Künstlerisches und literarisches Werk im Dialog in der kunsthalle messmer in Riegel bei Freiburg.
Hermann Hesse (1877 in Calw – 1962 in Montagnola) gehört zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts und erlangte mit seinen literarischen Werken wie Siddhartha (1922), dem Steppenwolf (1927), Narziß und Goldmund (1930) oder dem Glasperlenspiel (1943) Weltruhm. Doch Hesse war nicht nur Schriftsteller und Dichter, sondern auch Maler: Die Kunsthalle Messmer in Riegel bei Freiburg rückt in ihrer aktuellen Sonderausstellung diese Seite in den Fokus.

„Hermann Hesse – Bereit zum Aufbruch“ noch bis 11.10.26 zeigt in einer Werkschau rund 130 Aquarelle, Tusche- und Federzeichnungen, Typoskripte von Gedichten, illustrierte Briefe, Erstausgaben sowie Fotografien. „Tiefere Wonne weiß ich nicht auf Erden, als im Weiten unterwegs zu sein“, dichtet Hesse in seinem Reiselied. Die Ausstellung integriert Zitate aus dessen literarischen Werken und unternimmt den Versuch, das Wechselspiel zwischen Hesses Farb- und Wortwelten aufzuzeigen.

„Als Dichter wäre ich ohne das Malen nicht so weit gekommen“, sagt Hesse, dem das Malen u. a. half, Schreibkrisen zu überwinden. In seinen leuchtenden, farbenfrohen Aquarellen kommen seine Liebe zur Natur und zu seiner Wahlheimat Tessin besonders zum Ausdruck. Ebenso seine Themen wie Aufbruch, Erneuerung, Suche nach der eigenen Identität, nach einem Leben im Einklang mit sich und der Umwelt.
Der Rundgang der Ausstellung beginnt bei Hesses Berner Jahren, in denen er unter dem Eindruck persönlicher Schicksalsschläge und während seiner psychoanalytischen Arbeit mit J.B. Lang und später C.G.Jung zur Malerei fand: Selbstbildnisse und Traumbilder entstanden ab 1916. Mit dem Umzug nach Montagnola 1919 beginnt für Hesse ein neuer Lebensabschnitt: Die südliche Landschaft inspiriert ihn und löst eine intensive Schaffensperiode aus. In Montagnola entfaltet Hesse eine leuchtende Bildsprache, geprägt von der Inspiration durch Künstler wie Louis Moilliet, Cuno Amiet oder August Macke und getragen von der utopischen Kraft der Tessiner Landschaft.
Mehrfach besuchte Hesse auch die von der Lebensreform beeinflusste alternative Gemeinschaft auf dem nahegelegenen Monte Verità oberhalb von Ascona: dieser Treffpunkt für Aussteiger und Lebenskünstler, allesamt auf der Suche nach einem authentischen, naturverbundenen Leben fernab bürgerlicher Zwänge steht in großer Resonanz zu Hesses eigener Suche und die dortigen Erfahrungen prägten sein Werk nachhaltig.
In Zusammenarbeit mit der Kunststiftung der Sparkasse Pforzheim-Calw.