Die Fotografin Sibylle Bergemann und Fotograf Arno Fischer waren nicht nur privat ein Paar, sondern auch künstlerisch eng miteinander verbunden. Aktuell widmen sich zwei große Ausstellungen, die zeitgleich in der Kunsthalle Göppingen sowie auf dem nahegelegenen Schloss Filseck stattfinden, dem umfangreichen Schaffen beider Künstlerpersönlichkeiten. So bekommt man die Gelegenheit, die unterschiedlichen und sich ergänzenden fotografischen Positionen von Bergemann und Fischer im direkten Vergleich zu erleben und die vielfältigen Facetten ihres künstlerischen Wirkens umfassend kennenzulernen.

Sibylle Bergemann (1941–2010) zählt zu den bedeutendsten deutschen Fotografinnen und gilt als international bekannteste Vertreterin der Fotografie der DDR. Über mehr als vier Jahrzehnte entwickelte sie ein vielschichtiges Œuvre, das Stadtansichten, Mode- und Porträtfotografien ebenso umfasst wie essayistische Reportagen.
Auch Arno Fischer hatte nachhaltige Bedeutung für die deutsche Fotografie. Er hatte die erste Professur für künstlerische Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig inne und zählt neben Ursula Arnold und Evelyn Richter zu der ersten Generation von Fotografen in der DDR. Bergemann war 14 Jahre jünger als ihr Ehemann und hat sich als seine Schülerin künstlerisch eigenständig etabliert.


Bergmanns Bilder bewegen sich zwischen Traum und gesellschaftlicher Wirklichkeit und sind geprägt von einer präzisen, oft poetischen Bildkomposition. Wiederkehrende Themen wie die Stadt und das Porträt von Frauen sowie ihre fotografischen Reisen nach Dakar, Moskau, New York oder Paris strukturieren ihr Werk. Die Ausstellung präsentiert Fotografien aus den Jahren 1966 bis 2010 und würdigt eine Künstlerin, die die Geschichte der Fotografie nachhaltig geprägt und mehrere Generationen von Fotografen*innen beeinflusst hat. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Estate Sibylle Bergemann.
Die Ausstellung auf Schloss Filseck in Uhingen nahe Göppingen gibt Einblick in das fotografische Werk Arno Fischers (1927–2011) und zeigt zentrale Serien, die vom Berlin der Nachkriegsjahre über den Kalten Krieg bis ins New York der 1980er Jahre führen. Nicht die großen politischen Schlaglichter bestimmten seine Motive, sondern die stille Intensität des Alltags – das Poetische im Nüchternen, das Bedeutsame im Unscheinbaren.

In der Werkreihe Situation Berlin (1953–1960) porträtiert Fischer das Leben in der in vier Sektoren geteilten Stadt. Er besucht politische Kundgebungen, Rummelplätze, den Kurfürstendamm oder provisorische Baustellen und richtet seinen Blick bewusst abseits der offiziell „bildwürdigen“ Szenen. Weitere Werkgruppen zeigen seine Reportagen aus Ländern des Ostblocks sowie seine Fotografie für die Modezeitschrift Sibylle, deren Bildsprache er entscheidend mitgestaltete. Auch seine New-York-Fotografien (1978, 1984) stehen für eine offene, unbefangene Street Photography, die sozialen Gegensätze und urbane Vielfalt sichtbar macht.

Ein eigener Bereich würdigt Fischers Rolle als Kollege und Begleiter. Arbeiten seiner Partnerin Sibylle Bergemann sowie seiner Weggefährten Brigitte Voigt, Roger Melis, Rudolph Schäfer, Ute und Werner Mahler u. a. erweitern auf Schloss Filseck den Blick auch auf sein Umfeld – um die Einflüsse und den gemeinsamen Blick auf den Moment sichtbar zu machen, der Fischers fotografisches Werk prägte.
Die Kunsthalle Göppingen bietet ein vielfältiges Begleitprogramm zu den Ausstellungen mit Führungen, Workshops, Konzerten und Lesungen. Außerde gibt einen Bus-Shuttle und Weinproben.
Alle Informationen siehe: www.kunsthalle-goeppingen.de
Sibylle Bergemann – Fotografie 1966 – 2010
Kunsthalle Göppingen
03.03.2026 – 28.06.2026
Arno Fischer – Fotografie
Schloss Filseck
31.01.2026 – 28.06.2026
Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit der LOOCK Galerie Berlin entstanden. © Erbengemeinschaft Arno Fischer, © Estate Sibylle Bergemann.