Bewegte Körper und eine Künstlerfamilie

Vom Tanz als Motiv der Kunst bis zum Schaffen der Künstlerfamilie Mosbrugger: Zwei Ausstellungen in Konstanz erzählen vom Wandel künstlerischer Ausdrucksformen und von Künstler-Generationen deren Leben und Wirken die Kunstgeschichte des Bodensees mitprägte.

Walter Eberhard Loch (1885–1979), „Lila Tänzerin vor gelbem Hintergrund“, 1930, Gouache auf Karton, Privatbesitz, Photo © Alexander Stertzik
Oskar Schlemmer, „Das Triadische Ballett“, Eloise Alsop, Auguste Marmus, Kostüme „Großer Rock“ und „Taucher“, Bayerisches Junior Ballett München, Photo © Marie-Laure Briane

Lebensfreude und Rausch. Der Tanz in der Kunst
Wie lässt sich Bewegung im Bild festhalten? Die Ausstellung „Lebensfreude und Rausch“ betrachtet Tanz als künstlerisches Motiv und als Spiegel wechselnder Körperbilder. Mit ausgewählten Werken vom Rokoko bis in die Gegenwart verfolgt sie, wie Kunst Rhythmus, Gesten und körperlichen Ausdruck übersetzt. Ihr Konzept setzt auf thematische Schlaglichter statt auf eine lückenlose Geschichte des Tanzes. Im Mittelpunkt stehen unterschiedliche Ausdrucksformen und die Frage, was sie über das Lebensgefühl ihrer Zeit erzählen.
Der Bogen reicht von der italienischen Commedia dell’Arte über Ballett und Spitzentanz bis zum Ausdruckstanz. Lebensreform und die „Goldenen Zwanziger“ markieren dabei ein verändertes Verhältnis zum Körper und prägen die Ästhetik des modernen Tanzes. Im postmodernen Tanz werden schließlich auch Alltagsbewegungen zum Ausgangspunkt neuer choreografischer Formen. So begegnen sich gesellschaftliche Konventionen und der Wunsch nach Freiheit, Gemeinschaft und individueller Entfaltung. Tanz erscheint als Ausdruck von Lebensfreude und Rausch, zugleich aber auch als Zeichen kulturellen Aufbruchs.

Daniel Wagenblast (geb. 1963), „Dance in the city“, 2026, Holz bemalt, 94 x 42 x 38 cm, Privatbesitz, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Zu den vorgestellten Werken zählen Hans Thomas „Kinderreigen“ und Oskar Schlemmers „Triadisches Ballett“, dessen Tanzende zu raumplastischen Figuren werden. Die Ausstellung versammelt außerdem Arbeiten von Joseph Anton Feuchtmeyer, Franz Anton Bustelli, Marie Ellenrieder, Erich Heckel, Walter Eberhard Loch, Walter Waentig, HAP Grieshaber und Daniel Wagenblast. Ihre Darstellungen der menschlichen Figur eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf tänzerische Bewegung und machen den Wandel künstlerischer Ausdrucksmittel über mehrere Jahrhunderte nachvollziehbar. Dabei geht es nicht allein darum, Tanz abzubilden. Linien, Farben, Formen und Kompositionen können Rhythmus vermitteln und die Vorstellung von Musik und Bewegung wecken. Ein festgehaltener Augenblick lässt den Blick den Körpern und Gesten folgen, sodass der Tanz in der Wahrnehmung weitergeht. Zwischen den Epochen entstehen auf diese Weise Verbindungen: Die Werke zeigen, wie unterschiedlich Künstlerinnen und Künstler Bewegung erfassen und wie eng Sehen, Hören und körperliche Erfahrung miteinander verbunden sind.
Die Exponate stammen aus den Sammlungen der Städtischen Wessenberg-Galerie und des Rosgartenmuseums Konstanz sowie aus zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen.
Dauer: bis 7. März 2027

Die Mosbruggers – Eine Künstlerfamilie am Bodensee

Wendelin Mosbrugger, Familienbild der Familie Mosbrugger Öl auf Leinwand um 1802 © Rosgartenmuseum Konstanz

Die aus Vorarlberg stammende Künstlerfamilie Mosbrugger ist von 1795 bis zum Tod des letzten Malers, Joseph, 1869 am Bodensee, in den angrenzenden Landschaften und im Schweizer Umland tätig. Ihr Werk umfasst eindrucksvolle, tief psychologisch gestaltete Porträts, repräsentative Familienbilder, geistliche Motive, Landschaftsmalerei und expressive Genredarstellungen. In ihrer Zeit erleben sie kriegerische Unruhen, Hungersnöte, aber auch politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufbruch.

Joseph Mosbrugger Das Hexenhäuschen bei Bregenz Öl auf Holz 1847 © Städtische Wessenberg Galerie Konstanz

Die Sonderausstellung im Rosgartenmuseum zeigt noch bis 10. Januar 2027 in bedeutenden Leihgaben und aus der großen eigenen Sammlung das weitgespannte Schaffen der drei bemerkenswerten Künstler und ihres Umfeldes: So entsteht das faszinierende Bild einer Epoche, die von Stillstand, rückwärtsgewandter Romantik, europäischer Neuorientierung der Kunst und von revolutionären politischen Aufbrüchen gleichermaßen geprägt war.
Begleitend zur Ausstellung ist ein Dokumentarfilm entstanden: Die Mosbruggers. Bilder und Ereignisse einer Künstlerfamilie am Bodensee. Zu sehen im Museumskino.