Den (Augen)Blick sehen!

Malerei und Fotografie aus der Sammlung Klein. Die Hängung lädt dazu ein, die Vielschichtigkeit des Blicks und zugleich das Schauen auf den Blick zu erkunden.

Shirin Neshat: The Last Word, 2003, Silbergelatine Print, 94 x 241,3 cm © 2026 Shirin Neshat, courtesy neugerriemschneider, Berlin

Unter dem Motto Den (Augen)Blick sehen! lädt das Kunstwerk Nussdorf ein Werke aus der eigenen Sammlung zu entdecken, die sich auf das Schauen und Sehen beziehen. Es geht um Projektionen und Wahrnehmungen. Wie sehen wir die Welt und wie sieht die Welt uns? Was kann, darf und will ein Blick und welche Beziehungen können daraus entstehen?

Gottfried Helnwein: The Disasters of War 1, 2007, Öl und Acryl auf Leinwand, 140 x 248,5 cm © 2026 Gottfried Helnwein, VG Bild-Kunst, Bonn

Die Kraft des Blicks ist mächtig, schließlich sind die Augen Fenster tief in unser Inneres – das zeigen die über 60 gezeigten Gemälde und Fotografien u.a. von Gregory Crewdson, Xenia Hausner, Gottfried Helnwein, Alex Katz, Tracey Moffatt, Shirin Neshat, Michelangelo Pistoletto und Arnulf Rainer.

Christian Thompson: Scorch the Earth, 2013, C-Print, 121 x 121 cm © 2026 Christian Thompson

Richtet sich ihr Blick auf etwas innerhalb oder außerhalb des Bildraumes? Sind ihre Augen geschlossen und richtet sich ihr Blick nach innen? Sehen sie das betrachtende Gegenüber? Was verraten ihre Augen und ihre Mimik über ihre inneren Welten? Sagt ihr Blick etwas aus über ihre soziale oder gesellschaftliche Situation oder Rolle aus? Lässt sich etwas über Beziehungen oder Machtverhältnisse erfahren? Ein scheuer oder offensiver Blick, ein forschender Blick, ein verträumter, in sich gekehrter oder nachdenklicher Blick… oft sind es allein die Augen, die eine große Geschichte erzählen.

Die unendliche Vielfalt des Blicks macht deutlich: Der Blick ist eine der faszinierendsten und komplexesten Ausdrucksformen menschlicher Identität. Er fungiert als Türöffner zu versteckten Empfindungen und inneren Zuständen. Die Betrachtung der Dargestellten und ihrer unterschiedlichen Blicke kann zu ganz unterschiedlichen Reaktionen führen. Vorstellungen, Emotionen, Erwartungen, Vermutungen, Projektionen und Deutungen werden auf das Gegenüber projiziert. Während einige den frontalen Blick als provokativ empfinden, empfinden ihn andere als zugewandt und interessiert. Wie beeinflusst die eigene Wahrnehmung, was gesehen und wie der Ausdruck der Anderen eingeordnet wird? Wie verändern sich die Interpretationen je nach Kontext und Stimmung?

Michelangelo Pistoletto: Gemelle (Mirror Triptych), 1998, Siebdruck auf Acrylspiegel, jeweils 50 x 40 cm © 2026 Michelangelo Pistoletto

Gerade in unserer Zeit schauen sich Menschen immer seltener in die Augen – denn heute schaut man im Aufzug, im Wartezimmer, an der Bushaltestelle oder in der Bahn meist auf das Smartphone , statt Blickkontakt mit Mitmenschen aufzunehmen. Obwohl doch die Sehnsucht nach Kommunikation und Verbundenheit nie größer war wird der Blickkontakt immer seltener. Diese Ausstellung will dazu anregen, diesen Phänomen mit Mitteln der Kunst entgegen zu wirken und wieder anregen „neu zu schauen“ (!) …

Den (Augen)Blick sehen!
1. Februar bis 31. Juli 2026
KUNSTWERK – Sammlung Klein
Siemensstraße 40, 71735 Eberdingen-Nussdorf
Tel. 0 704 2 / 37 69 566
www.sammlung-klein.de
Öffnungszeiten: Freitag und Sonntag 13 bis 17 Uhr
Eintritt frei