzen Generation“ verstanden wurde. Der Autor war achtzehn Jahre, als der Krieg ausbrach, und vierundzwanzig, als er zu Ende war. Zwei Jahre blieben ihm noch, um gegen die Lügen, das falsche Pathos und Heroismus anzuschreiben, bevor er mit nur sechsundzwanzig Jahren an den Folgen des Krieges starb.

James Brown trug Lockenwickler, Foto: Marc Lontzek / Theater Ulm

 

In dem Stück mit dem ungewöhnlichen Titel „James Brown trug Lockenwickler“ von Yasmina Reza am Theater Ulm (ab Oktober) versucht ein Ehepaar ihren halbwüchsigen Sohn mittels Therapie von seiner Identitätskrise zu befreien. Nachdem er mit fünf Jahren zum ersten Mal einen Song des kanadischen Superstars Céline Dion im Radio hörte, ist Jacob nun davon überzeugt, selbst die erfolgreiche Sängerin zu sein. Im Therapiezentrum findet er einen Freund, den weißen Jungen Philippe, der meint, schwarz zu sein. Die beiden Teenager akzeptieren sich gegenseitig in ihren gewählten Identitäten. Die Eltern schwanken zwischen Akzeptanz und Hilflosigkeit, schließlich geht es um den Erhalt ihres eigenen Weltbilds. Das Stück der für Gesellschaftskomödien bekannten Autorin handelt von Identität oder Individualität — je nachdem, wo man steht. Komisch und traurig zugleich, wie immer bei Yasmina Reza.

Die Badische Landesbühne in Bruchsal feiert in dieser Spielzeit 100-jähriges Jubiläum. Dafür hat sie u.a. das Stück „Die Affäre Rue de Lourcine“ von Eugène Labiche ausgewählt. Ein feuchtfröhliches Klassentreffen beschert zwei alten Schulfreunden einen gewaltigen Filmriss. Die Morgenzeitung füllt die Gedächtnislücke: In der Rue de Lourcine wurde letzte Nacht ein Mord begangen. Sind sie die Täterinnen? Die im wahrsten Sinne des Wortes „berauschende“ Komödie feiert Premiere in der Übersetzung von Elfriede Jelinek am 23. November 2024.
Apropos Elfriede Jelinek: Am Theater Konstanz feiert am 7. Dezember das Stück „Angabe der Person“ Premiere. Ein mittlerweile eingestelltes steuerliches Ermittlungsverfahren wurde für die Dramatikerin zum Anlass, auf ihre „Lebenslaufbahn“ zurückzublicken. Sie verwebt ihren eigenen persönlichen „Steuerfall” und ihre kraftvolle Empörung darüber mit den Absurditäten der Vergangenheit und Gegenwart. Jelinek erzählt von Flucht und Verfolgung ihrer zum Teil jüdischen Familie, von alten und neuen Nazis. Ihr Nachdenken führt aber auch zum Nachvollziehen globaler Finanzströme: von Steuersparmodellen oder handfesten Betrugsskandalen, von Cum-Ex-Geschäften bis zu Wirecard.
Im Theater Baden-Baden ist ab 26. Oktober Kästners Klassiker „Drei Männer im Schnee“ zu erleben: eine Verwechslungsgeschichte mit vielen Irrungen und Wirrungen rund um den Milliardär Tobler. Dieser liebt die einfachen Dinge. Dafür mietet er sich in einem Luxushotel in den Bergen ein, jedoch als „einfacher Mann“ unter falschem Namen. Weitere Männer im Schnee: ein kreativer und arbeitsloser junger Mann, der für einen Millionär gehalten wird und ein Diener, der einen Millionär spielen soll, aber um keinen Preis einer sein will. Erich Kästner veröffentlichte das Motiv der Geschichte zuerst als tragische Erzählung unter dem Titel „Inferno“ 1927. 1934 arbeitete er den Stoff zu dem heiteren Roman und später auch zum Theaterstück um. Spätestens seit der Verfilmung 1955 ist „Drei Männer im Schnee“ eines seiner beliebtesten Werke.
Die Württembergische Landesbühne Esslingen widmet sich ab Oktober mit dem Stück „Die Grube“ von Ingrid Bachér einem ernsten Thema mit politischer Brisanz: Über 20 Jahre schrieb die Autorin an ihrem 2009 veröffentlichten Roman über das Schicksal der Menschen im Braunkohletagebau-Revier. Nicht erst seit den Protesten in Lützerath 2023 ist ihre Geschichte hochaktuell und brisant. Das Schauspiel zeigt anhand von Einzelschicksalen, was es heißt, wenn zigtausende Menschen ihre Heimat verlieren. Dabei beleuchtet es auch die Rolle der mächtigen Konzerne und der ihnen dienenden Politik, vom Widerstand im Kleinen und der Ergebung im Großen.
Das Alte Schauspielhaus in Stuttgart präsentiert mit „Seemannsgarn“ ein neues Singspiel. In „Die Comedian Harmonists“ feierte das Ensemble bestehend aus fünf jungen Sängern und ihrem Pianisten bereits einen Riesenerfolg am Haus, nun kehren sie mit dieser Uraufführung, die eigens für sie konzipiert wurde (ab 6. Dezember) nach Stuttgart zurück. Die Szenerie: Heiligabend in der „Hafenklause“, einer kleinen Kneipe beim Hamburger Fischmarkt. Jedes Jahr zu Weihnachten hält Wirtin Maria hier einen Seemannslieder-Wettbewerb ab. Es erklingen Lieder wie „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ über „La Paloma“ bis zum „Wellerman“ – arrangiert und vorgetragen im unvergleichlichen Stil der Comedian Harmonists. Ergänzt wird das Sextett durch die Sängerin, Musikerin und Entertainerin Antje Rietz, die ebenfalls bereits als Hildegard Knef und Marlene Dietrich am Alten Schauspielhaus für Furore gesorgt hatte. Gemeinsam mit der Stuttgarterin Birgit Reutter komplettiert sie den Abend.
Das Landestheater Tübingen schaut mit „Wonderland Ave“ in eine Zukunft, die längst nicht mehr nur Fiktion zu sein scheint. Die Science-Fiction Komödie von Sibylle Berg „Wonderland Avenue“ ist ein Ort – irgendwo zwischen Gefängnis, Wellnesshotel und Freizeitanlage – in der Zukunft. Dort haben Maschinen und KI die Macht übernommen. Das Leben der Menschen wird vollbetreut und automatenüberwacht und penibel vorgeschrieben. Lediglich untereinander können die Menschen sich noch beweisen – wobei die Verlierer ihrem Abtransport und einer ungewissen Zukunft entgegenblicken. Sibylle Berg erzählt mit „Wonderland Ave.“ einen heiter-melancholischen Abgesang auf die Lebens- und Arbeitswelt wie wir sie kennen und von den Gefahren einer entfesselten KI. Doch sie kann auch beruhigen: Die Erde wird sich auch ohne unsere Spezies weiterdrehen und vielleicht sogar erleichtert aufatmen (Premiere 30. November 2024).
Kurz vor der Wende zum 17. Jahrhundert schrieb William Shakespeare mit „Viel Lärm um nichts“ eine seiner schönsten und populärsten Komödien. In dieser Spielzeit zu erleben, in einer Inszenierung des Theater Pforzheim (Premiere am 25. Oktober 2024). Was sich liebt, das neckt sich? Demnach müssten Beatrice und Benedikt das größte Liebespaar in ganz Messina sein. Denn die beiden überzeugten Singles lassen kein gutes Haar aneinander und beteuern in ihren spitzzüngigen Wortgefechten immer wieder, wie wenig sie von­einander, von der Ehe und überhaupt vom anderen Geschlecht halten. Mit Liebesschwüren haben dagegen Benedikts junger Kumpan Claudio und Hero, die Tochter des Gouverneurs, keine Probleme. Kaum haben sich die beiden gefunden, wird auch schon die Hochzeit geplant. Liebe, Intrigen, Eifersucht, Gerüchte und Täuschung sind in diesem Stück herrlich miteinander verbunden und mit dem wortreich streitenden Duo Beatrice und Benedikt schuf Shakespeare ikonische Charaktere, die bis heute Vorbild für das Genre sind.

Und noch einmal Shakespeare – Im Badischen Staatstheater in Karlsruhe siedelt Ariane Koch „Der Sturm“ (Premiere 13. Dezember 2024) in einer weiblich dominierten Gesellschaft an. Das Eigene und das Fremde, Zivilisierung und Repression, Freiheit und Versklavung, Macht und ihr Missbrauch: Shakespeares letztes Theaterstück versammelt in sich zentrale Themen der Gegenwart. Vor allem aber entwirft es eine faszinierende Welt an der Grenze zwischen Traum und Realität. Ariane Koch ist bekannt für ungewöhnliche Settings – sie schreibt Theaterstücke und Prosa und erhielt u.a. für ihren Roman „Die Aufdrängung“ 2021 den aspekte-Literaturpreis.

„Peer, du lügst!“: Mit diesem ersten Satz seines 1876 uraufgeführten „dramatischen Gedichts“ gibt Henrik Ibsen bereits das zentrale Thema seines Werkes vor: ausgesprochen von seiner Mutter Aase. Und Peer antwortet: „Das tu ich nicht!“ Tut er doch. Und so charmant dieser anfangs noch jugendliche Aufschneider Peer Gynt zunächst erscheinen mag, so sehr entpuppt er sich doch im Laufe dieses epischen Dramas und seines darin geschilderten Lebensweges immer wieder und immer mehr als ungehemmter Egoist und Narzisst. Henrik Ibsens überbordendes Werk, in dem sich höchst persönliche Ängste und Erfahrungen mit norwegischen Märchen und Mythen sowie den realen Weltläufen im 19. Jahrhundert mischen, wird der israelische Regisseur Yair Sherman mit seinem Team auf die Bühne des Theater Freiburg mit großen Bildern und verführerischem Theaterzauber bringen. Ibsens Studie über einen Narzissten, der durch seine skrupellose Selbstverwirklichung möglicherweise das Lebensglück verpasst, inszeniert Yair Sherman gleich mit einem Dutzend „Peers“, die sich in diesem Ensemblestück ablösen: Frei nach dem Motto: Steckt nicht in uns allen ein „Peer Gynt“?

Umbrüche

Umbrüche 17: Ausstellungsansicht, ©Jürgen Bubeck

Das Atelier des Stuttgarter Künstlers Erik Sturm liegt direkt angrenzend an das Areal von „Stuttgart 21“ sowie die Willy-Brandt-Straße. Die Ausstellung in der Städtischen Galerie Ostfildern bietet erstmals einen umfassenden Einblick in diesen Werkkomplex innerhalb von Sturms Schaffen, beginnend mit seinen frühen Feinstaubreliefs über skulpturale Fragmente aus dem Baufeld bis hin zu dem Projekt „Solid Transitions“, bei dem 14 Künstlerinnen und Künstler eingeladen wurden, auf die Rohbauhallen von Stuttgart 21 zu reagieren.

Erik Sturm, „Planung der Planung“, 2017, © Erik Sturm

Seit mehr als einem Jahrzehnt prägen die Arbeiten am neuen Hauptbahnhof maßgeblich das urbane Zentrum der Stadt Stuttgart, ebenso wie viele künstlerische Werke von Erik Sturm. Die heutige Willy-Brandt-Straße war einst die Prachtstraße im Herzen von Stuttgart – damals trug sie den Namen Neckarstraße. Im Krieg zerstört und danach pragmatisch zur innerstädtischen Autobahn umgestaltet, führt sie heute am Planetarium vorbei und mündet in die „Kulturmeile“. Aktuell gehört sie zu den meistbefahrenen innerstädtischen Straßen Deutschlands. Durch die Großbaustelle Stuttgart 21 befindet sich diese Straße seit Jahren im Wandel. Sie fungiert nicht nur als Verbindung vom Neckartor in Richtung Charlottenplatz und weiter nach Ostfildern, sondern ist auch ein Symbol für urbanen Wandel und tiefgreifende bauliche Veränderungen. Seit 2001 ist diese Straße ein wiederkehrendes Motiv in der künstlerischen Praxis von Erik Sturm. Viele seiner Arbeiten haben dort ihren Ursprung und spiegeln urbane Transformationsprozesse wider, die für das Anthropozän charakteristisch sind. Von seinem Logenplatz aus wird Erik Sturm zum stillen Beobachter. Als Resultat jahrelanger Feldforschung bringt er Fundstücke und stumme Zeitzeugen zum Sprechen, indem er sichtet, sammelt und damit sichtbar macht.

Umbrüche 60: Ausstellungsbesucherin, © Jürgen Bubeck

Öffentliche Führung für kunstinteressierte Erwachsene und Jugendliche.
So. 27. 10. 2024 und So. 1. 12. 2024, jeweils um 16 Uhr

Ausstellungsdauer 13. Oktober 2024 bis 7. Januar 2025
Städtische Galerie
Gerhard-Koch-Straße 1 · Scharnhauser Park
73760 Ostfildern

Erik Sturm (*1982),
lebt und arbeitet als Bildender Künstler in Stuttgart.
2009–2013 Dipl. Bildende Kunst, Prof. C. Jankowski, Akademie d. bildenden Künste Stuttgart
2012 Auslandssemester, Prof. Allan Siegel, Hungarian University of Fine Arts, Budapest
2004–2009 Dipl. Visuelle Kommunikation, Prof. Dr. H. Draxler und Prof. J. Rondo, Merz Akademie, Stuttgart
Preise/Stipendien (Auswahl)
2022 Arbeitsstipendium, Stiftung Kunstfonds, Berlin
2020 Nominierung, Großer Hans Purrmannpreis der Stadt Speyer
2019 Nominierung, Preis der Nationalgalerie (Longlist), Berlin
2018 STRABAG international Artaward, Preisträger, Wien

Weitere Infos zum Künstler unter eriksturm.eu

Hamlets Drama mit weiblicher Hauptrolle in Aalen

Das Theater Aalen eröffnet seine Spielzeit mit einem der Klassiker schlechthin: Am 3. Oktober feiert „Hamlet“ von William Shakespeare dort Premiere. Shakespeare schuf mit seinem Prinz Hamlet ein Individuum, das mit seinen Gewissensqualen im Mittelpunkt steht und uns inmitten schwieriger politischer Spannungsfelder den Spiegel vorhält.

Nach der Schauspielschule in Mainz war Julia Sylvester an den Staatstheatern Mainz und Wiesbaden sowie am Schauspiel Frankfurt. Für ihre Rolle des Oskar in der Produktion „Extrem laut und unglaublich nah“ wurde sie beim NRW-Theatertreffen 2019 mit dem „Förderpreis Schauspiel“ ausgezeichnet. Foto: Peter Schlipf

Wie zeitlos und aktuell die Machtspiele und Rachethematik des Stücks bis heute sind, zeigt Regisseurin Tina Brüggemann, bekannt für spartenübergreifende und trickreiche Inszenierungen. So entschied sie sich, die Rolle des Hamlet in dieser Inszenierung mit Julia Sylvester (seit 2019 Ensemblemitglied) weiblich zu besetzen. Außerdem werden Tänzer*innen aus den Bereichen Ballett und Urban Dance auf der Bühne zu sehen sein sowie drei Musiker*innen, die das Geschehen mit Saxophon, Akkordeon und Percussion begleiten.
Termine und Karten: www.theateraalen.de sowie
Reservix-Vorverkaufsstellen.

Premieren am Staatstheater Karlsruhe

In Karlsruhe steht alles im Zeichen von Aufbruch und Neuanfang – Christian Firmbach heißt der neue Intendant am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Er will künftig das Angebot für junge Menschen weiter ausbauen, ebenso wir der Bereich Kunst und Vermittlung.
Mit der Eröffnungspremiere The Wreckers der englischen Komponistin und Frauenrechtlerin Ethel Smyth als Deutsche Erstaufführung der englischsprachigen Fassung setzt das Team ein klares Statement. Keith Warner inszeniert die Geschichte eines jungen Paares, das sich einer ausbeuterischen Gesellschaft widersetzt.

Oper /Musiktheater

Wieder auf dem Spielplan ist Donizettis Don Pasquale in der humor- und anspielungsreichen Inszenierung von Christoph von Bernuth und der
Doppelabend Cavalleria Rusticana / Pagliacci von Pietro Mascagni und Ruggero Leoncavallo, in der Regisseur Dietrich Hilsdorf auch die grundsätzliche Frage nach Realität auf der Bühne stellt.
Humoristisch wird es rechtzeitig zum Jahreswechsel mit der Neuinszenierung der „Königin der Operette“ Die Fledermaus von Johann Strauß, die 2024 ihren 150. Geburtstag feiert.
Mit der Deutschen Erstaufführung der 1786 uraufgeführten und lange vergessenen Tragédie lyrique Phèdre von Jean-Baptiste Lemoyne stellen sich Christoph von Bernuth und Stephanie Twiehaus in ihrer ersten Karlsruher Zusammenarbeit als bewährtes Regie/Dramaturgie-Team vor.
Ein hochaktuelles Zitat aus der Eröffnungsoper Rinaldo (1731), prägt als Motto die Internationalen Händel-Festspiele: „Möge die Macht der Liebe die Kriegsglut bald erkalten lassen.“
Als Regie-Klassiker kommt Richard Strauss‘ von Melancholie durchwehte Komödie für Musik Der Rosenkavalier in einer vielgefragten Inszenierung von Andreas Homoki und unter der musikalischen Leitung des Karlsruher Strauss-Spezialisten Generalmusikdirektor Georg Fritzsch auf die Bühne.
Die deutsch-englische Regisseurin Olivia Fuchs erzählt mit Peter Tschaikowskis Eugen Onegin die immer wieder aufs Neue ergreifende Geschichte einer verpassten Liebe. Die Saison schließt mit Frank Wildhorns Erfolgsmusical Jekyll & Hyde.

Szene aus „The Wreckers“ am Badischen Staatstheater Karlsruhe – Foto: Felix Grünschloß

Schauspiel
Der neue Schauspieldirektor Claus Caesar und die Dramaturg*innen Bastian Boß und Franziska Trinkaus setzen auf ihr starkes Schauspielensemble und wollen unterschiedliche Regiehandschriften in Spannung zueinander setzen: Mit Klassikern und Gegenwartsdramatik – letztere soll auch ein Sensor für aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen sein. Und so erwartet das Publikum auch gleich zum Start ein Auftragswerk:
Die rote Mühle. Frei nach Ferenc Molnár transferiert Autor Nis-Momme Stockmann dessen Motive und Themen in die Gegenwart der Green Economy.
Einen neuen Blick auf ein kanonisches Werk wirft Ariane Kochs Bearbeitung von Shakespeares Sturm, die das Geschehen in einer weiblich dominierten Gesellschaft ansiedelt.
Der international gefragte russische Regisseur Timofey Kuljabin wird mit seiner Inszenierung von Brechts Furcht und Elend des Dritten Reiches auf die unheimliche Gegenwärtigkeit des Stoffs fokussieren. „Und auch Mizgin Bilmens Produktion von Büchners Woyzeck wird zeigen, dass wir mit dessen theatralen Blick auf soziale Verhältnisse noch längst nicht abgeschlossen haben“, so das Leitungsteam.
Gleich zwei Arbeiten auf der Studiobühne thematisieren Karlsruhe als Stadt des Rechts: Der Prozess nach Franz Kafka  und die Uraufführung Die Hitze und das Recht von Matthias Naumann, die darum kreist, wie der Klimawandel und der Umgang mit seinen Folgen zunehmend ein Thema des Rechts werden.
Von überbordender Wut und weiblichem Empowerment erzählt Mareike Fallwickl in ihrem Roman Die Wut, die bleibt. Brit Bartkowiak wird diesen ebenso in Szene setzen wie Tragödienbastard von Ewe Benbenek, die in einer hochmusikalischen Sprache vom Blick der zweiten Generation auf das Thema „Heimat“ erzählt.

Tanz / Ballett
„Tanzkraftwerk“ überschreibt der neue Ballettdirektor Raimondo Rebeck sein Motto für die neue Spielzeit -Ihm ist die Nähe zum Publikum ein großes Anliegen. So geben künftig Live-Interviews und Videos exklusive Einblicke in den Arbeitsalltag der ebenfalls neuen Ballettcompagnie – weiter gibt es einen regelmäßigen Ballett-Talk unter dem Motto „Tanz à la carte“ sowie offene Trainings und Workshops unter dem Motto Einfach tanzen!
Die Eröffnungspremiere ist der Ballettabend Leuchtfeuer. Er zeigt Werke voller Licht, Rhythmus und Energie – von der Uraufführung eines Handlungsballetts bis hin zu einem Klassiker der Moderne.
Raimondo Rebeck selbst stellt sich als Choreograf mit A Journey of a Memory vor, einer sehr persönlichen Auseinandersetzung mit Abschied und Verlust.
Die neue Hauschoreografin Kristina Paulin erarbeitet eine Uraufführung nach Kafkas rätselhaftem Romanfragment Das Schloss, und mit Cantata ist zum ersten Mal in Karlsruhe eine energiegeladene Arbeit des großen italienischen Choreografen Mauro Bigonzettizu sehen.
Einen der ganz großen Klassiker der Tanzgeschichte bietet die zeitlose Deutung des Romeo und Julia-Stoffes durch den französischen Starchoreografen Jean-Christophe Maillot, so tanzgewaltig wie psychologisch fein gezeichnet. Die Originalproduktion für Les Ballets de Monte-Carlo wird erstmals in Karlsruhe gezeigt und von der Badischen Staatskapelle mit der Musik von Sergej Prokofjew live begleitet.
Made in KA – Junge Choreografien aus Karlsruhe gibt als Ballettabend mit Uraufführungen von und mit dem Staatsballett wieder dem choreografischen Nachwuchs aus den eigenen Reihen die Chance, seine Kreativität voll zu entfalten.
Die Tanz-Fest-Woche mit einer Ballettgala als Abschluss setzt schließlich die Tradition des Festivals „Aufgefächert“ und der „Karlsruher Ballettwoche“ fort.

Konzerte
Das Konzertprogramm umfasst neben den Sinfoniekonzerten mehrere Sonderkonzerte, in denen u. a. Mozarts Requiem in der Christuskirche oder Musik aus Paris um 1800 (unter der Leitung von Conductor in Residence Attilio Cremonesi) zu hören sein wird; Kinderkonzerte – u. a. mit Prokofjews Peter und der Wolf –, Kammerkonzerte und Liederabende. Auch die beliebten Reihen „Nachtklänge“, „KlangÖffner“ und „Jazz Nights“ werden fortgesetzt.

Kinder & Jugendliche
„Kulturelle Teilhabe fördern bleibt unser Motto“, bestätigt Nele Tippelmann, bisherige und künftige Leiterin des Jungen Staatstheaters. Das Thema Gerechtigkeit steht dabei im Mittelpunkt.
Dafür steht eine Figur besonders beispielhaft: Robin Hood. Seine legendären Abenteuer werden neu für die Bühne entwickelt. Für die ganz Kleinen gibt es die Kinderoper Nils Karlsson Däumling nach dem liebevollen Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren. Für junges Publikum bringt das Opernteam eine eigene Kreation mit: „Orpheus und die Zauberharfe“ erzählt humorvoll, spannend und mit Musik aus Barock und Klassik eine neue zeitlose Version des Orpheus-Mythos. Als Familienoper wird Jonathan Doves packende, zeitkritische Familienoper Itch ihre Deutsche Erstaufführung erleben. In der Regie von Kevin Barz, des Leiters des neu etablierten Digitaltheaters, wird diese Produktion die Reihe „Zukunft Oper“ begründen, die sich zum Ziel gesetzt hat, zeitgenössischen Werken zur Repertoiretauglichkeit zu verhelfen. Noch mehr fantastische Abenteuer erwarten die ganze Familie bei Alice im Wunderland, bearbeitet und inszeniert von Nele Lindemann – aufgeführt auf der Bühne im Konzerthaus.
Einen kritischen Blick auf die Gesellschaft und politisch gefährliche Gruppendynamik wirft der unbestritten aktuelle Text Die Welle von Morton Rhue (ab 12 Jahren).
Mit Mädchenschrift hat Özlem Özgül Dündar einen starken Text für Jugendliche vorgelegt: Eine Beschreibung dessen, was es bedeutet, als Mädchen* erwachsen zu werden, und ein Manifest dafür, sich allen Zuschreibungen und Zumutungen zu widersetzen.

Digitaltheater
Kevin Barz und Anna-Teresa Schmidt haben künftig die Leitung und Dramaturgie der neu begründeten Sparte Digitaltheater inne, und fühlen sich jetzt schon genau am richtigen Ort: „Nirgends kann man Digitaltheater besser erfinden als in der Heimat des ZKM, des KIT und in der UNESCO City of Media Arts.
Das Projekt Paradise Found – Wo ist dein Paradies? soll über einen Zeitraum von zwei Jahren gemeinsam mit der Stadtgesellschaft, d.h. Menschen in Karlsruhe sollen sich aktiv an der Entstehung zu beteiligen: So sind sie aufgerufen in Interviews zu verraten, wo ihr persönliches Paradies verborgen liegt. Das gesprochene Wort wird zum Libretto also zum Stücke-Text, den Komponist Paul Brody in Musik umsetzen wird.
In Die Tagesshow – It’s called Fake News hat das Publikum die Chance, jeden Abend mitzuentscheiden und eine andere Realität zu kreieren.
Goethes Ballade Der Zauberlehrling lieferte die Inspiration für eine weitere Uraufführung: Magische Kräfte, die der Mensch sich erträumt, um den Alltag zu beherrschen, geraten außer Kontrolle – analog dazu lernen Künstliche Intelligenzen erschreckend rasch und drohen, nicht mehr gesteuert werden zu können. Mit Expert:innen aus der Wissenschaft entsteht ein tänzerisch-dokumentarischer Theaterabend über den zwiespältigen Tanz des Menschen mit den Maschinen.

Das Haus nimmt an Klimaneutrale Kunst- und Kulturprojekte der Kulturstiftung des Bundes teil und wird auch eine Klimabilanz erstellen.
Weitere Informationen unter: www.staatstheater.karlsruhe.de

Faszination des Fremden

Der Blick auf das Fremde erfährt über die Jahrhunderte einen großen Wandel. Die neue Ausstellung in Heidelberg „Die Erfindung des Fremden in der Kunst“ schlägt mit bedeutenden Werken und internationalen
Leihgaben einen kunstreichen Bogen vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart. In sechs Kapiteln führt sie von den Bildern der sogenannten Neuen Welt und des Orients über den Primitivismus der Moderne bis hin zu zeitgenössischer Malerei, Foto- und Videokunst.

Kostümbild Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden als Türke, Badischer Hofmaler (Ludwig Ivenet zugeschrieben) , um 1705 Gouache auf Pergament, Holzrahmen mit Lackmalerei Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Schloss Favorite Rastatt , Foto: Adi Bachinger

Europas Begegnungen mit fremden Kulturen sind vielfältig und von ambivalenten Interessen geprägt. Der Kunst kommt hierbei eine wichtige Rolle zu. Sie spiegelt und gestaltet die Vorstellung des Fremden, reflektiert die eigene kulturelle Identität durch Abgrenzung vom Anderen und verhandelt diese Positionen immer wieder neu. Mit über achtzig bedeutenden Werken beleuchtet die Ausstellung im Kurpfälzisches Museum Heidelberg die Konstruktion und Darstellung der Fremdheit in der europäischen Kunst. Sie spannt einen Bogen vom späten Mittelalter bis in die Gegenwart. Wie blickt Europa um 1500 auf Amerika? Wie viel Fiktion steckt in den Darstellungen des Orients? Welche Rolle spielt die außereuropäische Kunst für die Expressionisten und welche Bedeutung hat die Hautfarbe in der Kunst? Exotische Illusionen – Die Expeditionen nach Afrika, Indien und vor allem Amerika eröffnen Europa um 1500 einen

Die Serie „Historical Correction“ der US-amerikanischen Fotokünstlerin Maxine Helfman ist inspiriert von der flämischen Malerei. Sie hat die klassischen Meisterwerke aus einer zeitgenössischen Sichtweise neu interpretiert. Helfman spielt darin mit unseren tradierten Sehgewohnheiten - vor dem Hintergrund sich weltweit verändernder Bevölkerungszahlen. Gerade weil ihre Fotografien „erfundene Realitäten“ sind, so verweisen sie doch auf reale historische Ereignisse wie Kolonialismus, Diskriminierung, Zugehörigkeiten und Fremdsein. Frühere Definitionen von Status und Herkunft werden von ihr ebenso hinterfragt, wie das uns „gewohnte“ Erscheinungsbild von Menschen, Kulturen und Traditionen
Sirch aus der Serie „Historical Correction“ Maxine Helfman, 2012 , Tintenstrahldruck auf Papier, Foto: bpk/Staatsgalerie Stuttgart/© Maxine Helfman.

neuen Blick auf die Welt. Durch den Buchdruck verbreiten sich die Reiseberichte schnell und weit, exotische Objekte werden zu begehrten Sammlerstücken. Es entstehen mitunter sensationelle Darstellungen der fernen Kontinente, deren vermeintlich unzivilisierte Völker darin auf das gelehrte Europa der Eroberer treffen – eine für Jahrhunderte prägende Bilderfindung. Der Orient erscheint in der westlichen Kunst lange Zeit als ebenso faszinierend wie bedrohlich. So ist er zur Zeit der „Türkenkriege“ Sinnbild für Barbarei, gleichzeitig wächst durch Diplomatie und Handel die Wertschätzung für seine Kultur. Orientalische Bildmotive und Erzeugnisse vermitteln sozialen Status und Lebensart, die dekorative „Türkenmode“ durchdringt im 18. Jahrhundert das Leben der Oberschicht.

Rast in der Wüste, Eugen Bracht, 1882, Öl auf Leinwand, GDKE – Direktion Landesmuseum Mainz , Foto: U. Rudischer
Kleinodienschrank mit fremdartigen Kostbarkeiten , Gemälde von Georg Hinz, nach 1666 Öl auf Leinwand, Friedenstein Stiftung Gotha

Später wird der Orient als altertümlicher Ort mit archaisch wirkenden Geschlechterrollen dargestellt. Darin spiegeln sich die imperialen Eroberungsfantasien des 19. Jahrhunderts. Die außereuropäische Kunst wird im frühen 20. Jahrhundert zur wichtigen Inspiration. Ihre scheinbare „Primitivität“ gilt als neues künstlerisches Ideal, das die kolonialistischen Vorstellungen der Zeit widerspiegelt. Auch die deutschen-Expressionisten nutzen diese Quelle zur künstlerischen Selbstdarstellung und entwerfen mit ihrer Hilfe ein idealisiertes Bild kultureller Ursprünglichkeit. Konstruktion des weißen Blicks – Der Kolonialismus prägte lange das Bild fremder Völker sowohl in Europa als auch in den USA. Dies fand auch seinen Niederschlag in den bildnerischen Darstellungen. Zentral für die künstlerische Inszenierung von Fremdheit war neben der Gestaltung von Kleidung vor allem die Hautfarbe, in der sich gesellschaftliche Hierarchien ausdrückten: Die vermeintliche Normalität weißer Haut in der früheren westlichen Welt verdeckte dabei oftmals eine Abwertung von dunkelhäutigen Menschen. Diese erhielten in der Kunst oftmals die Rolle der exotischen „Anderen“. Dieser „weiße Blick“ durchzieht unzählige Motive der europäischen Kunst aller Epochen. In der Ausstellung wird er kritisch hinterfragt und durch alternative künstlerische Perspektiven herausgefordert. Anhand von bedeutenden Werken, unter anderem von Albrecht Dürer, Rembrandt van Rijn, Jean-Étienne Liotard, Jean-Auguste-Dominique Ingres und Ernst Ludwig Kirchner, hinterfragt die Ausstellung europäische Bildtraditionen und Sichtweisen der letzten Jahrhunderte. Im Dialog mit Malerei, Foto- und Videokunst zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler wie Gülsün Karamustafa, Lisl Ponger und Yinka Shonibare zeigt die Ausstellung gleichzeitig, wie sich der Blick auf das Thema verändert hat. Auch eine Veranstaltungsreihe mit Gästen aus Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft nähert sich der Erfindung des Fremden aus unterschiedlichsten Blickwinkeln.

Stillleben mit Plastiken und Blumen, Ernst Ludwig Kirchner, 1912, Öl auf Leinwand, Groningen, Groninger Museum Foto: Marten de Leeuw.

 

Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) zählt zu den wichtigsten Vertreter des Expressionismus. Während seiner Karriere war Kirchner stark von verschiedenen Kunstströmungen und kulturellen Einflüssen geprägt, darunter auch der Fauvismus und die Kunst Afrikas. Wie viele Künstler seiner Zeit war er von den Exponaten der ethnologischen Museen fasziniert, die afrikanische Skulpturen und Masken zeigten. Diese Kunstwerke, die oft ein starkes, abstraktes Design aufwiesen, bereicherten Kirchners malerisches Vokabular. Er übernahm einige der stilistischen Elemente und integrierte sie in seine eigenen Werke, was seinen Bildern eine neue Dimension und Tiefe verlieh. Die afrikanische Kunst bot ihm die Möglichkeit, traditionelles europäisches Denken in Frage zu stellen und alternative Perspektiven zu entdecken.
Interieur eines Harems; maurische Frau, die einem Bad im Serail entsteigt, Théodore Chassériau, 1854 Öl auf Leinwand, Strasbourg, Musée des Beaux-Arts (Dauerleihgabe des Musée du Louvre, Paris) Foto: Musées de Strasbourg, M. Bertola

19. Oktober 2024 bis 12. Januar 2025 im
Kurpfälzischen Museum Heidelberg, Fon 06221 58-34020,
www.museum.heidelberg.de
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen