Werfen Sie mit uns einen Blick auf neue Spielzeit der großen Bühnen in BW von Stuttgart, Mannheim, Heidelberg, Karlsruhe, Freiburg und Ulm – mit den wichtigsten Premieren und Neuerungen – mit sorgfältig kuratierten Empfehlungen – sparten- und städteübergreifend.-
NATIONALTHEATER MANNHEIM
Das Nationaltheater Mannheim geht mit einem breit aufgestellten Programm in die Saison: Oper, Schauspiel, Tanz und Junges NTM bleiben auch in den Interimsspielstätten präsent. Die Oper eröffnet unter anderem mit der Uraufführung „Reise zum Mond“, einer Abenteueroper nach Jules Verne. Im Schauspiel stehen frühe Premieren wie „Nora oder Ein Puppenhaus“ und „Kasimir und Karoline“ auf dem Plan; das Junge NTM startet mit „Schnee von morgen“. Insgesamt setzt Mannheim auf die Verbindung von Repertoire, neuen Arbeiten und einem starken Saisonauftakt mit Theaterfest.

Nationaltheater Mannheim
THEATER UND ORCHESTER HEIDELBERG
In Heidelberg beginnt mit Intendantin Bernadette Sonnenbichler eine neue Ära. Die Spielzeit startet vom 1. bis 4. Oktober 2026 mit einem Eröffnungsfest und sechs Premieren aus allen Sparten. Zu den angekündigten Auftaktproduktionen zählen Shakespeares „Romeo und Julia“, die Uraufführung „Mama, bitte lern Deutsch“ von Tahsim Durgun, die Tanz-Uraufführung „Orlando“, John Cages „Europera 5“ sowie Angebote für junges Publikum.

THEATER ULM
Am Theater Ulm markiert die Spielzeit 2026/27 einen Leitungswechsel: Mit Greta Călinescu beginnt die erste Intendantin in der Geschichte des Hauses. Unter dem Motto Schwüre kreist die Saison um Sprache, Versprechen, Loyalität und Bruch. Die Premieren reichen von Shakespeares „Wie es euch gefällt“ und der Uraufführung „Spaceman“ über das Musiktheater mit Halévys „La Juive“, Mozarts „Così fan tutte“ und Tschaikowskys „Eugen Onegin“ bis zu Tanzproduktionen wie „Kipppunkte“, „Together in Motion“ und „Schwanensee“.

DIE STAATSTHEATER STUTTGART
Die Staatstheater Stuttgart kündigen für 2026/27 insgesamt 33 Premieren und 67 unterschiedliche Produktionen in Oper, Ballett und Schauspiel an.
Staatsoper Stuttgart
Die Staatsoper Stuttgart stellt die Spielzeit unter das Bild einer großen Reise: von Rocky Beach nach Istanbul, von Mzensk über Wien nach Paris. Zugleich beginnt mit Nicholas Carter ein neuer Generalmusikdirektor seine Arbeit an der Staatsoper und beim Staatsorchester. Der Premierenreigen eröffnet am 3. Oktober 2026 mit Donizettis „Lucia di Lammermoor“ in der Inszenierung von Katie Mitchell. Die Pro-duktion rückt nicht nur das romantische Schauermotiv und die Virtuosität des Belcanto in den Mittel-punkt, sondern vor allem die Mechanismen von Zwang, Trauma und weiblicher Selbstbehauptung.
Am 8. November 2026 folgt Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“, eine der markantesten Opern des 20. Jahrhunderts. Unter der musikalischen Leitung von Nicholas Carter und in der Regie von Ulrike Schwab verspricht die Neuproduktion eine starke Verbindung aus greller Groteske, sozialer Schärfe und existenzieller Wucht. Im Dezember kommt Verdis „La traviata“ in einer Stuttgarter Premiere auf die Bühne: Benedikt von Peters Inszenierung konzentriert sich radikal auf Violetta und verdichtet das Werk zu einem Kammerspiel über Öffentlichkeit, Einsamkeit und gesellschaftlichen Druck.

Besonders auffällig ist der Uraufführungsanteil der Saison. Mit „Die drei ??? und das Spiegelkabinett“ bringt die Staatsoper ab dem 20. Februar 2027 erstmals die populären Detektive aus Rocky Beach auf eine Opernbühne. Die Arbeit von Gordon Kampe schlägt eine Brücke zwischen Familienpublikum, Popkultur und zeitgenössischem Musiktheater. Am 10. April 2027 folgt mit „Atatürk“ eine weitere Uraufführung: Bassem Akikis Oper nach einer Idee und in der Regie von Ersan Mondtag widmet sich der Entstehung einer Nation, der Konstruktion politischer Symbolfiguren und der Nachwirkung historischer Erzählungen bis in die Gegenwart.
Zum Ende der Saison erweitert die Staatsoper ihr Profil mit großen Werken des Repertoires und starken Regiehandschriften. Richard Strauss’ „Der Rosenkavalier“ kommt ab 6. Mai 2027 in einer Neuproduktion von Axel Ranisch heraus, musikalisch ebenfalls von Nicholas Carter geleitet. Ab 25. Juni 2027 folgt Glucks Barockoper „Alceste“ in einer Neuinterpretation von Milo Rau und Titus Engel, die den Stoff zugleich politisch und existenziell befragt. Ergänzt wird der Premierenblock durch Beethoven „NEUN – Ode an das Leise“, ein szenisches Konzert, das Beethovens neunte Symphonie in einen neuen zeitgenössischen Kontext stellt.
Zu den Wiederaufnahmen gehören unter anderem „Die schlaue Füchsin“ von Leoš Janáček und „Station Paradiso“ – Eine Mixtape-Oper über die Sehnsucht nach Zuhause von Sara Glojnarić, die in der letzten Saison in Stuttgart uraufgeführt wurde.
Stuttgarter Ballett
Das Stuttgarter Ballett eröffnet seine Spielzeit sichtbar mit einem starken Bezug zur eigenen Tradition. John Crankos „Onegin“ kehrt ab 25. September 2026 ins Opernhaus zurück, gefolgt von Crankos „Romeo und Julia“ ab 13. November 2026. Beide Werke gehören zum Kern der Stuttgarter Ballettidentität und verweisen auf jene Verbindung von erzählerischer Präzision, psychologischer Figurenzeichnung und tänzerischer Dramatik, die das sogenannte Stuttgarter Ballettwunder bis heute prägt.
Im Winter setzt das Ballett auf familien- und publikumswirksame Stoffe: Edward Clugs „Der Nussknacker“ nach E. T. A. Hoffmann ist ab 27. November 2026 im Opernhaus zu sehen, Maximiliano Guerras „Don Quijote“ nach Miguel de Cervantes folgt ab
27. Januar 2027. Daneben öffnet Noverre: Junge Choreografen ab 20. Februar 2027 im Schauspielhaus den Blick auf den choreografischen Nachwuchs und knüpft an eine wichtige Werkstatttradition des Hauses an.
Die eigentlichen Premierenakzente der zweiten Saisonhälfte liegen in mehreren Ballettabenden. MODERN ELEGIES bringt ab 12. März 2027 Choreografien von George Balanchine, Jiří Kylián und David Dawson zusammen und stellt damit unterschiedliche Formen moderner Eleganz, Musikalität und Körperabstraktion nebeneinander. Mit CREATIONS XVI – XIX folgen ab 16. April 2027 Uraufführungen von Nnamdi Nwagwu, Demis Volpi, Vittoria Girelli sowie Sasha Riva und Simone Repele. Dieser Abend ist besonders wichtig, weil er neue choreografische Stimmen ins Zentrum rückt und das Ballett nicht nur als Bewahrer einer großen Tradition, sondern als Produktionsort zeitgenössischer Tanzsprache zeigt.
Zum Saisonende würdigt das Stuttgarter Ballett zwei zentrale Traditionslinien. FÜR MAURICE versammelt ab 4. Juni 2027 Choreografien von Maurice Béjart und erinnert an dessen prägende Bedeutung für den europäischen Tanz des 20. Jahrhunderts. Ab 9. Juli 2027 folgt UNSER CRANKO, eine Hommage an John Cranko. Damit schließt die Saison in Stuttgart mit einem doppelten Blick: zurück auf die großen Erzähl- und Formtraditionen des Hauses und zugleich nach vorn auf neue choreografische Handschriften.
Schauspiel Stuttgart
Den Auftakt macht die theatrale Hannah-Arendt-Erkundung „Zwischen zwei Menschen entsteht manchmal, wie selten, eine Welt“. Die Inszenierung von Burkhard C. Kosminski verbindet Arendts Briefe und Texte mit Elfriede Jelineks „Totenauberg“ und nimmt dabei auch Arendts schwierige Beziehung zu Martin Heidegger in den Blick. Der Abend fragt nach Denken als Widerstand, nach Freundschaft als geistiger Heimat und nach der Möglichkeit, der Wirklichkeit unerschrocken ins Gesicht zu sehen. Ungewöhnlich ist zudem die Form: Die Produktion findet an unterschiedlichen Orten im Schauspielhaus statt. Besonders prägend sind die Uraufführungen: „Flüchtige Welten“ ukrainischer Autorinnen, Clemens J. Setz’ „Die Jäger im Schnee“, Stephan Kaluzas „Faust neo“ sowie das „Stammheim-Protokoll“ von Dead Centre zum RAF-Prozess. Ergänzt von Klassikern wie Dürrenmatts „Das Versprechen“, Schillers „Kabale und Liebe“ und Tennessee Williams’ „Die Glasmenagerie“.

von Bertolt Brecht (Text) und Kurt Weill (Musik) am Schauspiel Stuttgart
Foto: Julian Baumann
BADISCHES STAATSTHEATER KARLSRUHE
Das Badische Staatstheater Karlsruhe startet nach dem Theaterfest im September mit Premieren wie „familienalbum.karlsruhe“, das Musiktheater „Das Prinzip Hoffnung“, Andrew Lloyd Webbers Musical „Sunset Boulevard“, das Ballett „Cinderella“ und Heiner Müllers „Macbeth“ nach Shakespeare. Weitere markante Stationen sind „Der Zauberer von Oz“, die XR-Experience „Karneval der Tiere“, Korngolds „Die tote Stadt“ oder „Triumph des Lebens“, die Händel-Festspielproduktionen Faramondo und Floridante, gefolgt im Frühjahr 2027 von „Solaris“, Richard Strauss’ Oper „Arabella“, „20.000 Meilen unter dem Meer“ nach Jules Verne und Massenets „Don Quichotte“.

Foto: Admill Kuyler, Badisches Staatstheater Karlsruhe
Theater Freiburg
Das Theater Freiburg geht unter Intendant Felix Rothenhäusler in seine zweite Spielzeit und setzt unter dem Motto „Willst du mit mir gehen?“ auf Offenheit, Beteiligung und künstlerische Vielfalt. Angekündigt sind 22 Premieren, darunter 14 Uraufführungen. Den Auftakt machen Shakespeares „Macbeth“, die spartenübergreifende Operetten-Revue „Amusez-vous: Jacques Offenbach“ und Golda Bartons Uraufführung „Die Jane-Austen-Methode“. Weitere Akzente setzen „Peter Pan und Wendy“, „Moby Dick oder der Wal“, Verdis „La traviata“ sowie im Musiktheater Schönbergs „Moses und Aron“, Wagners „Lohengrin“, Sondheims „Into the Woods“ und Ellen Reids „The Shell Trial“. Neu ist vor allem der starke Zug in die Stadt: Projekte in Wohnräumen, Schulen und Stadtteilen, offene Formate und partizipative Angebote sollen das Theater stärker als gemeinsamen Raum für Staunen, Widerspruch und Begegnung erfahrbar machen.
Fazit: Die Spielzeit 2026/27 zeigt in der Region eine deutliche Lust am Aufbruch und an künstlerischer Vielfalt: Heidelberg und Ulm starten mit neuen Intendanzen, Freiburg sucht den direkten Dialog mit Stadt und Publikum, Mannheim behauptet in der Übergangssituation seine spartenreiche Kraft, Stuttgart setzt auf die Größe eines Mehrspartenhauses mit besonderer Gegenwartsnähe, und Karlsruhe verbindet Tradition, Unterhaltung, Familienformate und experimentelle Ansätze. Gemeinsam entsteht ein Premierenjahrgang, der Klassiker neu befragt, Uraufführungen stark macht und Theater als öffentlichen Raum des Austauschs versteht.
Natürlich umfasst das Programm der Bühnen auch Wiederaufnahmen von Stücken aus den vergangenen Spielzeiten. Mehr dazu erfahren Sie über deren Online-Portalen.