Die in Freiburg lebende Schriftstellerin Annette Pehnt wird mit dem renommierten Johann-Peter-Hebel-Preis 2026 des Landes Baden-Württemberg geehrt – eine Auszeichnung, die nach einem der großen alemannischen Aufklärer und Feingeister benannt ist, der das Bewusstsein für Tradition, regionale Sprache und Heimat wie kaum ein anderer verkörperte. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre anlässlich des Geburtstags des Dichters am 10. Mai beim Johann-Peter-Hebel-Fest in Hausen im Wiesental verliehen.

In diesem Geiste sieht die Jury auch Pehnts Werk: Mit einer Sprache, die auf radikale Einfachheit setzt, erschafft sie eine tonale Spannung, die die neuralgischen Kippmomente des Lebens mit leiser Präzision einfängt. Die Jury lobt die Menschenkenntnis der Autorin, ihre sprachliche Genauigkeit und eine seltene Kunst der erzählerischen Ökonomie, die sich virtuos in Kurzprosa, Miniaturnovellen, Kalendergeschichten und Fragmenten verdichtet. Der aktuelle Erzählband „Einen Vulkan besteigen“ markiert den bisherigen Höhepunkt ihres Schaffens. Mit minimalistischem Ausdruck gelingt es Pehnt, grundlegende Fragen menschlicher Existenz zu bündeln und dabei in den Räumen zwischen den Zeilen einen Kosmos von Assoziationen und Gedanken zu eröffnen.

Annette Pehnt, 1967 in Köln geboren, ist eine literarische Kosmopolitin: Ihr Studium und ihre Arbeit führten sie nach Irland, Schottland, Australien und in die USA. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Freiburg im Breisgau und in Hildesheim. Seit 2018 leitet sie das Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft und prägt so die Literaturlandschaft weit über ihre eigenen Texte hinaus. Ihr Debütroman „Ich muß los“ (2001) wurde sogleich mit dem Mara-Cassens-Preis ausgezeichnet. 2002 folgte der Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb für einen Auszug aus „Insel 34“, 2008 der Thaddäus-Troll-Preis, die Poetikdozentur der Fachhochschule Wiesbaden und 2009 der Italo Svevo-Preis. Es folgten der Solothurner Literaturpreis und der Hermann Hesse Preis (beide 2012), der Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg (2017), der Rheingau-Literaturpreis (2020) und zuletzt der Große Preis des Deutschen Literaturfonds (2023), der ihr Gesamtwerk würdigt. 2025 erschien der Erzählband „Einen Vulkan besteigen“, 2023 der mehrfach prämierte Roman „Die Schmutzige Frau“. Im vergangenen Jahr war Pehnt Stipendiatin des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia. Ihr literarisches Spektrum umfasst zudem zahlreiche Kinderbücher, etwa das liebenswerte „Der Bärbeiß“ (2013), das längst Kultstatus genießt.
Mehr über die Autorin erfahren Sie unter: www.annette-pehnt.de
Besondere Ehrung für das Lebenswerk Friedrich Pfäfflins 2026
Anlässlich des 200. Todesjahres von Johann Peter Hebel wird zusätzlich zum Hebel-Preis ein besonderer Ehrenpreis verliehen. Die Ehrung des Literaturwissenschaftlers Friedrich Pfäfflin wird ebenfalls im Rahmen des Hebelfestes ausgesprochen. Friedrich Pfäfflin hat sich jahrzehntelang um die Vermittlung und Pflege der Literatur im alemannischen Sprachraum verdient gemacht und durch die Einrichtung literarischer Gedenk- und Museumsorte in Baden-Württemberg Räume des Schreibens, des Lesens und Erinnerns geschaffen. Er gründete die „Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg“, die beim Deutschen Literaturarchiv in Marbach angesiedelt ist und ohne die auch das Hebel-Museum in Hausen im Wiesental kaum möglich gewesen wäre.
Zu den bisherigen Preisträgern des Johann-Peter-Hebel-Preises gehören Monika Helfer, Pierre Kretz, Sibylle Berg, Christoph Meckel, Michael Köhlmeier, Albert Schweitzer, Max Picard, Otto Flake, Claude Vigée, Carl Jacob Burckhardt, Martin Heidegger, Marie Luise Kaschnitz, Elias Canetti, Emma Guntz, Arno Geiger, Arnold Stadler, Karl-Heinz Ott und Lukas Bärfuss.
Friedrich Pfäfflin wurde 1935 in Oberreichenbach im Schwarzwald geboren. Nach seiner Ausbildung als Verlagsbuchhändler arbeitete er für verschiedene Verlage, unter anderem für den Kösel-Verlag und den Hanser-Verlag. 25 Jahre lang hatte er die Leitung der Museumsabteilung am Schiller-Nationalmuseum in Marbach am Neckar inne. Friedrich Pfäfflin hat durch Gründung der Arbeitsstelle für literarische Museen und Gedenkstätten in Baden-Württemberg die Literaturlandschaft in Baden-Württemberg nachhaltig geprägt. Als Herausgeber der Reprint Ausgabe „Die Fackel“ von Karl Kraus hat er internationale Anerkennung gefunden. Für sein Engagement wurde er 1995 in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung aufgenommen. Er erhielt den Ehrendoktor der Literaturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen, das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, den Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig und 2019 die Ehrenbürgerschaft der Universität Innsbruck.