Aufführungen von Klassik bis Jazz, Oper, Tanz, Theater, Konzert
Entdecken Sie Kunst
Ausstellungen, Künstler, Projekte
Literatur
Lesungen, Autoren, Buchempfehlungen
Design & Architektur
Projekte und Objekte, Messen
Kulturreisen
Sehnsuchtsorte in Stadt und Land, Tages-Trips und Reisen
Film & Medien
Arthouse Kino, Hörgenuss – DVD- und CD-Tipps
AUSSTELLUNGEN, THEATER & MUSIK
KULTURELLE HIGHLIGHTS IN IHRER NÄHE
Kunsthandel
Musik & Instrumente
Kurs-Angebote
Panorama
Portraits, Interviews, Zeitloses,...
„ÖKOZID“ von Andres Veiel
Am 18. November 2020 strahlt die ARD um 20:15 Uhr den neuen Film des Autors und Regisseurs Andres Veiel im Rahmen der Themenwoche „#WIE LEBEN – Bleibt alles anders“ im deutschen Fernsehen aus. Ökozid spielt in der nahen Zukunft im Jahr 2034 und zeigt, wie zum ersten Mal vor dem Internationalen Gerichtshof verhandelt wird, ob Staaten grundsätzlich die Pflicht haben, gegen den Klimawandel vorzugehen. Auf der Anklagebank sitzt die Bundesrepublik Deutschland. Ihr wird von 31 Staaten des globalen Südens vorgeworfen, durch Abschwächung und Blockade europäischer Klimaschutzvorgaben ihre völkerrechtliche Pflicht verletzt zu haben, einer Erhöhung der weltweiten CO2-Konzentration entgegenzuwirken. Die Rollen sind mit Friederike Becht, Nina Kunzendorf, Ulrich Tukur, Edgar Selge exzellent besetzt.
Hier gehts zum Direktlink – Der Film Sendung ist nach der Ausstrahlung noch 2 Monate lang in der ARD Mediathek verfügbar.
Im Mai 2021 findet Ökozid dann den Weg auf die Theaterbühne im Schauspielhaus Stuttgart: Schauspielintendant Burkhard C. Kosminski wird das Gerichtsdrama im Schauspielhaus uraufführen. Aktuell ist Andres Veiel in Gesprächen mit Burkhard Kosminski und arbeitet gemeinsam mit seiner Co-Autorin Jutta Doberstein an der Stückfassung von Ökozid.
Andres Veiel arbeitet seit 1990 als Autor und Regisseur an Film- und Theaterprojekten, die meist in den Grenzbereichen zwischen Realität und Fiktion angesiedelt sind. Für seine Filme Winternachtstraum, Balagan, Die Überlebenden, Black Box BRD, Die Spielwütigen, Wer wenn nicht wir hat er mehr als vierzig nationale und internationale Auszeichnungen erhalten, darunter mehrfach den Deutschen Filmpreis und den Europäischen Filmpreis. Er schrieb und inszenierte die Theaterstücke Der Kick und Das Himbeerreich, das im Schauspiel Stuttgart uraufgeführt wurde. Jutta Doberstein ist freischaffende Autorin und Stoffentwicklerin im Bereich Film und Fernsehen. Neben der Realisierung fiktionaler Formate hat sie sich vor allem auf die Entwicklung dokumentarischer Stoffe und Online-Formate spezialisiert. Mit Andres Veiel verbindet sie eine mehrjährige Zusammenarbeit.
Die Institution Musik der Jahrhunderte (MDJ) sieht die pandemische Situation seit dem Frühjahr auch als Herausforderung, neue Konzertformate in Corona-Bedingungen zu entwickeln, die die aktuelle Situation aufgreifen und alle Möglichkeiten digitaler Medien einbeziehen. Jenseits „klassischer“ Streamingformate hat MDJ für die Reihe Magische Räume Komponist*innen beauftragt, kammermusikalische Konzertformate für die Räume von MDJ zu entwickeln, die sich leicht für andere Veranstalter/Räume adaptieren lassen. Die Grundidee: eine enge Verknüpfung von analogem Geschehen und virtueller, auch interaktiver Übertragung. Das Ziel der Reihe: den magischen Moment einer Aufführung zu ermöglichen, der so vielen Streamingformaten bisher fehlt.
Wie flexibel die Grundidee des Projekts ist, zeigt sich bereits jetzt, im zweiten Lockdown. Die Reihe Magische Räume wird derzeit als interaktives Format für ein Internet-Publikum weiterentwickelt. Bis zum Sommer 2021 werden insgesamt fünf Projekte, die mit der Vereinze-lung des Publikums und mit digitalen Wahrnehmungsformaten spielen, in der Reihe „Magi-sche Räume“ ihre Premiere erleben.
Am 19. und 20. November 2020 (jeweils 19 Uhr) geht es los mit SuperSafeSociety. Ein interaktiv digital-musiktheatraler Abend von Andreas Eduardo Frank.Akteur*innen sind die Neuen Vocalsolisten Stuttgart.
SuperSafeSociety ist als musikalische Reise durch verschiedene mögliche Zukunftsszenarien angelegt, wie sie vom zukunftsInstitut in einem Whitepaper als „Corona Effekt“ skizziert wurden. In „SuperSafeSociety“ wird dem Publikum u.a. ermöglicht, selbst zu „senden“ und somit Einfluss auf das Live-Geschehen zu nehmen. Dabei geht es explizit nicht darum, einen Betrachtungsraum zu schaffen, der die Aura einer Live-Performance zu imitieren versucht, sondern es soll ein neuer Raum für die Entwicklung eigener Betrachtungsformen eröffnet werden. Für dieses Spiel mit den Parametern Distanz und Nähe auf einer eigens konstruierten Web-Oberfläche hat Andreas Eduardo Frank in Zusammenarbeit mit drei Web-Designern die Versuchsanordnung für eine „Systemcrash Simulation mit anschließendem Resilienztraining!“ geschaffen. Und er hat eine Bühne in Form einer „Membran zwischen der analogen und digitalen Welt“ entwickelt. Der Zuschauerraum ist ins Wohnzimmer verlagert, als neu formulierte Antwort auf die gegenwärtige Situation: „Kein Kino, keine Party, keine Freunde, keine Konzerte.“
Konzept / Regie / Komposition // Andreas Eduardo Frank
Gesang / Performance // Neue Vocalsolisten
Johanna Vargas, Susanne Leitz-Lorey, Truike van der Poel,
Martin Nagy, Guillermo Anzorena, Andreas Fischer
Mit Musik von Andreas Eduardo Frank, L. v. Beethoven,
Oscar Bianchi, Gordon Kampe, Jay Schwartz, Mika Vainio,
Vacuum Soundperformance, inspiriert von Carola Bauckholt
Detaillierte Informationen zu den zwei Aufführungen von „SuperSafeSociety“ unter: www.supersafesociety.org
Gefördert im Impulsprogramm „Kunst trotz Abstand“ des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
Gut gespielt ist nicht genug!
1 Ensemble, 17 Musiker, durchschnittlich 90 Konzerte im Jahr – seit 75 Jahren nimmt das Stuttgarter Kammerorchester einen herausragenden Platz in der internationalen Orchesterlandschaft ein. Mit einem vollkommen neuartigen, verschlankten Klangkörper startete das Ensemble unter Karl Münchinger seine Erfolgsgeschichte in der unmittelbaren Nachkriegszeit und setzte schnell weltweit Maßstäbe. Heute musiziert das älteste Kammerorchester der Welt unter der Intendanz und Künstlerischen Leitung von Markus Korselt und Chefdirigent Thomas Zehetmair auf allen Kontinenten. Im Lauf des 75-jährigen Bestehens hat das Stuttgarter Kammerorchester viele Wandlungen erfahren, Traditionen bewahrt und doch stets neue Wege beschritten. Neben dem Kernrepertoire von Bach bis zur Musik des 20. Jahrhunderts gehören längst auch Brückenschläge zum Jazz oder zur elektronischen Musik zum Orchesteralltag. Mehr als 80 Einspielungen dokumentieren die musikalische Bandbreite, die seit dem Gründungskonzert am 18. September 1945 erarbeitet wurde. Neben klassischen Abonnement-Konzerten bietet das Orchester u.a. mit seiner Konzertreihe »Concerto Mobile« Musikgenuss in sozialen Brennpunkten und arbeitet in seinem »SKOhr-Labor« mit Kindern und Jugendlichen zusammen.
Der Fotograf Reiner Pfisterer hat das Stuttgarter Kammerorchester 10 Jahre lang bei seinen Aktivitäten fotografisch in 16 Ländern begleitet. Er machte in den schönsten Konzertsälen der Welt ebenso faszinierende Aufnahmen wie Backstage, auf Reisen, im Hotel oder bei eher privaten Begegnungen der Orchestermitglieder. Entstanden ist ein opulenter Jubiläums-Bildband, der auf 200 Seiten und 160 farbigen Fotos das Zusammenspiel eines Orchesters in all seinen Facetten einfängt und die Liebe der Musiker zu ihrem Spiel sowie ihrem Publikum einfühlsam porträtiert. O-Töne der Orchestermitglieder ergänzen den Band.
Gut gespielt ist nicht genug. – Die Welt des Stuttgarter Kammerorchesters, Verlag Urachhaus, ISBN 978-3-8251-5259-8
RESPONSE I und II
Welche Antwort kann der Tanz auf plötzlich eintretende, bis dahin unvorstellbare Hürden, Beschränkungen und vor allem sich ständig ändernde Richtlinien geben? Mit dem neuen Ballettabend RESPONSE I reagiert das Stuttgarter Ballett auf die aktuelle Situation. Herausgekommen ist eine kreative, flexible und mit Lust auf diese Herausforderungen angegangene Antwort. Unter dem Motto Something old, something new, something classic, something blue besteht der Abend aus Herzstücken und Neukreationen von drei Choreografen innerhalb der Compagnie: Fabio Adorisio, Roman Novitzky und Louis Stiens. Alle Choreografen erhielten von Ballettintendant Tamas Detrich dieselbe Aufgabe: ein neues Stück zu kreieren, unter Berücksichtigung aller in dem Moment herrschenden Abstands- und Hygieneregeln sowohl während der Proben als auch während des fertigen Stückes. Hinzu kam die Bitte, sich Musik auszusuchen, die zwar live, aber in kleiner Besetzung gespielt werden kann. So individuell die Choreografen, so individuell fielen ihre Antworten auf diese Situation aus: Und so wie diese Stücke gänzlich neue Vorgehensweisen von Choreografen und Tänzerinnen verlangten, so werden sich dem Publikum neue Sehgewohnheiten eröffnen.
Die Premiere findet am 17.Oktober 2020 im Opernhaus statt. Krisen bergen bekanntlich auch Chancen, in diesem Falle große Chancen für fünf junge Künstlerinnen, auf die Ballettintendant Tamas Detrich schon lange ein Auge geworfen hat. Der Ballettabend RESPONSE II Young Bloods ist die zweite Antwort auf die zurückliegenden Monate, zugleich aber auch Reaktion auf die Zeit, die kommt. Tamas Detrich hat seinen fünf „jungen Wilden“ den Auftrag erteilt, neue, kurze Stücke mit jeweils kleiner Besetzung und großem Abstand zwischen den Tänzerinnen zu entwickeln. Inhaltlich haben die ChoreografInnen freie Wahl; nicht wenige aber werden ihre Beobachtungen und Empfindungen der letzten Monate mit einfließen lassen. Getanzt werden Uraufführungen von Alessandro Giaquinto, Vittoria Girelli, Shaked Heller, Aurora De Mari und Agnes Su. Die Premiere findet am 30. Oktober 2020 im Schauspielhaus statt.
Ernst ist das Leben (Bunbury)
Beide Hauptpersonen in Oscar Wildes Theaterstück haben sich eine eigene fiktive Person erschaffen, um so aus den gesellschaftlichen Zwängen auszubrechen und sich zu vergnügen. Algernon Moncrieff erfindet einen kranken Freund namens Bunbury, an dessen Krankenlager auf dem Land er angeblich immer wieder gerufen wird. John Worthing dichtet sich einen Bruder namens Ernst an, der in der Großstadt einen ausschweifenden Lebensstil pflegt und dem er immer wieder zu Hilfe eilen muss. In London gibt John sich dann als eben dieser Ernst aus und führt dessen luxuriöses Lotterleben. Die Liebe sorgt schließlich für Aufruhr in den penibel gepflegten Doppelleben…
Regisseur Christian Brey, den unter anderem eine enge Zusammenarbeit mit Entertainer Harald Schmidt verbindet, inszeniert Oscar Wildes Komödie in einer neuen Übersetzung von Elfriede Jelinek: absurd, aberwitzig, schonungslos, heutig, voll böser Pointen – und wahnsinnig komisch.
Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? Als Verwandlungskünstler macht Felix Krull die Lüge und den Betrug zum Lebensprinzip. Er verlässt sein bankrottes Elternhaus und drückt sich vor dem Militärdienst, um in Paris in die Welt der Grandhotels und Luxussuiten einzutauchen. Er verführt Frauen und tauscht mit dem Marquis de Venosta die Identitäten. Durch Schmeichelei und Betrug schafft es Krull, sich vom vermeintlichen Makel seiner Herkunft zu befreien und in eine höhere soziale Schicht aufzusteigen. Und die Welt scheint nur darauf gewartet zu haben, von einem grandiosen Spieler wie ihm betrogen zu werden. Was bedeuten uns heute Identität und Authentizität? Wie geht Echtheit in einem System, das den Erfolg des Einzelnen von Äußerlichkeiten abhängig macht? Und wie verführerisch ist die Lüge?
Thomas Manns Figur des Felix Krull ist längst zum Synonym für den Hochstapler an sich geworden. Literarisch und auch real befindet sich Krull damit in bester Gesellschaft. So las man in den vergangen Jahren z. B. von einem Postboten, der einen Oberarztposten in der Psychiatrie bekleidete, oder von einem Schulabbrecher, der mit gefälschten Zeugnissen und Doktortiteln als Chirurg an einem Klinikum beschäftigt wurde. Manns Krull erkennt ebenso wie die Realbeispiele sein besonderes Talent sehr früh und schummelt sich fortan durchs Leben. Er ist dabei nicht nur ein gekonnter Umformer der eigenen Identität mit den Zielen der Anerkennung und reich zu werden, sondern es geht ihm auch um die Bewunderung einer Welt, die ihn andernfalls nicht teilhaben lässt. Der Hochstapler Krull wird damit unwillkürlich zur Antwort auf die Anforderungen dieser modernen Welt, in der nur vorankommt, wer die Behauptung eines besseren, qualifizierteren Selbst erfolgreich verkauft.
Die Arbeiten der Regisseurin Anna-Elisabeth Fricks bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Sprechtheater, Performance, Tanz und Musik und in ihrer Inszenierung am Nationaltheater Mannheim lässt sie von Anfang an drei Spieler*innen um die Erzählmacht konkurrieren und zeigt konsequent keinen an der Realität scheiternden Betrüger. Ihre Krulls dehnen ihre Identität immer weiter aus – und in dieser Erweiterung des eigenen Ichs scheint alles möglich.
Neue Produktion am Nationaltheater Mannheim, Karten und weitere Info: www.nationaltheater.de
ARD-Hörspieltage
Die ARD Hörspieltage sind das größte deutschsprachige Festival rund um Hörspiel und Soundart. Jedes Jahr lockt das Hörspielfes-tival rund 10.000 Hörspielfans in die HfG Karlsruhe und ins ZKM | Zentrum für Kunst und Medien. Coronabedingt wird jedoch in diesem Jahr deutlich weniger Publikum teilnehmen können also sonst. Als Ausgleich für die Einschränkungen vor Ort wird die Präsenz der ARD Hörspieltage im Netz deutlich ausgebaut. So können alle Wettbewerbsvorführungen, die Jurydiskussionen, die Preisverleihung, der Thementag und das Kinder-Livehörspiel im Video-Livestream miterlebt werden – und das bequem und sicher von zu Hause aus.
Die Jury bei den diesjährigen ARD Hörspieltagen ist hochkarätig besetzt mit Filmregisseurin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin Doris Dörrie („Kirschblüten Hanami“, „Leben, schreiben, atmen“), der ausgezeichneten Schauspielerin, Filmemacherin und Autorin Maryam Zaree („4 Blocks“, „Born in Evin“ und der Schauspielerin Ulrike Kriener („Kommissarin Lucas“, „Winterherz“ u. a.). Die Jury entscheidet über die Gewinnerin bzw. den Gewinner des renommierten Deutschen Hörspielpreises der ARD aus den 12 besten Hörspiele von ARD, Deutschlandradio, ORF und SRF.
Das detaillierte Programm (Vor Ort und online) kann unter www.swr.de Stichwort: Hörspieltage abgerufen werden.
Sibylle Berg
Sibylle Berg ist eine der schillerndsten und schonungslosesten Akteurinnen des deutschsprachigen Literaturbetriebs. Kritiker haben sich für die in Zürich lebende Autorin, Dramatikerin und vielgelesene Kolumnistin zahlreiche zänkische Zuschreibungen ausgedacht. „Fachfrau für Zynismus“, „Designerin des Schreckens“, „moralinsaures Monster“, „über Leichen latschende Schlampe“, „Höllenfürstin des Theaters“, „Kassandra des Klamauk-Zeitalters“ oder „Hasspredigerin der Singlegesellschaft“ sind nur einige davon. Viele der Kritiker sind männlich, die es außerdem selten versäumen, ihre Kritik unprofessionell auf Auftritt und Erscheinung der Autorin auszuweiten.
Ihr selbst ist das „zu 99% Stulle“. „Dieser große Drang Menschen anhand von Alter, Gewicht, Nation, Beruf, Ausbildung und Schuhgröße erklärbar machen zu wollen, ist eine drollige Drolligkeit des Menschen, der ich mit der unbedingten Lüge begegne“, sagte sie einmal in einem Interview für „Cascade, Magazin der erfreulichen Dinge“.
Sibylle_Berg (c) Joseph Strauch
Die Autorin von zehn Romanen und zwölf Theaterstücken erforscht bereits seit ihrem1997 erschienener Erstling „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“ mit seismographischer Wachheit und schonungslosem Blick das Leben, die Menschen und ihre Beziehungen. Erzählerisch innovativ und sprachgewaltig sorgt sich die in Weimar geborene Schriftstellerin um den Zustand der Welt und konfrontiert ihre Leserinnen und Leser erbarmungslos und ironisch mit den großen Themen der Gegenwart – dem globalen Kapitalismus und seinen Auswüchsen, dem Neoliberalismus, der immer größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich, dem nie verschwundenen und derzeit verstärkt aufflammenden Faschismus, der Klimaerwärmung, der Gefahr der Überwachung, der Verknappung des Wohnraums, dem befürchteten Wegfall von Arbeitsplätzen und der Gefährdung sozialer Bindungen durch die fortschreitende Digitalisierung. Diese Frau stellt schonungslos Fragen, auf die bisher keiner eine wirkliche Antwort hat. Auch ihr neuster Roman „GRM. Brainfuck“ (2019) kann mittelschwere Depressionen auslösen. Er beginnt in Rochdale, Großbritannien, wo der Kapitalismus einst erfunden wurde. Hier hat der Neoliberalismus besonders gründliche Arbeit geleistet. Die Helden sind vier Kinder, die nichts anderes kennen als die Realität des gescheiterten Staates. Ihr Essen kommt von privaten Hilfswerken, ihre Eltern haben längst aufgegeben. Die Hoffnung, in die sich die vier flüchten, ist Grime, kurz GRM, die größte musikalische Revolution seit dem Punk. Als die vier begreifen, dass es für sie zuhause definitiv keine Hoffnung gibt, brechen sie nach London auf. Hier scheinen Zukunftsversprechungen umgesetzt. Jeder, der sich einen Registrierungschip einpflanzen lässt, erhält ein Grundeinkommen. Die Bevölkerung lebt in einer perfekten Überwachungsdiktatur. Auf der Straße bleibt nur der asoziale, vogelfreie Abschaum zurück. Hier starten die vier ihre eigene Revolution und versuchen außerhalb des Systems zu überleben… Leser und Leserinnen blicken ohne Netz und doppelten Boden in den unbarmherzigen Spiegel der Sibylle Berg!
Übrigens: Zu den Lesungen der Autorin kommen mehr Männer als Frauen. Weiterer Funfact: Auch die erwähnten Kritiker sind überwiegend männlichen Geschlechts. Woran das liegt, lässt sich nur vermuten. Wahrscheinlich verkörpert Sibylle Berg durch ihr literarisches Schaffen ein Weiblichkeitsbild, das noch immer polarisiert und mit dem viele schlicht überfordert sind: Eine Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt, ihren Finger immer wieder unbarmherzig und direkt auf die offenen Wunden legt, ist noch immer eine Zumutung! Umso großartiger, dass die vielfach ausgezeichnete optimistische Zweckpessimistin den nächsten verdienten Literaturpreis erhält: den Johann-Peter-Hebel-Preis 2020.
Ein Beitrag von Susanne Heeber
Johann-Peter-Hebel-Preis
Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird alle 2 Jahre im Rahmen des Johann Peter Hebel Fests vergeben. Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern gehören Christoph Meckel, Lukas Bärfuss, Karl-Heinz Ott, Arnold Stadler, Arno Geiger, Emma Guntz, Claude Vigée, Elias Canetti, Marie Luise Kaschnitz, Martin Heidegger, Carl Jacob Burckhardt, Otto Flake, Max Picard und Albert Schweitzer. Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Verleihung auf Mai 2021 verschoben worden.
Sibylle Berg wurde 1962 in Weimar geboren und lebt seit 1995 in Zürich. Sie studierte unter anderem Ozeanographie und Politikwissenschaften an der Universität Hamburg. Ihr Werk, das in 34 Sprachen übersetzt wurde, umfasst Theaterstücke, Romane, Hörspiele und Essays. Berg wurde vielfach ausgezeichnet, in letzter Zeit u. a. mit dem Kassler Literaturpreis für grotesken Humor (2019), dem Nestroy-Theaterpreis (2019), dem Schweizer Buchpreis (2019), dem Bertolt-Brecht-Preis (2020) und dem Schweizer Grand Prix Literatur (2020).
Mehr über die Autorin: www.sibylleberg.com
Buch-Tipp: GRM - Brainfuck.
der neueste Roman von Sybille Berg
Die Brave New World findet in wenigen Jahren statt. Vielleicht hat sie auch schon begonnen. Jeden Tag wird ein anderes westliches Land autokratisch. Algorithmen, die den Menschen ersetzen, liegen als Drohung in der Luft. Großbritannien, wo der Kapitalismus einst erfunden wurde, hat ihn inzwischen perfektioniert. Aber vier Kinder spielen da nicht mit – sondern gegen die Regeln. Und das mit aller Konsequenz. Sibylle Bergs neuer Roman beginnt in Rochdale, UK, wo der Neoliberalismus besonders gründliche Arbeit geleistet hat. Die Helden: vier Kinder, die nichts anderes kennen als die Realität des gescheiterten Staates. Ihr Essen kommt von privaten Hilfswerken, ihre Eltern haben längst aufgegeben. Die Hoffnung, in die sie sich flüchten, ist Grime, kurz GRM. Grime ist die größte musikalische Revolution seit dem Punk. Grime bringt jeden Tag neue YouTube-Stars hervor, Grime liefert immer neue Role-Models. Als die vier begreifen, dass es zu Hause keine Hoffnung für sie gibt, brechen sie nach London auf. Hier scheint sich das Versprechen der Zukunft eingelöst zu haben. Jeder, der sich einen Registrierungschip einpflanzen lässt, erhält ein wunderbares Grundeinkommen. Die Bevölkerung lebt in einer perfekten Überwachungsdiktatur. Auf der Straße bleibt nur der asoziale, vogelfreie Abschaum zurück. Die vier Kinder aber – die fast keine Kinder mehr sind –, versuchen außerhalb des Systems zu überleben. Sie starten ihre eigene Art der Revolution. Erschienen ist das Buch im kiwi Verlag
Neue Hörbücher von „derDiwan“
Christina Waltz, die preisgekrönte Verlegerin des Hörbuchverlags «derDiwan» ist ungebrochen am Tüfteln und produziert in ihrem in Winterbach im Remstal gelegenen Einfrau-Unternehmen Hörbuch um Hörbuch. Die sympathische Macherin und Netzwerkerin besitzt definitiv ein unbestechliches Ohr! Für jeden Text findet sie die richtige Stimme: darunter bekanntes, originelles und kunstfertiges „Personal“ wie Oliver Korittke, Kai Wiesinger oder Jörg Pleva (verstorben 2013), der schon dem Hollywood-Star Jack Nicholson seine Stimme lieh. Zwei neue, besonders empfehlenswerte Roman-Einspielungen aus dem Hause «derDiwan» wollen wir Ihnen hier vorstellen. Julie Otsuka – Als der Kaiser ein Gott war unsentimental, aber emotional präzise gelesen von Marit Beyer
Ein sonniger Frühlingstag im Jahr 1942, Berkeley, Kalifornien. Am Postamt liest die Mutter den Evakuierungsbefehl, geht nach Hause und beginnt, die wichtigsten Habseligkeiten der Familie zusammenzupacken. Wie Zehntausende weitere japanisch-stämmige Amerikaner in den Westküstenstaaten gelten sie als Sicherheitsrisiko, seitdem die USA mit Japan im Krieg stehen. Schnörkellos, präzise und aufwühlend erzählt Julie Otsuka in ihrem Roman von der wachsenden antijapanischen Stimmung unter den bislang so freundlichen Nachbarn, der Deportation in ein Internierungslager im Wüstenhochland von Utah, den prekären Verhältnissen in den Baracken hinter Stacheldraht, von Angst und Einsamkeit – und schließlich von der Rückkehr der Familie, für die nichts mehr so sein wird wie zuvor. Die Thematik – rassistische Vorurteile und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit – ist heute so aktuell wie vor 75 Jahren. Julie Otsukas Debütroman wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet.
Berührend und verstörend – ein beschämendes Kapitel US-amerikanischer Geschichte.
ISBN 978-3-941009-69-1
Jami Attenberg – Nicht mein Ding schnoddrig sensibel gelesen von Rebecca-Madita Hundt
Andrea lebt in New York, ist 39, Single und kinderlos. Und sie ist es leid, sich für ihr Leben rechtfertigen zu müssen. Familie, Ehe, Kinder – einfach nicht ihr Ding. Während ihre beste Freundin Indigo gerade Mutter geworden ist, zieht Andrea alleine durch die Clubs, lässt sich auf eine Reihe von schrägen Dates ein und brüskiert mit ihrer unverblümten Art ein ums andere Mal ihr Umfeld. Andreas Rückzugsort ist ihr kleines Apartment. Von dort aus kann sie das Empire State Building sehen, das sie jeden Abend zeichnet. Stück für Stück offenbart sich ihre andere Seite: ihr geplatzter Traum von einem Leben als Künstlerin, ihr Aufwachsen mit einer überforderten Mutter, ihre Unsicherheit im Job, ihre gescheiterten Beziehungsversuche. Vor allem scheut Andrea die Begegnung mit ihrem Bruder und dessen todkranker Tochter, um die sich alle Gespräche der Familie drehen – bis sie sich eines Tages aus ihrer selbstgewählten Einsamkeit in die Wälder von New Hampshire aufmacht.
Treffsicher und mit funkelndem Witz porträtiert Jami Attenberg eine Heldin, die keine sein will: unbequem und charmant, kompromisslos und verletzlich zugleich.
Zwischen Lachen und Weinen – schonungsloser und humorvoller Blick auf die weibliche Selbstbestimmung und die Vielfalt von Lebensentwürfen.
ISBN 978-3-941009-69-1
Musik und Kultur altersgerecht zu vermitteln, sie greifbar und erlebbar zu machen, das ist das zentrale Anliegen des Musikfestes. Seit dem Jahr 2000 begeistert das bundesweit einzigartige Musikfest für Kinder und Jugendliche alle zwei Jahre in Stuttgart.Im Mittelpunkt des Festivals steht Beethoven, dessen 250. Geburtstag, den die Musikwelt in diesem Jahr feiert.
Aufgrund der Corona-Pandemie werden in diesem Jahr weniger Veranstaltungen vor weniger Publikum geboten, aber die Festivalmacher wollen gerade in dieser schwierigen Zeit noch mehr ein Zeichen für die Bedeutung der musikalisch-kulturellen Bildung setzen. Neben den drei Initiatoren Stuttgarter Musikschule, Stuttgarter Philharmoniker und der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst engagieren sich Kooperationspartner wie die Stadtbibliothek Stuttgart, das SWR Symphonieorchester, die Stiftsmusik, LiedKunst KunstLied und das Instrumentenmuseum im Fruchtkasten oder die Stuttgarter Hymnus Chorknaben mit ihren jeweiligen Programmen.
Junge Musikerinnen beim Musikfest für Kinder und Jugendliche / Foto: Yevhen Yermishyn
Ganze 16 Tage lang werden die vielschichtigen Facetten von Musik aufgezeigt: Konzerte, Musiktheater, Probenbesuche, Tanz sowie Mitmachkonzerte für und mit Kindern, die dadurch die Gelegenheit haben, selbst fantasievoll tätig zu werden. Neben den oben genannten Kooperationspartnern engagieren sich insbesondere die Lehrkräfte der Stuttgarter Musikschule mit ihren Schülerinnen und Schülern. Sie entdecken, hinterfragen und interpretieren Beethovens Schaffenskraft in all seinen Facetten.
Zum Auftakt am 14.11. veranstaltet die Musikhochschule Stuttgart von 10 bis 17 Uhr ein Online-Symposium unter dem Motto „hAPPy E-Learning?“. Unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Göllner beschäftigt es sich in Vorträgen, Projektpräsentationen und Gesprächsrunden thematisch mit den Perspektiven auf Digitalität im Instrumental- und Gesangsunterricht.
Das Eröffnungskonzert am 15.11. im Beethoven-Saal der Liederhalle Stuttgart gestalten das Junge Kammerorchester Stuttgart, das Ensemble Serenata und junge Solist*innen der Stuttgarter Musikschule mit freundlicher Unterstützung der Stuttgarter Philharmoniker und unter der Leitung von Alexander G. Adiarte. Sie stellen den Komponisten, Pianisten, Querdenker, den liebenden und leidenden Beethoven in musikalischen und szenischen Skizzen vor. Das Jahreskonzert der Freunde und Förderer der
Stuttgarter Musikschule mit zwei Blasorchestern findet
statt am 28.11. im Beethoven-Saal der Liederhalle Stuttgart.
Termin: 14. bis 29. November ; Alle Veranstaltungen,
digitale Angebote und kurzfristige Änderungen: www.stuttgarter-musikfest.de
Hallo Startseite
Cookie-Zustimmung verwalten
Um Ihnen ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn Sie diesen Technologien zustimmen, können wir Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn Sie Ihre Zustimmung nicht erteilen oder zurückziehen, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.
Funktional
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Voreinstellungen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Nutzer beantragt wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.