Das Schauspiel von Karl Kraus wirft einen schonungsloser Blick hinter die Kulissen des Ersten Weltkriegs. Das Theater Heilbronn präsentiert mit „Die letzten Tage der Menschheit“ ein Werk von seltener Wucht und aktueller Relevanz. Karl Kraus, einer der bedeutendsten österreichischen Publizisten und Schriftsteller, nimmt in seinem monumentalen Drama nicht die Hölle der Front ins Visier, sondern beleuchtet die Abgründe des Hinterlands: Er erzählt von jenen, die den Ersten Weltkrieg aus sicherer Entfernung verfolgen, bejubeln und von ihm profitieren. Entstanden ist das Stück zwischen 1915 und 1922 und gilt als einer der wichtigsten pazifistischen Texte der modernen Literatur.

Die Aufführung am Theater Heilbronn macht deutlich, wie Propaganda und menschliche Schwächen Kriege befeuern und zivilisatorische Gewissheiten ins Wanken bringen. Die zentrale Botschaft ist aktueller denn je: Frieden muss das Ziel allen politischen Handelns sein.Die Inszenierung verzichtet bewusst auf eine klassische Handlungsführung und setzt stattdessen auf 220 Szenen, in denen reale Figuren wie Kaiser Franz Joseph, Wilhelm II., Soldaten, Pastoren und Journalisten agieren. Rund ein Viertel des Textes stammt aus Originaldokumenten – von Zeitungsartikeln über Tagesbefehle bis hin zu Briefen und Predigten –, wodurch die Atmosphäre der damaligen Zeit greifbar wird.

Kraus verbindet bitteren Humor mit gnadenloser Satire und entlarvt so die Absurdität und Unmenschlichkeit des Krieges. Wir begegnen sensationshungrigen Kriegsberichterstattern, profitgierigen Unternehmern und Offizieren, die im sicheren Hinterland schwelgen, während an der Front Leid und Tod herrschen. Zwei Figuren führen streitend durch das Geschehen: Der Optimist sieht im Krieg eine reinigende Kraft, der Nörgler – das Sprachrohr des Autors – widerspricht und zeigt auf, dass der Krieg die Guten verzweifeln und die Schlechten noch schlechter werden lässt.


Weitere Info: www.theater-heilbronn.de