Zu Gast auf Burg Schaubeck

Seit 1914 ist das Gut im Besitz der Grafen Adelmann. Zu diesem Zeitpunkt wurde in den umliegenden Weinbergen schon seit fast 1000 Jahren Wein angebaut. War da der Weg in die Nachfolge logische Konsequenz?

Ja und nein. Klar ist, dass mir sicherlich das Interesse und die Faszination zum Wein und all seinen Dimensionen in die Wiege gelegt wurde, aber die Entscheidung vor drei Jahren das Weingut zu übernehmen, das war meine freie Entscheidung, ich hätte ebenso gut etwas anderes
machen können. Grundsätzlich denke ich, dass man sich vor allem von Dingen begeistern lassen kann, die man sehr intensiv erlebt und bei mir war es eben das Weinmachen, das mich durch meine Kindheit und
Jugend begleitet hat. Dennoch hat mein mir Vater die Entscheidung, ob ich das Geschäft weiterführen will, komplett selbst überlassen. Und das war wahrscheinlich gut so…

Felix Graf Adelmann, Foto: Weingut Adelmann

Ja, denn das ist das einzig richtige was Eltern tun können, wenn sie einen Familienbetrieb erhalten wollen, denn alles andere baut Druck auf. Ich hatte also alle Freiheiten. Dennoch wollte ich etwas studieren, das es mir ermöglichen würde, allen Anforderungen einer möglichen künftigen Geschäftsleitung gerecht zu werden. Ich habe mich letztlich für die Fächer Betriebswirtschaft und Sprachen entschieden. Nach dem Studium habe ich mich in unterschiedlichen Berufszweigen umgeschaut und vieles ausprobiert. Ich habe unter anderem in einer
Unternehmensberatung gearbeitet und hatte im Anschluss das Glück, mit einem Freund ein Unternehmen zu gründen, diese Erfahrung gehört bis heute zu den besten Phasen meines bisherigen Lebens …
Welche Art von Unternehmen haben Sie gegründet?
Mit dem Künstler Jochen Hein habe ich eine internationale Internetplattform für junge, noch unbekannte Künstler ins Leben gerufen. Sie heißt Artdoxa und besteht nach wie vor, wenngleich ich heute nicht mehr im Tagesgeschäft dabei bin, so bin ich der Sache nach wie vor sehr verbunden. Artdoxa – übrigens bis heute ein Non-Profit-Unternehmen – funktioniert nach dieser Maxime: eine freie Plattform für Künstler aus der ganzen Welt, frei zugänglich. Dennoch war es uns wichtig, ein gewisses Niveau vorzugeben und so haben wir zu
Beginn 100 Künstler selbst recherchiert, ausgewählt und eingeladen, ihre Arbeiten bei uns zu präsentieren – sozusagen als Benchmark für alle die folgen würden … Neben der Möglichkeit sich zu präsentieren und Käufer zu finden, geht es uns vor allem um den interaktiven Austausch zwischen den Künstlern selbst.
Wie kamen Sie zur Kunst? Auch ein Familienerbe?
Unser Familiensitz, Burg Schaubeck, beherbergt Kunstwerke vom Mittelalter bis hin zur Klassischen Moderne. Natürlich habe ich zu diesen Erbstücken eine besondere Beziehung, doch mein Herz schlägt ganz
klar für die zeitgenössische Kunst. Ich lebe schließlich im Hier und Jetzt. Dort finde ich meine Themen, übrigens auch für meine eigenen Musik- und Kunstprojekte.
Erzählen Sie uns mehr darüber…
Musik war meine erste Leidenschaft. Ich habe als Teenager E-Gitarre zu spielen begonnen. Schnell hatte ich dann die erste eigene Band und fing damit an, unsere Musik aufzunehmen. Heute besutze ich kleines Tonstudio und produziere auch. Mit meinem Schlagzeuger aus Jugendtagen habe ich seit meinem Studium und bis heute viele Projekte realisiert, an denen oftmals auch eine Menge unterschiedlicher Musiker beteiligt waren. Unser Musikstil lässt sich in keine Schublade stecken. Vom Song und der Ballade bis hin zu wilder Improvisation ist einfach alles dabei – das gilt auch für die unterschiedlichsten Musikstile. Auch hier wollte ich keine Grenzen akzeptieren, außerdem gab es auch nie den Anspruch kommerziell zu sein.
Das Gleiche gilt für die Kunst: Ich habe in meiner Jugend begonnen zu fotografieren. Dabei habe ich irgendwann das Polaroid für mich entdeckt. Während meines Studiums in Hamburg habe ich mich dann intensiv mit
dessen Möglichkeiten befasst. Wieder motiviert durch Jochen Hein habe ich damit begonnen, richtig experimentelle Dinge damit zu machen. Noch im flüssigen Zustand verändere ich die Aufnahme mit allen möglichen Utensilien – vom Chinastäbchen bis hin zur alten Schreibmaschine. Zum Schluss wird mittels Computer nachgearbeitet und vergrößert. Herauskommen dabei große Bilder mit verrückten Farbverläufen und Strukturen, hie und da Hieroglyphenartige Schriftmuster – Kunst zwischen Experiment, Zufall und bewusster Gestaltung. Genau mein Ding! Prägend für mein Kunstverständnis war und ist für mich bis heute – neben meinem Elternhaus – die Freundschaft mit Jochen Hein. Durch ihn lernte ich, meinem eigenen Urteilsvermögen zu vertrauen, nicht allen Trends zu folgen, sich nicht vereinnahmen und manipulieren zu lassen. Vieles im Kunstmarkt ist verlogen, das gilt übrigens auch für die Wein-Welt. Dem muss man seine eigene Wahrheit entgegensetzen, um authentisch zu bleiben und nicht unterzugehen.
Kommen wir zum Wein! Was können Sie uns zur Lage und Anbau sagen?
21 Hektar insgesamt, davon 60 Prozent Steillagen halten uns auf Trab, bieten aber auch ideale Grundvoraussetzungen für unser Qualitätsbestreben: Bei Steigungen bis 75 Prozent profitieren unsere Reben von intensiver und langer Sonneneinstrahlung. Zudem begünstigt der Neckar, der unterhalb unserer Terrassenweinberge fließt und einen Teil des Lichts reflektiert, das Mikroklima. Die Kleinbottwarer-Lagen sind Keuper-Hänge, also Sandsteinverwitterungsböden,
während unsere Terrassenlagen in Hoheneck am Neckar auf Muschelkalkböden wachsen.

Blick in den Park von Burg Schaubeck. Foto: Weingut Adelmann

Welche Rebsorten bestimmen Ihr Sortiment?
Auch wenn wir auf 70 Prozent unserer Fläche Rotwein anbauen, pflegen wir mit Leidenschaft auch finessenreiche Weißweine. Rotweine vergären bei uns klassisch auf der Maische (Beerenhäute). Die Top-Qualitäten werden im Barrique und/oder in 600er Fässern gepflegt. Die Weißweine werden im Hinblick auf Klarheit, Frische und Frucht größtenteils im Edelstahlgebinde ausgebaut. Einzige Ausnahme ist bisher unser Grauburgunder, der auch mal in 500 Liter-Fässern liegt. Neben unseren beiden wichtigsten Sorten Lemberger (Blaufränkisch) und Riesling pflegen wir ganz nach Württemberger Tradition eine große Sortenvielfalt: Weiß- und Grauburgunder ebenso wie Spätburgunder und etwas Trollinger, aber auch einige Raritäten wie
Muskateller, Traminer Muskattrollinger, Clevner und Samtrot. Nicht zuletzt diese Vielfalt ermöglicht es, einer besonderen Leidenschaft

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